Von Franziska Trautmann Wiens Arbeitsmarkt wächst rasant. Mit 941.000 Angestellten erreicht die Bundeshauptstadt aktuell einen Höchststand. Gleichzeitig bleibt aber der Fachkräftemangel spürbar. Während in den vergangenen Jahren rund 100.000 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse entstanden sind, kämpfen Unternehmen um qualifizierte Arbeitskräfte. Laut dem Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche wird sich diese Entwicklung weiter verschärfen – bis 2030 steuert Wien auf einen akuten Arbeitskräftemangel zu, verschärft durch die Pensionierungen der Babyboomer-Generation. Mehr als 41.600 Personen profitieren Der „Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds“ (waff) möchte mit seinem am Donnerstag vorgestellten Arbeitsprogramm 2026 gegensteuern. Der waff unterstützt Wienerinnen und Wiener durch Information, Beratung und finanzielle Förderung bei der beruflichen Weiterentwicklung. Für das Arbeitsprogramm stellt die Stadt Wien 149 Millionen Euro bereit, mehr als 41.600 Personen und über 1.300 Unternehmen sollen davon profitieren. „Es geht um den Fachkräftebedarf und den Strukturwandel unserer dienstleistungsgetriebenen Wirtschaft“, sagt waff-Geschäftsführer Marko Miloradovic , „und es geht auch um den Qualifikationsbedarf für Menschen, die jetzt schon im Arbeitsmarkt sind.“ Ein Schwerpunkt liegt daher auf der Unterstützung bereits beschäftigter Wiener beim beruflichen Weiterkommen. Rund 27.900 Kunden werden in diesem Bereich erwartet. Laut dem waff sei dafür die Anhebung der Einkommensgrenze für Förderungen von 2.500 auf 2.800 Euro ein entscheidender Schritt gewesen, denn dadurch wollte sich die Organisation an die wirtschaftliche Lage anpassen. Fachkräftesicherung und Arbeitsmarktintegration Laut Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) soll der Fokus auch auf zwei weiteren Handlungsfeldern liegen: Fachkräftesicherung und Arbeitsmarktintegration. Um diese Bereiche abzudecken, stünde laut waff das Programm „Jobs PLUS Ausbildung“ , das gemeinsam mit dem AMS Wien und Wiener Unternehmen umgesetzt wurde, im Mittelpunkt. Wiener erhalten dadurch eine kostenlose Ausbildung in einem gefragten Berufsfeld und im Anschluss einen fixen Job. Die Auswahl orientiere sich am tatsächlichen Fachkräftebedarf. Der waff sieht den größten Wachstumsbereich bis 2030 im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Informationstechnologie. Für dieses Jahr sind rund 2.600 Eintritte in das Programm sowie 700 Eintritte in die vorgelagerte Beratungsphase geplant. Um aber eine breitere Zielgruppe zu erreichen, liegt der Fokus dieses Jahr auch auf Spezialprojekten. Eines davon beschäftigt sich damit, Frauen im Arbeitsmarkt zu fördern. „Frauen sind am Arbeitsmarkt immer noch mit strukturellen Hürden konfrontiert. Geringeres Einkommen, unterbrochene Erwerbsbiografien, weniger formale Abschlüsse. Es ist aber schlicht eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass wir diese strukturellen Hürden abbauen“, sagt Maria In der Maur-Koenne , Vorstandsmitglied waff und Sprecherin für Arbeit, Medien und Transparenz der Neos. Laut ihr sei der Fokus auf Frauen eine „sehr kluge Wirtschaftsstrategie.“ Dafür sollen im heurigen Jahr 14 Millionen Euro investiert und 5.700 Wienerinnen erreicht werden. Neben Frauen soll auch die Jugend gefördert werden. Mithilfe der Programme „Joboffensive für Jugendliche“ , das gemeinsam mit dem AMS im September 2025 ins Leben gerufen wurde, und der „Jugendstiftung“ der Stadt Wien, sollen 18 bis 24-Jährige ohne abgeschlossene Ausbildung oder Beschäftigung konkrete Perspektiven bekommen – insbesondere in technischen, klimarelevanten und sozialen Berufen. Für 2026 ist eine Finanzierung von 2,91 Millionen Euro vorgesehen, langfristig wurde es aber bereits bis 2029 abgesichert.