Im Rahmen ihres Neujahrs-Pressegesprächs 2026 zog Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec eine kritische Bilanz der jüngsten Belastungen der Pensionisten in Österreich. Korosec präsentierte ihre Forderungen für das kommende Jahr: Im Zentrum stehen dabei der finanzielle Schutz von Pensionisten, der Kampf gegen Altersdiskriminierung durch Digitalisierung sowie eine versachlichte Debatte über die Staatsausgaben. Nachdem die Inflation im laufenden Jahr nur bis zu einer Pensionshöhe von 2.500 Euro voll abgegolten wurde, fordert der Seniorenbund für 2027 eine Rückkehr zur vollen Inflationsanpassung – ausdrücklich auch für mittlere Pensionen. Diese Gruppen hätten durch jahrelange Deckelungen seit 2010 bereits einen Wertverlust von rund 14 Prozent hinnehmen müssen, so die Seniorenbund-Präsidentin. Korosec verlangt zudem einen generellen „Belastungsstopp“. Die Senioren hätten ihren Beitrag zur Budgetsanierung bereits geleistet: Durch Erhöhungen der Krankenversicherungsbeiträge (auf 6 %) und teils niedrige Anpassungen beziffert der Seniorenbund das „Belastungspaket“ der laufenden Legislaturperiode auf insgesamt 4,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig seien die täglichen Lebenshaltungskosten für Senioren um rund 150 Euro pro Monat gestiegen. Eine frühzeitige Einbindung der Seniorenvertreter in künftige Verhandlungen sei aus ihrer Sicht daher unerlässlich. Arbeitsmarkt: Lücken schließen statt Antrittsalter erhöhen Eine Absage erteilt Korosec der Forderung nach einer generellen Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. Stattdessen müsse die Lücke zum faktischen Antrittsalter geschlossen werden. Aktuell wechseln 28 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer nicht direkt vom Erwerbsleben in die Pension, sondern rutschen zuvor in die Arbeitslosigkeit . Diese Lücke kostet den Staat laut Seniorenbund jährlich sechs Milliarden Euro – drei Milliarden an Arbeitslosenunterstützung und drei Milliarden an entgangenen Einnahmen . Als Lösung schlägt Korosec vor, Dienstgeber zu verpflichten, altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen. Kritik übt der Seniorenbund an der aktuellen Regelung für das Arbeiten in der Pension : Der beschlossene Steuerfreibetrag von 15.000 Euro greift erst ab 2027. Da die Übernahme der Pensionsbeiträge durch den Bund für 2026 nicht verlängert wurde, droht arbeitenden Pensionisten im Übergangsjahr 2026 sogar eine Mehrbelastung durch höhere Sozialabgaben . „Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagt Korosec. Wahlfreiheit statt „Digitalisierungszwang“ Ein weiterer Schwerpunkt ist der Kampf gegen den sogenannten „ Digitalisierungszwang “. Ob bei Banken, Versicherungen oder Verkehrsbetrieben – analoge Alternativen werden oft abgebaut oder verteuert . Als Beispiel nannte Korosec ÖBB-Tickets, die online günstiger sind als am Automaten. Der Seniorenbund fordert daher eine gesetzliche Verankerung der Wahlfreiheit : Es müsse im privaten und öffentlichen Bereich immer auch analoge Möglichkeiten (Papier, Telefon) geben. Um Diskriminierung rechtlich bekämpfbar zu machen, soll das Gleichbehandlungsgesetz um das Merkmal „Alter“ erweitert werden. Gleichzeitig müssten digitale Kompetenzen bei Senioren staatlich gefördert werden, ähnlich wie es bei Schulen oder KMUs der Fall ist. „Kostenwahrheit“: Statistik soll bereinigt werden Um der Debatte um angeblich explodierende Pensionskosten die Spitze zu nehmen, pocht der Seniorenbund auf eine statistische Bereinigung („Kostenwahrheit“). Die offiziell ausgewiesenen Bundesmittel von 36 Milliarden Euro würden ein verzerrtes Bild zeichnen. Denn laut den Berechnungen des Seniorenbundes sind 22,5 Prozent dieser Summe (rund 8,1 Milliarden Euro) keine Versicherungsleistungen, sondern Sozialleistungen, die eigentlich aus dem Sozialtopf finanziert werden müssten. Dazu zählen etwa die Ausgleichszulage zur Armutsbekämpfung, Reha-Geld oder Ersatzzeiten für Kindererziehung. Der „echte“ Staatszuschuss zu den Pensionen (Beamte und ASVG) betrage demnach nicht 36 Milliarden, sondern 27,9 Milliarden Euro . Zieht man auch die Hinterbliebenenpensionen ab, sinkt der Zuschuss auf 19,3 Milliarden Euro . Dem gegenüber stünden enorme Leistungen der älteren Generation: Durch Ehrenamt und Angehörigenpflege erbringen Senioren laut Korosec eine unbezahlte Wertschöpfung von 8,6 Milliarden Euro pro Jahr.