Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico trifft US-Präsident Donald Trump am Samstag in den USA. Die Zusammenkunft werde in Trumps Residenz Mar-a-Lago in Florida stattfinden, teilte die slowakische Regierung am Freitag mit. Am Freitag beginnt auch der Besuch Ficos in den USA. Die Slowakei will in Kooperation mit den USA ein großes Atomkraftwerk errichten. Dazu soll ein Abkommen über die Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie in Washington unterzeichnet werden. Das AKW soll etwa 13 bis 15 Milliarden Euro kosten und etwa 70 Kilometer von der österreichischen Grenze entstehen. "Wir wollen in Zusammenarbeit mit amerikanischen Partnern auf dem Gelände des bestehenden Atomkraftwerks in Jaslovské Bohunice einen neuen, riesigen Block errichten, der vollständig im staatlichen Eigentum stehen soll", erklärte Fico im Vorfeld. Die Leistung des geplanten Kraftwerks wird nahezu 1.200 Megawatt betragen, was mehr als das Doppelte der heutigen Atomkapazitäten des Landes ist. Fico wird auf seiner USA-Reise von Wirtschaftsministerin Denisa Saková und Außenminister Juraj Blanár begleitet. Fico trifft am Freitag auch US-Energieminister Christopher A. Wright. Das geplante Rahmenabkommen sieht auch Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen vor, die an amerikanische Technologien angebunden sind, was als Voraussetzung für die Unterzeichnung des Vertrags über den AKW-Bau mit dem Unternehmen Westinghouse gilt. Dazu könnte es im kommenden Jahr kommen. Fico hätte Russland bevorzugt Nach Angaben des Ministerpräsidenten kamen als Partner keine anderen Länder für das Projekt in Betracht. Südkorea habe aus Kapazitätsgründen abgelehnt, Frankreich verfüge nicht über den gewünschten Reaktortyp. Fico würde den Bau allerdings nach eigenen Worten am liebsten Russland anvertrauen. Am Mittwoch erklärte er, dass ihm dies jedoch das "europäische Umfeld" nicht erlaube. Er erinnerte daran, dass die Slowakei über sechs Kernreaktoren russischer Bauart verfüge. Die Zusammenarbeit mit der russischen Seite "war stets sehr korrekt und sehr professionell". Die Welt ist nach Ansicht von Fico aber "vor Hass auf die Russische Föderation verrückt geworden", so Fico mit Blick auf die gegen Moskau wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine verhängten Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union. Inbetriebnahme 2040 geplant Viele Einzelheiten zu dem Deal sind noch unbekannt. Ein Dokument, das die slowakische Regierung im November 2024 verabschiedet hat, geht davon aus, dass das Projekt bis April 2032 eine Baugenehmigung erhält. Dann soll mit dem Bau begonnen werden. Acht Jahre später, im Jahr 2040, soll das neue AKW in Betrieb genommen werden. Die Atomenergie ist derzeit die wichtigste Stromquelle der Slowakei. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) stammten im Jahr 2024 rund 62 Prozent der slowakischen Stromerzeugung aus Atomkraft. Damit liegt die Slowakei beim AKW-Anteil an der Bruttostromerzeugung in der EU laut der Nachrichtenagentur Reuters für 2023 hinter Frankreich auf dem zweiten Platz. Kritik an Bau Der mögliche AKW-Bau wird in der Slowakei von Kritik begleitet. Gegner bemängeln, dass die Regierung sich ohne Ausschreibung für die USA entschieden habe, obwohl es sich um die größte Investition in der Geschichte des Landes handle. Die Oppositionspartei Progressive Slowakei (PS) vermisst Verhandlungen mit alternativen Lieferanten. "Schon allein die Tatsache, dass die Regierung bei der Auswahl des Lieferanten nicht auf ein transparentes Ausschreibungsverfahren zurückgegriffen hat, weckt ernsthafte Bedenken", betonte die PS. Die Oppositionsbewegung Slovensko, die vom ehemaligen Ministerpräsidenten Igor Matovič geführt wird, zweifelt, ob es sich für die Slowakei lohnt, ein neues Atomkraftwerk zu bauen. Die Produktion werde nach Ansicht von Matovič teurer sein als der Stromkauf auf dem Markt. Bisher ist unklar, wie die Regierung in Bratislava den Bau finanzieren will. Eine der Möglichkeiten ist ein Public-private-Partnership (PPP), wofür die Regierung einen privaten Investor oder eine starke Finanzinstitution gewinnen müsste. Fico spricht nicht über die Baukosten. Er verteidigt den Bau mit dem Argument, dass die Nachfrage nach Kernenergie steigen werde. "Ich habe den amerikanischen Kollegen gesagt, dass für mich das teuerste Atomkraftwerk dasjenige ist, das nicht gebaut wird. Ein Atomkraftwerk ist eine Geldmaschine", behauptete Fico vor einigen Wochen. Negative Erfahrungen Die Slowakei hat bereits negative Erfahrungen mit dem Bau von Atomkraftwerken gemacht. Besonders der Bau des 3. und 4. Blocks des AKW Mochovce - etwa 120 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt - war umstritten. Der Ausbau des Kraftwerks wurde durch technische Probleme, gestiegene Kosten, regulatorische Hürden und Verzögerungen erschwert. Die Fertigstellung von Mochovce wurde in der Vergangenheit auch von Österreich kritisiert und als Sicherheitsrisiko beurteilt, insbesondere von den Grünen und der Umweltorganisation Global2000. Die frühere türkis-grüne Bundesregierung hatte sich 2020 dem Kampf gegen den "Neu- und Ausbau von Kernkraftwerken in Europa" verschrieben. Die Inbetriebnahme der slowakischen Reaktoren Mochovce 3 und 4 sollte laut Regierungsprogramm verhindert werden. Nichtsdestotrotz hat die Slowakei den fertiggestellten dritten Block des AKW Mochovce 2023 ans Netz angeschlossen. Den letzten und vierten Reaktorblock plant der Betreiber, im Frühjahr 2026 in Betrieb zu nehmen.