Toptrainer Günter Bresnik: "Tradition kann man nicht kaufen"

Wo Günter Bresnik draufsteht, ist österreichische Tennisgeschichte drinnen. Der Niederösterreicher, der im April 65 wird, trainierte Kapazunder wie Boris Becker, Henri Leconte und führte Horst Skoff in die erweiterte Weltspitze. Am erfolgreichsten war Bresnik mit Dominic Thiem, den er im Kindesalter übernahm und nach oben führte. Im KURIER plaudert Bresnik vor den Australian Open über gegenwärtige Tendenzen im Tennis. KURIER: Jannik Sinner und Carlos Alcaraz sind fast die besten Freunde, sie kamen gemeinsam in Melbourne an. War dies früher denkbar? Günter Bresnik: Die ist alles eine Frage der öffentlichen Darstellung. Das war bei Roger Federer und Rafael Nadal auch ähnlich, auch wenn sie sich gut verstanden haben, doch am Ende waren auch sie Rivalen. Ich halte es für stark übertrieben, wie dies in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Man darf aber erwarten, dass sich die beiden im Endspiel gegenüberstehen. Gibt es andere, die derzeit Grand-Slams gewinnen können? Im Normalfall werden Alcaraz und Sinner das Finale bestreiten, weil sie die Besten sind. Auch auch ein Alexander Zverev kann noch Grand-Slam-Turniere gewinnen. Warum soll dies mit 28 nicht gelingen? Es hat einige Spieler gegeben, die in späten Jahren noch zu Grand-Slam-Ehren gekommen sind, wie Petr Korda oder Andres Gomez. Tennis lebt ja auch von der Show. Erst kürzlich schlug Nick Kyrgios die Ranglisten-Erste Aryna Sabalenka. Was halten Sie von dem Battle of the Sexes? Vom Sportlichen her ist es völlig absurd, da Männer und Frauen nicht die gleiche Konstitution haben. Steffi Graf hat einst gegen ihren Trainer Heinz Günthardt, der ein guter Spieler war, aber damals auch schon um die 40, kein Game gewonnen. Aus wirtschaftlicher Sicht macht es Sinn, viele verdienen gut damit und es hat einen gewissen Unterhaltungswert. Das Ganze bringt vielleicht Leute zum Tennis. Apropos verdienen: Es gibt immer mehr Exhibitions im arabischen Raum. Nun wird es auch ein 1.000er-Turnier in Saudi-Arabien geben. Ist dies ein bedenklicher Weg? Es verhält sich wie mit den Waffen. Wer ist schuld? Derjenige, der Waffen produziert oder der sie verwendet? Generell muss man die Frage stellen, wer schon gerne sechs Millionen Dollar liegenlässt, die es in Riad gab. Aber Kultur und Tradition kann man mit Geld nicht kaufen. Im arabischen Raum gibt es diese Tennis-Kultur nicht, sieht man von ganz wenigen Scheichs ab, die schon lange dabei sind. Da bin ich lieber auf Turnieren wie in Kitzbühel oder New York. Was mich noch stört, ist, dass immer mehr auf den Sozialen Netzwerken übertragen werden. Immer weniger gehen in die Stadien, um Spiele zu sehen. Es gibt doch nichts Schöneres! Aus Russland stammt die eingebürgerte Anastassija Potapowa. Bringt Sie dem österreichischen Tennis viel? Jeder Mensch, der gut verdient und damit gute Steuern zahlt, sollte die Staatsbürgerschaft erhalten. Das bringt dem Staat etwas. Dem österreichischen Tennis bringt sie aber nichts. Sie wird auch kaum mit anderen Österreicherinnen trainieren. Das kommt ohnehin selten vor, dass Österreicherinnen in der Heimat miteinander trainieren. Noch mehr wurde zuletzt über Lilli Tagger geschrieben, auch wenn sie in der Melbourne-Quali verlor. Was trauen Sie Ihr zu? Ich würde mich sehr wundern, wenn sie in zwei Jahren nicht in den Top 20 steht. Sie ist total fokussiert und greift auf eine super Betreuung zurück. Ihre Trainerin Francesca Schiavone lebt für ihre Arbeit. Sie betreuen ja Julia Grabher, die bei den Australian Open auch im Einsatz ist und Lukas Neumayer, der in der Qualifikation scheiterte. Was ist da möglich? Es ist schon einmal bewundernswert, dass Julia nach ihrer schweren Handgelenksverletzung und der langen Pause den Sprung zurück in die Top 100 geschafft hat. Ich sehe keinen Grund, warum sie es nicht in die Top 50 schaffen kann. Und Lukas hat sich zwar im Ranking jetzt verschlechtert, aber spielerisch wieder verbessert. Er ist total ehrgeizig und fokussiert und hat keine großen Schwächen. Bei den Australian Open leistete sich Sebastian Ofner einen Fauxpas, als er im Tie-Break des Entscheidungssatzes bei 7:1 schon einen Sieg bejubelte. Er verlor dann den Tie-Break, weil auf 10 gespielt wurde. Ist das einem ihrer Spieler schon einmal passiert? In dieser Form ist mir das neu. Man sollte schon die Regeln in seiner Sportart kennen. Es hat mich sehr überrascht, dass das einem vifen Burschen wie Ofner passiert.