Die MedUni Wien geht von 70.000 bis 80.000 Menschen mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom) in Österreich aus. Bei rund 20 Prozent der Patienten ist die Erkrankung schwer bis sehr schwer ausgeprägt. Die Betroffenen sind oft nicht mehr in der Lage, eigenständig ihr Haus oder gar das Bett zu verlassen. Für die an der chronischen Krankheit leidenden Menschen soll im Burgenland in den nächsten Wochen ein neues Hilfsangebot geschaffen werden. Die bereits vor einem Jahr im rot-grünen Regierungsprogramm festgeschriebenen Pläne für eine ME/CFS-Anlaufstelle haben sich diese Woche konkretisiert. Geplant ist zunächst eine Pilotgruppe für maximal zehn Personen, die noch im ersten Quartal 2026 starten soll. Ziel ist eine bedarfsorientierte Betreuung, die sowohl ambulant als auch stationär erfolgen kann, hieß es am Mittwoch auf APA-Anfrage aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ). Wie die Wahl auf Bad Tatzmannsdorf fiel Als Standort ist Bad Tatzmannsdorf (Bezirk Oberwart) vorgesehen. Der Kurort bietet zwei große Vorteile: Zum einen ist das Land bereits im Besitz geeigneter Liegenschaften; zum anderen hat das nahe gelegene Reduce Ressort Bad Tatzmannsdorf bereits ein „Modul Long Covid“ im Angebot, das ME/CFS-Patienten helfen kann. Enormer Leidensdruck Doskozil bezeichnet das Projekt als wichtigen gesundheitspolitischen Schritt: „ME/CFS zeigt eindringlich, dass Angebote mit den Bedürfnissen der Bevölkerung mitwachsen müssen. Der Leidensdruck der Betroffenen ist enorm – deshalb handeln wir entschlossen und schaffen Strukturen, die medizinisch fundiert sind, und wir setzen konkrete Maßnahmen, um Betroffenen gezielt zu helfen“, betonte der Landeshauptmann. In Bad Tatzmannsdorf ist ein gesamtheitlicher Zugang durch ein multiprofessionelles Team aus Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen und Psychologen sowie Ergo- und Physiotherapeuten vorgesehen. Neben dem Burgenland sollen in zwei weiteren Bundesländern noch 2026 ähnliche Anlaufstellen geschaffen werden. In Salzburg wurde im Dezember ein Konzept zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit postakuten Infektionssyndromen (PAIS) wie Long Covid oder ME/CFS vorgestellt. Auch in der Steiermark soll noch heuer eine entsprechende Stelle entstehen. Wien hat ebenfalls die Einrichtung eines PAIS-Kompetenzzentrums bis zum Jahr 2028 angekündigt. Betroffene berichtet: "Träume zerplatzen wie Seifenblasen" 14 Jahre lang war sie täglich für andere da. Jetzt ist die 38-jährige Lisa Reinwald aus dem Südburgenland selbst auf Hilfe angewiesen. Ihren Traumberuf als Krankenschwester kann sie aufgrund ihrer ME/CFS-Erkrankung nicht mehr ausüben. Früher war Lisa am liebsten unter Menschen, heute lebt sie sozial abgeschottet. Privat Die 38-jährige Lisa lebt seit zwei Jahren mit ME/CFS. Ihren Alltag schildert die Frau in eindringlichen Worten: „Man stelle sich vor, die Symptome einer Grippe, mit starken Gelenks- und Muskelschmerzen, extremen Fieberschüben und extreme Erschöpfung. Jedoch bleiben diese Symptome nicht nur wenige Tage, sondern jeden Tag, 24 Stunden am Tag und das über Jahre anhaltend und es gibt kein Medikament und keine Therapie, die diese Symptome lindert. Das soziale Leben rauscht ohne dich an dir vorbei und deine Träume zerplatzen wie Seifenblasen“. Zusätzliche Belastungen Zusätzlich leidet die 38-Jährige an einer weiteren unheilbaren Autoimmunkrankheit (Hidradenitis Suppurativa). Zu den körperlichen Beschwerden kommen noch psychische Belastungen und Existenzängste – Lisa bezieht das zweite Jahr in Folge eine Berufsunfähigkeits-(Mindest-)Pension. Um kostspielige Therapien finanzieren zu können, haben Lisa und ihr Mann eine Crowdfunding-Kampagne auf spendenaktion.at gestartet.