Mit 67 Jahren ist Walter Heimerl-Lesnik der älteste Spitzenkandidat bei der Gemeinderatswahl 2026. Dennoch ist der Grüne höchst aktiv, engagiert sich seit vielen Jahren in Bürgerinitiativen und gilt im Gemeinderat als Redekaiser. KURIER: Herr Heimerl-Lesnik, die Grünen haben bei der vergangenen Gemeinderatswahl zu den großen Wahlsiegern gezählt. Fünf Jahre sind vergangen, die Wirtschaft schwankt, der Industrie geht es nicht gut, grüne Themen haben es viel schwieriger. Was macht Sie dennoch optimistisch für den 25. Jänner? Heimerl-Lesnik: Ich denke, dass wir gute Arbeit geleistet haben, vor allem auch im Gemeinderat. Mit unseren vielen Anfragen haben wir den Bürgermeister vor uns hergetrieben. Was aber fast noch wichtiger ist: Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren einen deutlichen Zulauf. Unsere Truppe ist größer geworden. Zuletzt war die grüne Parteichefin Leonore Gewessler zu Gast in St. Pölten. Dabei wurde eine Versiegelungsnotbremse gefordert. Spricht so etwas nicht gegen die Wirtschaft, wenn man fordert, dass weniger gebaut und weniger Unternehmen entstehen sollen? Das Problem ist, dass diese großflächigen Versiegelungen Arbeitsplätze für große Maschinen sichern und nicht für Menschen. Uns ist wichtig, dass man vor allem in den Bereich Sanierung und Renovierung massiv hineingeht. Das sind arbeitsplatzintensive und bei Weitem nicht so kostenintensive Maßnahmen. Das würde viel bringen. Ein wichtiges Thema für die Grünen ist auch die geplante Traisental-Schnellstraße. Jetzt ist der Bau nochmals von der Asfinag auf die lange Bank geschoben worden. Fehlt Ihnen die S34 als Reibebaum im Wahlkampf? Sie ist sehr wohl ein Thema, wir werden im Wahlkampf sehr oft auf die S34 angesprochen. Bürgermeister Matthias Stadler spricht im Zusammenhang mit der S34 von einer Umfahrung, die auch eine Entlastung für die Anrainer an der B20 schaffen soll. In Wirklichkeit wird die S34 die B20 kaum entlasten. Der Großteil des Verkehrs will in die Stadt oder in den Osten, deshalb wird niemand einen riesigen Umweg machen. Die Hälfte der Fahrzeuge, die in die Stadt hineinströmt, ist mit St.-Pöltner-Kennzeichen unterwegs, die kommen also aus der Stadt. Da wäre die Stadt mit einem guten öffentlichen Verkehrsangebot gefordert, damit die Menschen gar nicht auf das Auto angewiesen sind. Im Wahlprogramm fordern Sie auch eine deutliche Ausweitung des Öffi-Angebots am Wochenende und an den Feiertagen. Wenn man sich das anschaut, sind die LUP-Busse aber an diesen Tagen nicht voll. Macht das dennoch Sinn? Das öffentliche Verkehrsangebot besteht nicht ausschließlich aus dem LUP, für uns ist ein ganz wichtiger Teil auch das Anrufsammeltaxi. Man muss nicht dauernd den großen Bus einsetzen, das Angebot muss da sein. Man darf nicht vergessen: Die Nachfrage steigt mit dem Angebot. Wir sind hier in der Parteizentrale der Grünen, gleich ums Eck ist der Domplatz, dessen Neugestaltung immer wieder für Diskussionen sorgt. Die FPÖ will die Parkplätze zurück. Wie zufrieden sind Sie mit dem Domplatz neu und was fehlt Ihnen? Wir sind einerseits zufrieden, dass der Platz autofrei geworden ist, wir sind aber letztendlich unzufrieden mit der Gestaltung. Der Möglichkeit, ein- bis zweimal pro Jahr Großevents stattfinden zu lassen, wurde der Platz als grüne und lebenswerte Fläche geopfert. Wir haben sogar nachgemessen: Bei den Sitzbänken im nördlichen Teil ist es im Sommer über 50 Grad heiß. Da kann sich niemand aufhalten. Sie melden sich im Gemeinderat wirklich sehr oft zu Wort, Sie sind ein Vielredner. Was treibt Sie an? Suchen Sie da vielleicht auch die Auseinandersetzung mit der SPÖ? Es ist mir ehrlich gesagt relativ egal, wie viele Wortmeldungen ich habe. Mir geht es nicht um Statistiken. Die Schwierigkeit ist, dass es im Vorfeld einer Gemeinderatssitzung keinerlei Möglichkeit zur Diskussion gibt, wo wir unseren Standpunkt kommunizieren können. Aus den Ausschüssen sind wir ja von der SPÖ hinausgeschmissen worden. Rechtlich ist das in Ordnung, demokratiepolitisch sehen wir das aber etwas anders.