Seit Mai des Vorjahres ist Philipp Rath Präsident der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (KSW). Seit damals ist er bereits zwei Mal bei dem für Deregulierung zuständigen Neos-Staatssekretär Sepp Schellhorn vorstellig geworden. Denn Entbürokratisierung steht auch für Rath im Vordergrund seiner Tätigkeit. Nicht wirklich zufrieden zeigt er sich mit der bisherigen Leistung der Bundesregierung auf diesem Gebiet. „Die Politik ist zu schwach. Es werden zwar Vorschläge gesammelt, aber die wichtigen Sachen werden nicht umgesetzt“, sagt Rath im KURIER-Gespräch. So sei es ihm ein „Riesenanliegen“, die aktuell monatlich sieben verschiedenen Überweisungen von Dienstgeberabgaben auf einen Schlag einzuheben und so die Lohnverrechnung entlasten. Die Wiener U-Bahnsteuer hätte Rath am liebsten komplett weg, die sei aufgrund des überschaubaren Volumens „komplett irrelevant“ – und wenn die Stadt Wien zu wenig Geld habe, sollte die Steuer zumindest in die Kommunalsteuer integriert werden. Ein Dorn im Auge ist dem seit 1994 als Steuerberater und in weiterer Folge auch als Wirtschaftsprüfer tätigen Rath der aus seiner Sicht zu geringe Freibetrag für die Berechnung von Arbeitgeberabgaben in Österreich. Wenn die gesamte monatliche Lohnsumme (Beitragsgrundlage) aktuell unter 1.460 Euro liegt, wird sie um 1.095 Euro reduziert, womit nur noch von dem Differenzbetrag Abgaben zu zahlen sind. „Die Grenze gibt es seit Ewigkeiten und wurde nie an die Inflation angepasst“, kritisiert Rath. Gesprochen hat der Fachmann auch mit Gewerkschaft und Wirtschaftskammer, und zwar bezüglich Kollektivverträge. Insgesamt gebe es mehr als 800 KV im Land, meist mehrere in einem Betrieb, was ebenfalls zu Lasten der Lohnverrechnung gehe. Er spricht sich einen Rahmen-KV für alle Arbeitnehmer aus. „Aber die Gewerkschaft schafft das nicht.“ Stattdessen setze diese auf Textbausteine. Diese sollen nun für die nächsten Verhandlungen erstellt und eingearbeitet werden. Zu einer immer größeren Herausforderung wird laut Rath die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die nicht nur in größeren Unternehmen zwei bis drei Mitarbeiter binden würde. Auch die Prüfung selbst werde immer mehr zu einem Spezialgebiet und man sei länger damit beschäftigt als gewünscht. In Frankreich etwa gebe es spezielle, zertifizierte Nachhaltigkeitsprüfer. „Man muss das regelmäßig machen“, begründet Rath diese Zugangsweise. Auch alternative Dienstleister wie Quality Austria oder TÜV würden sich für diese Zugangsweise aussprechen. Neue Schwerpunkte Generell würden sich die Schwerpunkte für Steuer- und Wirtschaftsprüfer verlagern. „Fast alle Rechnungen sind schon digital verarbeitet“, erklärt Rath. Wenn die ältere Generation in seiner Branche in Pension gegangen sei, sterbe die klassische Rechnungsprüfung aus. „Dann bleibt auch mehr Zeit für Bilanzanalyse, etwa hinsichtlich von Bewertungen oder Risikogewichtung.“ In Deutschland stehe die maschinenlesbare Digitalrechnung vor der Einführung, dann müssten Rechnungen nicht einmal mehr eingescannt werden, sondern könnten direkt ins E-Banking verschoben werden. „Wenn das auch in Österreich umgesetzt wird, benötigen wir eher IT-Techniker als Prüfer“, so Rath. Die Kosten für Kunden der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer würden trotz des verstärkten Einsatzes digitaler Techniken stabil bleiben bzw. nur leicht sinken. „Seit 2020 sind die Lohnkosten um ein Viertel gestiegen und die Softwarelizenzen kosten auch etwas.“