Dating ist die Suche nach Liebe. Und trotzdem fühlt es sich für viele heute einfach wie Arbeit an“, schrieb die bekannte Paar- und Sexualtherapeutin Esther Perel . Stimmt: So verlockend der Begriff klingt, so kompliziert ist die Praxis oft. Aber vielleicht ändert sich das 2026. Ein Jahrzehnt lang galt es, sich beim Dating nicht festzulegen, nichts zu versprechen, alles offen zu halten. Emotionale Ver(w)irrungen inklusive. Ghosting wurde zur Kommunikationsform, Situationship zur Beziehungsdefinition, und wer Gefühle wollte, galt schnell als bedürftig. Dieses Spiel scheint vorbei, weil: zu erschöpfend. Tinder nennt den neuen Kurs „ Clear Coding “. 64 Prozent der 18- bis 25-Jährigen sagten laut „Year in Swipe Report 2025“, dass Online-Partnersuche vor allem eines braucht: emotionale Ehrlichkeit. 60 Prozent verlangen klare Kommunikation über Absichten. Das ist kein Kuscheltrend. das ist ein kollektiver Hilferuf: Schluss mit Bla-Bla im Stile von „Ich schau mal“. Schluss mit Menschen, die Nähe wollen, aber Verbindlichkeit meiden wie Erdnussallergiker eine Satay-Sauce. Auch „Plenty of Fish“ diagnostiziert für heuer keine neue Unverbindlichkeit, sondern eine Abkehr von Dating als Ego-Spielen, von Selbstoptimierungs-Checklisten und von emotionaler Unschärfe. Dating wird endlich wahrhaftiger. Das ist so spannend wie fordernd. Weil Ehrlichkeit bedeutet: Man sagt, was man sucht. Man zeigt, wer man ist. Und riskiert, abgelehnt zu werden – ohne sich hinter Ironie, Optionen oder Coolness zu verstecken. Das ist kein Kuscheltrend. das ist ein kollektiver Hilferuf: Schluss mit Bla-Bla im Stile von „Ich schau mal“. Schluss mit Menschen, die Nähe wollen, aber Verbindlichkeit meiden wie Erdnussallergiker eine Satay-Sauce. Trends wie „ ChemRIZZtry “ passen da exakt dazu: Jeder vierte Single erlebt Anziehung jenseits des eigenen „Typs“. Gut so. Wer immer nur das datet, was ins Beuteschema passt, schützt nicht sein Herz, sondern kultiviert seine Angst. Am radikalsten scheint „Truecasting“: keine Filter, keine Masken, kein Täuschen mehr. Was nicht passt, passt nicht. Punkt. Das spart Zeit, Nerven und Selbstverleugnung. Parallel dazu rüstet man beim Sex technologisch auf. KI-gesteuerte Toys reagieren auf Stimme, Atem, Bewegung, lernen Vorlieben, passen Intensität in Echtzeit an. Fernbeziehungen werden durch App-gesteuerte Vibratoren , VR und Haptik-Handschuhe körperlicher als je zuvor. Technik ersetzt hier nicht Nähe, sie überträgt sie. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus: Weg vom Leistungssex, hin zu Slow Sex. Nervensystem-Wellness statt Orgasmuspflicht. Atem statt Taktung. Präsenz statt Performance als Gegengifte zur Dauerüberreizung. Und Sexpartys ? Her damit, aber: kuratiert, kommunikativ, konsensorientiert. Sogar das Klima liegt inzwischen mit im Bett: Öko-Lube, recycelte Toys, nachhaltige Lingerie . Lust darf heute alles – nur nicht gedankenlos sein. Und da wäre noch Sexualtherapie on demand: Kurztermine, Gruppencalls, Onlinekurse für Lust, Beckenboden, Kommunikation. Erwachsenensexbildung ist kein Nischenthema mehr, sondern fast schon ein To-do. Die Werte transformieren sich, weg vom Zynismus, vom Spiel ohne Einsatz, vom emotionalen Subtextgeflüster. Die Zukunft gilt wohl einem Satz, den viele verlernt haben: Das bin ich – und ich zeig’s.