Machtkampf in der Arktis: Trumps Griff nach Grönland und Europas Reaktion

In sämtlichen Atlanten liegt Grönland am Rand der Karten, weit oben im Norden. In der politischen Wahrnehmung war es oft ähnlich: präsent als strategischer Raum, selten als Schauplatz offener Konflikte. Das hat sich geändert. US-Präsident Donald Trump erhebt Anspruch auf die Arktisinsel, Europa reagiert ungewohnt deutlich. Was lange wie ein politisches Gedankenspiel wirkte, ist damit zu einer ernsten internationalen Angelegenheit geworden. Warum rückt Grönland plötzlich ins Zentrum der Weltpolitik, welche Interessen prallen aufeinander? Und was bedeutet das für die Insel selbst? Die wichtigsten Fragen und Antworten. Warum steht Grönland plötzlich im Zentrum internationaler Spannungen? Auslöser sind wiederholte Aussagen von Donald Trump, wonach Grönland aus Sicht der USA von entscheidender strategischer Bedeutung sei. Er verweist dabei auf Sicherheitsinteressen in der Arktis und auf die reichen Rohstoffvorkommen der Insel. Dass der amtierende US-Präsident militärischen Zwang zur Durchsetzung dieser Interessen nicht ausschließt, hat die Lage grundlegend verändert. Eine Idee, die lange als politisches Kuriosum galt, wird nun als reale sicherheitspolitische Herausforderung wahrgenommen. Ist das amerikanische Interesse an Grönland historisch neu? Nein. Der Blick der USA nach Norden reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Schon 1832 wurde in Washington erstmals über einen Erwerb Grönlands nachgedacht, später folgten konkrete Pläne und Kaufangebote, etwa 1946 unter Präsident Truman . Allen Vorstößen gemeinsam war die strategische Logik: Grönland galt als militärischer Schlüsselraum . Neu an der aktuellen Situation ist weniger das Interesse selbst als die Offenheit, mit der es heute formuliert und mit Drohungen unterlegt wird. Welche völkerrechtliche Stellung hat Grönland? Grönland ist weitgehend autonom, gehört völkerrechtlich aber zum Königreich Dänemark . Diese Konstruktion ist historisch gewachsen: Grönland war jahrhundertelang dänische Kolonie und wurde erst 1953 formell Teil des dänischen Staatsgebiets. Die Autonomie hat seither zugenommen, doch in Fragen der internationalen Sicherheit und der äußeren Beziehungen tritt weiterhin Kopenhagen nach außen auf. Das zeigt sich auch in der aktuellen Krise. Was hat sich militärisch zuletzt konkret verändert? Mittlerweile sind europäische Soldaten auf Grönland eingetroffen. In der Hauptstadt Nuuk landeten 15 französische Gebirgsjäger . Sie sind Teil der europäischen Militärmission "Arctic Endurance“, die auf ausdrückliche Bitte Dänemarks begonnen hat. Ziel ist es, gemeinsam mit Soldaten anderer Länder Übungen vorzubereiten und Präsenz zu zeigen. Auch Deutschland beteiligt sich an der Mission. Die Bundeswehr entsendet 13 Soldaten, die vor Ort prüfen sollen, welche Beiträge zur Unterstützung Dänemarks möglich wären, etwa bei der Überwachung des See- und Luftraums. Schweden und Norwegen haben ebenfalls Truppen zugesagt. Handelt es sich dabei um einen NATO-Einsatz? Formal nicht. Die Mission läuft nicht unter NATO-Kommando und wurde nicht als Bündniseinsatz beschlossen. Politisch ist die Abgrenzung jedoch unscharf. Ein französischer Vertreter sprach offen davon, den USA zeigen zu wollen, dass die NATO in Grönland präsent sei. Auch wenn dies rechtlich nicht zutrifft, ist die Botschaft eindeutig: Mehrere NATO-Staaten reagieren erstmals sichtbar auf die amerikanischen Drohungen. Warum spielt die NATO offiziell keine aktive Rolle? Ein formeller NATO-Einsatz oder der Bündnisfall müssten von allen Mitgliedern getragen werden. Da die USA selbst Teil des Bündnisses sind, wäre dieser Weg im Konflikt mit Washington blockiert. Deshalb verlagert sich die europäische Reaktion auf nationale und europäische Ebenen außerhalb der NATO-Strukturen. Welche Rolle kommt der EU zu? Die EU hat zuletzt eine bemerkenswerte Klarstellung vorgenommen. Sollte es zu einem bewaffneten Konflikt um Grönland kommen, könnte Dänemark grundsätzlich Beistand nach der Solidaritätsklausel des EU-Vertrags verlangen. Juristisch ist umstritten, ob diese Klausel auf Grönland anwendbar ist, da die Insel nicht Teil der EU ist. Politisch signalisiert die Aussage jedoch, dass Europa auch extreme Szenarien zumindest mitdenkt. Wie verliefen die Gespräche mit den USA? Ohne Durchbruch. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen sprach nach den Treffen in Washington von "fundamentalen Meinungsverschiedenheiten“. Trump bekräftigte im Anschluss erneut, Grönland müsse "in den Händen der Vereinigten Staaten liegen“. Gibt es in den USA selbst Kritik an diesem Kurs? Ja. Eine überparteiliche Delegation von US-Parlamentariern reiste nach Kopenhagen, um Dänemark und Grönland die Unterstützung des Kongresses zuzusichern. Mehrere Senatoren warnten davor, mit der aggressiven Rhetorik zur Übernahme Grönlands die NATO zu schwächen und geopolitischen Rivalen wie Russland und China in die Hände zu spielen. Was bedeutet all das für die Menschen auf Grönland? Auf der Insel selbst wächst die Verunsicherung. Viele Grönländerinnen und Grönländer empfinden es als beunruhigend, dass über ihre Heimat gesprochen wird, als handle es sich um ein strategisches Objekt oder ein Handelsgut . In Nuuk berichten Menschen von Angst um die Zukunft ihrer Kinder, von Wut über die amerikanischen Drohungen und von einem Gefühl der Ohnmacht. Unter den Bevölkerung der Arktisinsel herrscht Großteils Konsens, dass Grönland weder amerikanisch noch Spielball geopolitischer Interessen werden soll. Die eigentliche innere Debatte dreht sich um das künftige Verhältnis zu Dänemark. Während manche mehr Eigenständigkeit fordern, sehen andere im dänischen Königreich derzeit einen stabilen Schutzwall.