Investment-Skandal Sun Contracting: Wie Anleger überrumpelt wurden

Am vergangenen Mittwoch hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) im mutmaßlichen 150 Millionen Euro schweren Anlagebetrugsskandal Green Finance/Sun Contracting eine neue Ermittlungsanordnung an des Landeskriminalamt Oberösterreich erteilt. Grund sind neue Anzeigen von zwei geschädigten Anlegern. Zur Erinnerung: Die österreichische Sun Contracting-Gruppe und die Liechtensteiner Sun Contracting AG sind Anfang November 2025 mit Bomben und Granaten in die Pleite geschlittert. Doch dahinter verbirgt sich ein veritabler Wirtschaftskrimi um angeblich lukrative Investments in Solaranlagen. Bereits im Dezember 2024 war es zu Hausdurchsuchungen gekommen, Mitte Dezember 2025 klickten für drei Drahtzieher in Österreich die Handschellen. Sie wurden in U-Haft genommen. Die neuen Ermittlungen betreffen einen beschuldigten Green-Finance-Keiler, der noch auf freiem Fuß ist. Der Beschuldigte soll von der Kripo zu den Vorwürfen befragt werden. Er soll einer geschädigten Anlegerin noch „am 13. Jänner 2026 (!) versichert haben, dass er weiterhin auf einen EuGH-Entscheidung zu Lebensversicherungen warte und ihr investiertes Geld nach wie vor bei der Sun Contracting AG vorhanden sei – trotz der eingetretenen Insolvenz und mehrfacher Akteneinsicht seiner Verteidigerin, heißt es in der Ermittlungsanordnung. Wertlose Wertpapiere Der eigentliche Skandal in dieser Causa liegt darin, dass der Beschuldigte Gelder des Opfers aus einer aufgelösten Lebensversicherung, aber ohne deren Willen und Wissen in mittlerweile wertlose „Wertpapiere“ der Sun Contracting anlegen ließ. „Ich vertrete weitere Mandanten, denen der Beschuldigte nicht gesagt hat, dass in hochriskante Produkte investiert wird“, sagt Anwalt Jörg Zarbl, der 400 geschädigte Anleger vertritt, zum KURIER. Hochriskante Nachrangdarlehen Das Geschäftsmodell der Green Finance/Sun Contracting bestand darin, Anlegern zu suggerieren, dass ihre Lebensversicherungen Verluste schreiben und diese Verluste mit einem Prozessfinanzierer rückforderbar seien. Sie sollten die Polizzen über eine deutsche Firma P. verkaufen und den Rückkaufswert lukrieren. Doch die betroffene Anlegerin erhielt diese Auszahlung nicht, sondern der Betrag floss an die deutsche Firma P., die sich eine mehrere Hundert Euro Bearbeitungsgebühr vom Erlös einverleibte. Dabei wurde der Erlös aus der Lebensversicherung in hochriskante Nachrangdarlehen der Sun Contracting AG investiert. „Dieser gesamte Vorgang erfolgte ohne informierte Zustimmung meiner Mandantin“, so Zarbl. „Vielmehr wartete sie weiterhin auf die ihr vorgespiegelte EuGH-Entscheidung zu Lebensversicherungen, in der irrigen Annahme, auf diesem Weg die aus der Lebensversicherung resultierenden Verlust ersetzt zu erhalten.“ Anleger gedrängt Derselbe Green-Finance-Macher soll einen weiteren Anleger Ende 2024 zu einem Investment in Sun Invest-Anleihen (41.260 Euro) und Sun Contracting-Aktien (7.200 Euro) gedrängt haben, die der Anleger für einen Gewinnfreibetrag nutzen könne, wie ihm beteuert wurde. In der Anzeige wird behauptet, dass der „Keiler“ „wohl schon von den Malversationen wusste und nur seine Provisionen in trockene Tücher bringen wollte“. „Besonders dreist ist, dass der Angezeigte noch am 21. Oktober 2025 dem Anzeiger Terminvorschläge für ein neues Investment u. a. in Sun Contracting schickte“, heißt es in der Anzeige. Am 4. bzw. 5. November 2025 ging die Sun-Contracting-Gruppe pleite.