Kontinuierlich, langfristig, über die nächsten zehn Jahre: Die Industriestrategie der Bundesregierung liegt vor. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) und Deregulierungsstaatssekretär Josef Schellhorn (Neos) haben die Details Freitagvormittag präsentiert. Das finale Papier umfasst 114 Maßnahmen. "Wir wollen die Stärken der österreichischen Industrie stärken und Chancen nutzen, sowie optimale Rahmenbedingungen für Forschung, Entwicklung, Innovation, Produktion und Export schaffen", sagt Hattmannsdorfer. Sechs Ziele definiert Die Zielsetzung: Das Industrieland Österreich soll zu den "Top-10" OECD-Staaten der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften gehören. Konkret soll der Anteil der Industrie an der gesamten Wirtschaftsleistung von derzeit 16,9 auf künftig 20 Prozent steigen. Wie? Die Regierung hat sechs Ziele definiert: Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit: Türkis-Rot-Pink will die Energie-, Bürokratie- und Lohnnebenkosten senken. Ein konkreter Pfad dafür fehlt noch. Fest steht die Einführung eines Industriestrompreises ab 2027. Weiterentwicklung wirtschaftlicher Handlungsfähigkeit in und mit Europa: Österreich soll die Chancen der EU-Handelspolitik noch besser nutzen. Ziel: Die "Bruttoanlageinvestitionen" sollen bis 2035 kontinuierlich auf über drei Prozent des BIP steigen. Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Innovationskraft: Hier geht es insbesondere um die Förderung von Forschung, Entwicklung und die Weiterbildung von Fachkräften in jenen neun Schlüsseltechnologien, die die Regierung ausgemacht hat. Ausbau wirtschaftlicher Resilienz: Ein "patriotisches Vergaberecht" soll dafür sorgen, dass nationale und europäische Betriebe bei Vergaben bevorzugt behandelt werden. Die Regierung will zudem heimischen Unternehmen den Zugang zu kritischen Rohstoffen langfristig sichern. Und: Man will Österreichs "digitale Souveränität" stärken - etwa über den Aufbau einer eigenen Rechenzentrumsinfrastruktur. Stärkung nachhaltiger und zirkulärer Produktion: Die Kreislaufwirtschaft soll gestärkt, Erneuerbare Energien weiter ausgebaut und damit die EU-Klimaziele erreicht werden. Nach Letzterem sieht es übrigens derzeit nicht aus - Österreichs Emissionen sind im Vorjahr wieder gestiegen. Entwicklung des Fachkräftepotenzials: Vor allem in den Schlüsseltechnologien sollen neue Lehrberufe für weitere Fachkräfte sorgen. Die Regierung will auch auf "qualifizierte Zuwanderung" setzen. Dazu zählt eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte, die es Lehrlingen und Studenten aus Drittstaaten erleichtern soll, nach Österreich zu kommen. Neun Schlüsseltechnologien, unterstützende Maßnahmen Das sind die neun "Schlüsseltechnologien" in die Türkis-Rot-Pink bis 2029 rund 2,6 Milliarden Euro investieren will: Künstliche Intelligenz und Dateninnovation Chips, Halbleiter, Elektronische Komponenten und Systeme Fortgeschrittene Produktionstechnologien (wie "3D-Druck") und Robotik Quantentechnologie und Photonik Fortgeschrittene Werkstoffe Life-Sciences & Biotech Energie- und Umwelttechnologien Weltraum- und Luftfahrttechnologien Um diese Schlüsseltechnologien nachhaltig zu stärken, setzt die Regierung auf ein Bündel an Maßnahmen. So sollen Agenturen des Bundes klare "Mission Statements" bekommen. Übersetzt: Förderungen sollen sich an den Schwerpunkten der Industriestrategie orientieren. Zweitens will man Genehmigungsverfahren für Vorhaben im Bereich der Schlüsseltechnologien noch einmal spezifisch beschleunigen - über ein Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetz. Dazu kommt unter anderem noch ein Zuschussprogramm. Was wird jetzt schon umgesetzt? Das Wirtschaftsministerium hat eine Liste an Punkten veröffentlicht, die 2026 noch "auf den Weg gebracht" werden. Bereits in Umsetzung seien das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz, das Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetz, Gesetze zur Außenwirtschaft und Versorgungssicherheit. Ebenso in Umsetzung: Die Förderbank aws soll sich um ein Standortpaket für die Schlüsseltechnologien kümmern. Dann folgen mehrere Punkte, die noch in Planung sind. Aufgehoben werden soll das Verbot von CCS - also der CO2-Speicherung in Böden. Tatsächlich umsetzen will die Regierung das Erneuerbaren-Gase-Gesetz (EGG), für das es bisher nicht einmal annähernd eine Mehrheit gab. Ebenso in Planung: der reduzierte Industriestrompreis, ein Bürokratieabbaupaket oder eine Novelle des Bundestraßen-Gesetzes.