Hauptsache künstlich: Wenn Politik das Aussehen beeinflusst

Grellweiße Zähne, aufgeblasene Wagen und Lippen, künstliche Wimpern, viel Make-up: So steht Kristi Noem auf jeder Pressekonferenz, um die Arbeit ihrer Einwanderungsbehörde zu verteidigen. Die US-Ministerin für Heimatschutz ist nicht nur aus politischer Sicht ein Vorbild vieler rechter MAGA (Make America Great Again)-Anhänger. Auch was ihr Äußeres betrifft, gibt es Nachahmer. Ebenso wie bei Lara Trump oder Karoline Leavitt (Titelbild), der Sprecherin des Weißen Hauses, deren Einstichstellen einer Lippenaufspritzung sogar auf offiziellen Fotos gut sichtbar waren. APA/AFP/POOL/RODRIGO BUENDIA Kristi Noem, Ministerin für Heimatschutz und Vorbild in Sachen Mar-a-Lago-Face. Nachfrage steigt Was inzwischen „Mar-a-Lago-Face“ genannt wird – nach dem Flordia-Wohnsitz des Präsidenten –, ist mehr als nur eine ästhetische Mode. Es ist zum Statussymbol avanciert und politisches Statement zugleich. Botox, Filler, Liftings – nicht dezent, sondern bewusst erkennbar. Ein Gesicht, das nicht unbedingt jung, aber mächtig aussieht und zeigt, dass man sich teure Eingriffe leisten kann. Schönheitschirurgin Anita Kulkarni aus Washington D.C. erklärte unlängst, dass die Nachfrage nach „einem künstlichen Look, wie es das Mar-a-Lago-Face ist“ steige. EPA/JIM LO SCALZO Donald Trumps Schwiegertochter Lara Trump hat sich binnen Monaten verändert. REUTERS/Mike Segar Kimberly Guilfoyle: Erst Fox-Moderatorin, dann Eric Trump Freundin, jetzt griechische Botschafterin. REUTERS/DUSTIN CHAMBERS Auffällige Filler: Die extrem rechte Aktivistin Laura Loomer. Der"Elite-Look Amerikas"? Ihr Kollege Shervin Naderi bietet ein Komplettpaket an und spricht von einer „modernen aristokratischen Maske“ , von einem neuen „Elite-Look Amerikas“, der dazu dient, in „gehobenen Gesellschaftskreisen relevant zu bleiben“. Negativer sieht das Juliet Williams , Professorin für Gender Studies an der UCLA, im Journal de Montreal. Die hervorstechend künstliche Weiblichkeit wirke wie „Kriegsschminke“ und ein Zurschaustellen von Unterwerfung, die dem Antifeminismus der MAGA-Bewegung zuspielt. Hollywood spielt Natürlichkeit Parallel dazu verfolgt man im überwiegend demokratischen Hollywood einen anderen Trend. Schauspielerinnen wie Anne Hathaway oder Emma Stone werden für ihr junges, aber natürlich wirkendes Aussehen bewundert. Spezialist Jonny Betteridge vermutet bei ihnen und anderen Stars wie Margot Robbie , Lindsay Lohan, Brad Pitt oder auch Angelina Jolie gut gemachte Liftings , die die Charakteristik des Gesichts erhalten. So unterschiedlich das Resultat der beiden Strömungen ist, so ähnlich sind die Ursachen: der Druck, immer zu funktionieren, immer präsent zu sein und möglichst zeitlos zu wirken. REUTERS/Maja Smiejkowska Margot Robbie EPA/SARAH YENESEL Anne Hathaway REUTERS/Maja Smiejkowska Emma Stone