Rapid-Abwehrchef Cvetkovic: "Mit dem Derby begann der Absturz"

Aus Benidorm Nenad Cvetkovic ist im Trainingslager gut gelaunt, optimistisch und fühlt sich „top-fit“. Der Co-Kapitän ist aber auch ein Mann, der präzise zurückblickt und Kritik äußert. Auf Englisch gibt es vom 30-jährigen Serben im KURIER-Interview Klartext. War das Ihre härteste Halbsaison? Ja, besonders das letzte Monat der Meisterschaft. Es war emotional sehr erschöpfend: Wir haben so viel probiert, wurden aber nicht mehr erfolgreich. Wie frustriert waren Sie? Es war sehr frustrierend! Weil wir wirklich alles reingeworfen haben. Wir sind immer mehr gelaufen, das zeigen die GPS-Daten. Zum Teil hat auch das Glück gefehlt. Noch im Jänner wartet Ried im Cupviertelfinale. Reicht die Zeit für den geplanten Neustart? Wir brauchen einen Sieg. Es ist nicht so viel Zeit, aber es ist zu schaffen. Und auch wenn noch viel zu verbessern ist, haben wir im ersten Test Ferencvaros geschlagen. Beim letzten Duell mit Ried haben Sie versucht, einen Eckball zu verhindern. Rausgekommen ist der entscheidende Elfmeter zum 1:2 – war das wie ein Sinnbild für den Herbst? Ja, tatsächlich. Wenn du in der Krise bist, willst du ein Extra versuchen: Ich dachte an die Rieder Standardstärke, anstatt einfach den Ball rauszulassen. Wir haben beim 1:2 aber auch zu viele Chancen vergeben. Deswegen mag ich den Ansatz des neuen Trainers Johannes Hoff Thorup sehr. Warum? Weil wir nicht so spielen sollten, um mit einem Tor Unterschied zu gewinnen, sondern es darauf anlegen, gleich richtig viele Chancen herauszuspielen. Coach Hoff Thorup ist direkt nach dem ersten Training auf Sie zugekommen, um zu reden. Wie läuft die Kommunikation? Sehr gut! Das ganze Trainerteam ist sehr darauf erpicht, uns in Details zu verbessern. Wir können viel lernen. Ich glaube, dass großartige Veränderungen möglich sind. EPA/Max Slovencik Auffällig ist das Risiko in der Spieleröffnung. Kann das in Österreich, wo fast alle Teams auf solche Ballgewinne lauern, funktionieren? Wir haben großes Potenzial bei der Spieleröffnung. Wir wollen Fußball spielen, aber auch nicht dumm agieren. Es muss eine gute Balance geben aus dem Risiko, das wir nehmen, und langen Bällen. Aber dafür brauchen wir eine bessere Koordination. Wir werden uns da sicher noch verbessern. Deswegen: Ja, wir können so in Österreich spielen. Was ist wichtiger: Das Erhöhen der Trefferquote nach nur 21 Toren in 17 Spielen, oder eine komplette Neupositionierung am Feld im 4-3-3? Einerseits müssen wir uns so positionieren, dass wir mit Kontrolle mehr Chancen kreieren können. Andererseits dürfen wir nicht mehr so verwundbar nach Ballverlusten sein. Wir haben so viele Tore bekommen, weil wir nicht abgesichert waren und es jedes Mal gefährlich wurde, wenn der Ball weg war. Wann haben Sie nach dem großartigen Start gespürt, dass es bergab geht? Gab es dafür einen Moment? Wir waren nicht mehr so gut in Form, einige Schlüsselspieler haben sich verletzt und dann war es wirklich schwer, die richtigen Antworten zu finden. Das System wurde öfters gewechselt, die Startelf ebenso. Mit dem Derby hat der Absturz begonnen. Warum? Das war der bitterste Moment, mit dem wir unsere Spur verlassen haben. Wir hätten in diesem Spiel viel tapferer sein müssen. Das System wurde öfters gewechselt, die Startelf ebenso. Nenad Cvetkovic / über die Zeit der sportlichen Abwärtsspirale Rapid hat 2025 drei unterschiedliche Typen als Trainer verbraucht. Ist der Kader so schwierig? In Israel hatte ich in drei Jahren einen Coach (lacht). Jeder Trainer braucht Zeit, um seine Ideen zu implementieren. Besonders für Stefan Kulovits war es gleich zwei Mal schwierig. Ich halte Kulo für einen tollen Trainer, der uns sehr gutgetan hat. Vieles von dem, was ihm wichtig war, trainieren wir jetzt auch. Leider ist er nicht mehr dabei. Sie haben im Spätherbst Kulovits als „echten Rapidler“ bezeichnet. Das ist ungewöhnlich, wenn es ein Legionär in seiner dritten Saison ausspricht – das formulieren sonst Rapid-Legenden wie Krankl oder Hofmann. Ich habe zweieinhalb Jahre versucht, zu verstehen, wie der Verein lebt, was die Fans antreibt und dazu Kulo und seinen Charakter besser kennengelernt. Deswegen war ich von diesem Urteil überzeugt – wir werden ihn vermissen, aber das gehört zum Geschäft. APA/EXPA/ UWE WINTER Mit Co-Trainer Luka Pavlovic sprechen Sie in Ihrer Landessprache, sonst immer englisch. Warum geben Sie keine Interviews auf Deutsch, obwohl Sie es können? Weil ich es nicht so gut spreche, wie verstehe. Ich würde noch mehr Übung brauchen, aktuell reden wir aber hauptsächlich Englisch. Ich lerne langsam, aber es wird auch noch Interviews auf Deutsch von mir geben. Sie sind der Spieler mit den meisten gewonnenen Luftzweikämpfen, mit Raux-Yao kommt ein starker Passgeber zurück. Werden Sie wieder so ein starkes Duo bilden wie im Herbst 2024? Ich glaube schon, weil er mit dem Fuß so gut ist, dass er perfekt zum neuen Stil passt. Und die Kopfbälle sind meine Spezialität.