Polizist unter Mordverdacht: Wen die Cobra will und wen nicht

Seit einigen Tagen steht ein 30-jähriger Polizist aus der Steiermark im Verdacht, eine 34-jährige Fitnesstrainerin getötet zu haben. Am Donnerstag wurde über den Mordverdächtigen in Graz die U-Haft verhängt. In diversen Foren kursiert häufig eine Frage. "Wie schafft es so eine Person zur Polizei-Eliteeinheit Cobra?“ Bis zur Festnahme in dem Fall lag weder disziplinär noch dienst- oder strafrechtlich irgendetwas gegen Manuel M. bei der Polizei vor. Bei der Cobra war er seit 2021. Dass er mutmaßlich zwei Dienstwaffen gestohlen haben soll, wurde ebenfalls erst im Zuge der Mordermittlungen aufgedeckt. Weiße Weste Im Schnitt schafft es nur jeder zehnte Bewerber, beim Einsatzkommando (EKO) Cobra aufgenommen zu werden. Wer zur Antiterror-Truppe will, muss mindestens zwei Jahre Polizei-Außendienst absolviert haben, keine disziplinären Beanstandungen aufweisen sowie eine Reihe von Tests bestehen. Das Auswahlverfahren beinhaltet eine sportliche Vorselektion, fachspezifische körperliche Tests sowie Hindernis- und Schießparcours. Neben einer sportmedizinischen Untersuchung müssen sich Bewerber auch einer psychologischen Eignungsdiagnostik unterziehen. Dabei werden leistungs-, intelligenz- und persönlichkeitsbezogene Merkmale gemäß dem Anforderungsprofil untersucht. Das Auswahlverfahren wurde laut Innenministerium vom psychologischen Dienst des Ressorts speziell für die Anforderungen der Cobra entwickelt. APA/GEORG HOCHMUTH Die Polizei rückte mit mehreren Streifen sowie dem Einsatzkommando Cobra zur Adresse des Verdächtigens aus. Besonnene Teamplayer statt schießwütige Einzelgänger Abschließend müssen sich die Anwärter noch einer Kommission im Zuge eines Hearings stellen. Je nach Bedarf werden dann die besten 20 bis 30 Anwärter für die sechsmonatige Grundausbildung zugelassen. Zuletzt gab es dafür über 200 Bewerber. Das Auswahlverfahren soll verhindern, dass Beamte mit einer fragwürdigen bzw. "völlig unpassenden Persönlichkeitsstruktur“ den Weg zur Sondereinheit schaffen. Gefragt seien keine "schießwütigen Einzelgänger und Möchtegern-Heros, sondern bedachte und besonnene Teamplayer mit besonderen Fähigkeiten“, heißt es in der Führungsetage der Cobra. Psychologischer Test ist eine "Momentaufnahme" Dass der Beruf eine gewisse Affinität zu Waffen oder Kampfsportarten mit sich bringe, dessen sei man sich bewusst. "Waghalsige Draufgänger“ hätten aber keinen Platz bei der Cobra. Was die psychologischen Tests anbelangt, stelle die Überprüfung nur eine "Momentaufnahme“ dar. Über die Zeit könnten sich Persönlichkeiten u. a. durch private oder berufliche Ausnahmesituationen verändern, heißt es im Innenministerium. Die Testungen könnten keine Gewalttaten Jahre später vorhersagen. "Menschen verändern sich und solche Taten entstehen meist aus einer späteren Kombination von Stress, persönlichen Krisen und Umfeldfaktoren, die beim Eintritt noch nicht erkennbar sind“, heißt es im BMI. Für den Fall besonders traumatischer oder belastender Einsätze, können Cobra-Beamten die Hilfe des eigenen Einsatzpsychologen in Anspruch nehmen. Dies war beispielsweise nach dem Schul-Amoklauf im vergangenen Sommer in Graz der Fall. Außerdem verfügt die Sondereinheit - wie die Polizei allgemein - über einen eigenen Peer Support. Wenn Einsatzbeamte beispielsweise einer massiven Gefährdungslage ausgesetzt waren, gibt es ein Unterstützungssystem durch eigens geschulte Polizisten.