Die dubiosen Machenschaften des Immo-Pleitiers Neugebauer

Ohne Sakko und Krawatte nur in einem zu knappen weißen Hemd samt Hose erschien der Immobilienunternehmer Lukas Neugebauer, 33, heute, Donnerstag, im Straflandesgericht Wien. Er wollte sich keine Nervosität anmerken lassen, nur seine Stimme klang auffällig rau. Privatpleitier Neugebauer, von dem die Gläubiger 147 Millionen Euro fordern, musste sich wegen betrügerischer Krida verantworten. Der frühere Chef der gestrauchelten Immobiliengruppe LNR soll dem Masseverwalter nach Eröffnung des Privatkonkurses zumindest zwei Konten bei den Banken Revolut und N26 verheimlicht haben und von dort 145.000 Euro behoben haben, um seinen luxuriösen Lebenswandel zu finanzieren. Er soll durch diese Ausgaben den Befriedigungstopf für die Gläubiger geschmälert haben. Intensive Recherchen Masseverwalter Matthias Schmidt ist Neugebauer erst durch intensive Recherchen auf die Schliche gekommen. Laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) finanzierte Neugebauer über die beiden Konten nahezu täglich Restaurantbesuche und Einkäufe sowie Luxus-Urlaube in Dubai und auf den Malediven. Deatail am Rande: Allein der private Trip auf die Malediven  nach der Insolvenzeröffnung kostete 51.768 Euro für das Hotel Waldorf Astoria plus 3.070 Euro für die AUA-Flüge. Gleich zu Prozessbeginn musste Neugebauer einräumen, dass er zwei Vorstrafen hat. Die erste betrifft ein Finanzdelikt und die zweite eine Nötigung. Die Strafe für letztere von vier Monaten wurde bedingt ausgesprochen. Die WKStA hat beantragt, dass dieser Strafnachlass widerrufen wird. Laut Verteidigung entspreche die Anklage nicht den Tatsachen und sei fehlerhaft. Die LNR Real Estate GmbH habe Neugebauer ein Darlehen gewährt, und er erbringe für diese Leistungen, somit liege ein Leistungsaustausch vor. „Die Anklage vermengte Insolvenzrecht mit Strafrecht“, sagt die Verteidigerin. Neugebauer bekannte sich „nicht schuldig“. Heute lebe er von einem Einkommen in Höhe von 1.500 Euro netto „und von seiner Frau“, sagt der Angeklagte. Die Super-Kreditkarte Die Richterin befragte Neugebauer detailliert zu diversen Vermögensverschiebungen innerhalb der LNR-Gruppe, von der 19 Gesellschaften insolvent sind. So erklärte der Angeklagte, dass er eine Kreditkarte mit einem Rahmen von 80.000 Euro hatte, mit der für diverse LNR-Gesellschaften Zahlungen geleistet wurden. Das Konto zu dieser Kreditkarte sei ein Verrechnungskonto gewesen und die verschiedenen Gesellschaften haben ihm die Kosten später ersetzt. Auffällig an den Schilderungen Neugebauers ist, dass mutmaßlich jene Gesellschaften Rückzahlungen tätigten, wo gerade Geld da war. Er nennt das Cash-Pooling. Dubioses Darlehen Die Richterin fragte ihn auch nach jenem 350.000 Euro schweren Darlehen der LNR Real Estate, das ihm erst nach der Insolvenzeröffnung gewährt wurde. Von dem Darlehen lebte er, wie er einräumt, und er sollte monatlich 1.000 Euro zurückzahlen. „Nein, ich selbst habe kein Geld in die Hand genommen, um das Darlehen zurückzuzahlen“, sagte er. Er arbeite das Darlehen durch seine Leistungen für die LNR Real Estate ab. Warum er das Darlehen dem Masseverwalter nicht offenlegte, wollte die Richterin wissen? Er habe keine Verbindlichkeiten offenlegen müssen, behauptete Neugebauer. Das dürften der Masseverwalter und das Gericht anders sehen. Der Dubai-Trip Außerdem behauptet er, dass der Dubai-Urlaub samt Ehefrau eigentlich eine Firmenreise zu einem potenziellen Investor gewesen sei. Dieser entpuppte sich aber als Phantom. Die für den „Investor“ gekauften Gastgeschenke von Cartier und Hermes im Wert von 11.342 Euro will er später seinem Anwalt übergeben haben.