Er hat ihn nicht gleich gesehen, den Toten. Es war früh, das Licht war schwach, und über dem Donau-Arm, an dem Andreas F. mit seinem Bagger an der Böschung arbeitete, hing dichter Nebel. Irgendwann sah er ihn treiben. Gesicht nach oben, die Haut „weiß wie ein Blatt Papier“. Und weil F. selbst Feuerwehrmann ist, wusste er: Der Mann im Wasser ist schon lange tot. F. googelte die Nummer der nächsten Polizei-Inspektion und schlug Alarm. Am Donnerstag haben die Befragungen im Pilnacek-Untersuchungsausschuss begonnen. Und zwar mit jenem Mann, der Christian Pilnacek am frühen Morgen des 20. Oktobers bei Rossatz fand. Durchaus detailliert schilderte der Baggerfahrer die ersten Stunden jenes dramatischen Tages. Er erzählt von zwei Polizistinnen, die mit dem Streifenwagen anrauschen. Dann die Feuerwehr, um die Leiche zu bergen. Mit Wathosen, einem Spineboard und Berge-Haken, weil das Wasser kalt und so tief ist, dass man die Leiche nicht stehend ans Ufer bringt. Die Berichte der Zeugen sind weitgehend stimmig: Nach der Polizei eilten zwei Freundinnen zum Fundort, mit denen Pilnacek Stunden zuvor noch zusammen saß. Anna P. und Karin W. habend Pilnacek in der Nacht zuvor gesucht. Und als die Feuerwehr den Leichnam ablegt, bestätigt die eine: Ja, er ist es. Ja, es gibt Erkenntnisse Vorab wurde vielfach die Frage gestellt, was ein U-Ausschuss bringt. Darauf kann nach dem ersten Tag durchaus konkret geantwortet werden. Da sind zunächst einmal die Abläufe, die zumindest Schwächen aufweisen. So arbeiten die Abgeordneten ohne Mühe heraus, dass an jenem Oktobertag nicht alle Personen, die am Fundort waren, auch in Protokollen zu finden sind. Von zwei Lkw-Fahrern etwa, die den Bagger frühmorgens betankt haben, erfährt das Parlament erst durch den Baggerfahrer. Auc h der Umstand, dass der Baggerfahrer von der Feuerwehr gebeten wurde, eine Erd-Rampe aufzuschütten, um den Leichnam bergen zu können, wird erst im Parlament klar - in den Protokollen und Akten findet sich nichts darüber. Was noch? Nun, an der Leiche wurde angeblich nichts bis auf ein Feuerzeug gefunden. Und jener Feuerwehrmann, der im Auftrag der Polizei den Leichnam durchsuchte (er trug von der Bergung noch die Einweghandschuhe, Anm.) , kann das bestätigen. Keine Rede von einem USB-Stick, der angeblich irgendwann verschwunden sein soll. "Ziemlich schiefe Optik" Wie schnell Informationen am flachen Land reisen, zeigt eine bestätigte Episode der Feuerwehr: Pilnaceks Leiche ist noch nicht geborgen, da unterhalten sich die zum Einsatzort fahrenden Feuerwehrleute schon darüber, ob er der Tote sei. Zu erklären ist das einfach: Der Bruder einer der beiden erwähnten Frauen saß im Feuerwehrauto und wusste offenkundig von seiner Schwester, dass Pilnacek schon in der Nacht abgängig war. Politisch zumindest hinterfragenswert ist ein Umstand, der im U-Ausschuss ebenfalls zum ersten Mal Thema wird: Einer der Feuerwehr-Mitarbeiter ist im Zivilberuf Polizist. Er hatte am nämlichen Tag keinen Dienst, half aber als Feuerwehrmann bei der Bergung der Leiche. Soweit ist die Sache klar. Im Zuge seiner Befragung stellte sich aber nun heraus, dass dieser Feuerwehrmann bzw. Polizist erst vor wenigen Tagen mit einem zweiten, ebenfalls in den U-Ausschuss geladenen Polizisten bei einer „Schulung“ war: Das BMI lud die beiden zu einem Schnellsieder-Kurs in die Dienststelle Krems, man wurde über „Rechte und Pflichten“ im U-Ausschuss aufgeklärt. Dass das Innenministerium, dessen Arbeit ja Thema im U-Ausschuss ist, quasi die Vorbereitung und auch die Vertrauensperson von Zeugen bzw. Auskunftspersonen stellt, hält FPÖ-Fraktionschef Christian Hafenecker für eine „ziemlich schiefe Optik“. Warum keine Wasserprobe genommen wurde Der dritte Zeuge, am Tag des Leichfunds Tatort-Beamter, klärt dann so manches Gerücht auf. Es habe sehr wohl eine kriminalpolizeiliche Leichenbeschau gegeben – sonst hätte man den Leichnam nicht entkleidet. Und: Dass die Wassertemperatur nicht gemessen wurde, sei normal. Aufgrund der unterschiedlichen Temperaturen in verschiedenen Wasserhöhen liefere eine solche Messungen keine Erkenntnisse zum Todeszeitpunkt. Ein Fremdverschulden habe er vor Ort ausgeschlossen, da es keine lebensbedrohlichen Verletzungen oder andere Schuhabdrücke als jene Pilnaceks gegeben habe.