Blackout: "Feuerwehr-Häuser sind Sicherheitsinseln für die Bevölkerung"

"Wir hoffen, dass wir es nie brauchen. Aber wenn es zu einem Blackout kommt, haben wir alles Menschenmögliche getan, um vorbereitet zu sein", sagt Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner in einem Mediengespräch, dessen Themen die aktuelle Lage, Sicherheit und Vorsorge im Falle eines Blackouts waren. Wie rasch die Infrastruktur an ihre Grenzen kommen kann, zeigte zuletzt der großflächige Stromausfall nach einem Anschlag in Berlin . Bei der Eiskatastrophe in Slowenien oder auch bei regionalen Stromausfällen im Waldviertel sammelten die Feuerwehren von Niederösterreich reichlich Erfahrungen. "Wir wissen: Vorbereitung entscheidet über Einsatzfähigkeit", schilderte Fahrafellner im Feuerwehr- und Sicherheitszentrum in Tulln . Feuerwehren haben vorgesorgt Die Feuerwehren des Landes hätten in den vergangenen Jahren gezielt vorgesorgt. "Wir wollen das Leben wieder leichter machen. Dazu gehört auch das gute Gefühl, in einer sicheren Heimat zu leben", betonte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP). Die Sicherheit bei der Energieversorgung, bei den Einsatzkräften oder den Gemeinden, rühre daher, weil sich das Land darauf vorbereite. Matthias Fischer Informierten im Tullner Feuerwehr-  und Sicherheitszentrum über Sicherheit, Vorsorge  und aktuelle Lage im Fall eines Blackouts (v.l.): Landesfeuerweherkommandant-Stellvertreter Martin Boyer, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Landesfeuerwehrkommandant Didi Fahrafellner. Die Stromversorgung in Österreich sei "aus gutem Grund" anders aufgestellt als in Berlin. So gibt es etwa weniger Starkstrom-Verkabelungen. Dennoch können Ausfälle und Katastrophen nicht zur Gänze ausgeschlossen werden. Kommunikation und Information sind im Krisenfall besonders wichtig Worin sich Pernkopf, Fahrafellner und Landesfeuerwehrkommandant-Stellvertreter Martin Boyer einig sind: Im Krisenfall ist die Kommunikation das wichtigste. Jeder sollt einen Akkubetriebenen Radio zuhause haben, um im Ernstfall wichtige Informationen zu bekommen. "Man kann auch das Autoradio aufdrehen", gibt der Landesfeuerwehrkommandant einen Tipp. In Niederösterreich wurden mehrere redundante Kommunikations-Systeme aufgebaut. "Wir machen gerade den Digitalfunk blackoutsicherer, derzeit werden 120 Notstromaggregate angeschafft und ausgerollt", so Pernkopf. Zusätzlich werde aktuell ein eigener Richtfunk an der Strecke Wien – Tulln – St. Pölten fertiggestellt sowie das Pagernetz für die Alarmierung verbessert, 150 Sender werden noch im ersten Halbjahr 2026 fertiggestellt. Sandra Frank Mit Notstromaggregaten stellen die Feuerwehren die Versorgung sicher. Wichtig, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten, sind Satelliten. Darum gibt es in den Bezirken Starlink-Anlagen , damit die Feuerwehren mit der Landeszentrale verbunden bleiben. Wenn alle Stricke reißen, "haben wir noch den alten Analogfunk, da können wir über 20 Kilometer funken", weiß Fahrafellner. Notstromaggregate für Betriebe und Private Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Not- und Stromversorgung. "Insgesamt wurden mit Unterstützung des Landes Niederösterreich und der Freiwilligen Feuerwehren rund 400 Notstromaggregate für die Feuerwehrhäuser angeschafft", schildert der LH-Stellvertreter. Alle Landeskliniken verfügen über eine zuverlässige Notstromversorgung, die Straßenmeistereien sind notstromversorgt und auch die Wasserver- und -entsorgung sind mit 260 Aggregaten ausgerüstet. "Gleichzeitig haben wir Bürokratie abgebaut, die Genehmigungspflicht für private Notstromaggregate wurde abgeschafft", berichtet Pernkopf, dass Betriebe und Haushalte rasch und unkompliziert vorsorgen können. Fallen Strom, Licht und digitale Systeme aus, steigt der Hilfebedarf in der Bevölkerung massiv, weiß Fahrafellner. Darum müssen die Feuerwehren technisch autark arbeiten können. "Bei einem Blackout werden die Feuerwehrhäuser zu Sicherheitsinseln für die Bevölkerung", ist er überzeugt, dass Niederösterreich hier europaweit einzigartig vorbereitet ist. Über ganz Niederösterreich hinweg sind 50 Großstromaggregatoren zu 150kVA, 400 kVA oder 500 kVA stationiert, um rasch helfen zu können und kritisch Infrastruktur und Kommunikation aufrechterhalten. 180.000 Liter Diesel: Feuerwehren werden mit Treibstoff versorgt Die Treibstoffversorgung sei ebenso essenziell, wie Fahrafellner betont. Und auch da sind die Feuerwehren im Land gerüstet. Die Landesfeuerwehr verfügt über 180.000 Liter Diesel, der über zehn Jahre hält, und über 20 mobile Tankstellen in den Bezirken. Tanklastzüge wurden angeschafft, um den Treibstoff in die Bezirke zu bringen. "Hier hat die Feuerwehr sparsam und zweckmäßig investiert", berichtet Pernkopf, dass alte Tankwagen von Betrieben gekauft worden sind. Zudem habe die Feuerwehr die Berechtigung, direkt in die Raffinerie zu fahren, um zu tanken. Kommt es zu einem Blackout, werden die Feuerwehren in den Gemeinden sofort tätig. "Sie arbeiten eigenständig und brauchen keine Befehle von uns", betont Boyer. Ein Landesführungsstab wird eingerichtet, der mit dem Bezirksführungsstab kommuniziert, der wiederum ist Bindeglied zu den Gemeinden. Der Bezirkshauptmann wird zum Einsatzleiter, die Bürgermeister und Feuerwehrkommandanten sagen, was zu tun ist. "Ich bin ein Verfechter davon, dass das vor Ort gemacht wird, denn die Leute dort wissen am besten, was gebraucht wird", betont Pernkopf. Positive und negative Erfahrungen der Eiskatastrophe Bei der Eiskatastrophe in Slowenien 2014 waren 50 Kameraden aus Niederösterreich im Einsatz. "Wir haben viel Negatives, aber auch Positives gesehen", erinnert sich Fahrafellner. So sind hunderte Rinder verendet, weil sie ohne Strom nicht mehr gemolken werden konnten. Positiv habe er die Bevölkerung in Erinnerung, die tiefenentspannt gewesen sei. "Sie haben Post-its auf unsere Aggregate geklebt, um miteinander zu kommunizieren." Wer selbst vorsorgt, entlastet Einsatzkräfte Was sollte man zu Hause haben? Kerzen, Taschenlampen, einen Griller ("Aber nur für draußen!"), haltbare Lebensmittel und ein akkubetriebenes Radio. Die Wasserversorgung stehe Dank des Eigendrucks der Hochbehälter in Niederösterreich auf guten Beinen. Dennoch schade es nicht, Mineralwasser als Trinkwasser zu Hause zu haben. Wer selbst vorsorgt, entlastet die Einsatzkräfte und Gemeinden. So werde die gemeinsame Sicherheit gestärkt, sagt der Landesfeuerwehrkommandant, der daran erinnert: "Jeder Zivilschutzalarm heißt: Drehen Sie das Radio auf."