FPÖ-Neujahrsempfang: Kickl als "Papa der Familie Österreich"

"Wir wollen alle Fahnen sehen", ruft die Moderatorin kurz vor 11h in der Klagenfurter Messe als sich Herbert Kickl , flankiert von Bodyguards, mit Metallicas "Enter Sandman" den Weg zur Bühne bahnt. Rund 5.000 Funktionäre und Sympathisanten folgen ihrem Aufruf. Unter "Herbert, Herbert"-Rufen wird der FPÖ-Chef willkommen geheißen. Den Anfang macht an diesem Samstag aber nicht Kickl, sondern Gerhard Darmann , Sicherheitssprecher und Stadtparteiobmann von Klagenfurt. Nachdem "Don't stop believing" verklungen, lässt Darmann wissen, dass die Freiheitlichen heute an einem besonderen Ort seien, zitiert das Kärntner Heimatlied  " Wo Mannesmut und Frauentreu die Heimat sich erstritt aufs neu " und dann alle anwesenden Länderchefs namentlich. APA/WOLFGANG JANNACH Neben Mario Kunasek , Landeshauptmann in der Steiermark, Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (Oberösterreich) und Landeshauptfrau-Stellvertreter Marlene Svazek (Salzburg) und Udo Landbauer (Niederösterreich) fehlt nur einer, wie Darmann betont - Markus Abwerzger (Tirol) ob eines Skiunfalls. Auch der "durchaus streitbare Volksanwalt" Christoph Luisser wird wie Nationalratspräsident Walter Rosenkranz eigens willkommen geheißen. Als "Sperrspitze" bezeichnet Darmann die Generalsekretäre Michael Schnedlitz und Christian Hafenecker. APA/WOLFGANG JANNACH Erwin Angerer ist als nächstes am Wort. Der FPÖ-Kärnten-Chef verweist auf das heute lancierte FPÖ-Internet-Radio "Austria First", die er als zusätzliches Zeichen einer "Zeitenwende" interpretiert wissen will. Diese "Zeitenwende" werde nur mit dem FPÖ-Chef gelingen, dessen Namen "Kickl 2026" am Rednerpodest zu lesen ist. Im Gegensatz zu Darmann wird Angerer weniger Gehör geschenkt als er über Ungleichbehandlung von Österreichern und Zuwanderern und "leeren Floskeln von Einheitsparteien" zu sprechen beginnt. Um 11 Uhr 30 wird Kickl als "Papa der Familie Österreich" entriert, die John Otti-Band ruft auf, erneut die Fahnen zu schwenken, ehe Kickl die Bühne betreten wird. Nach dem FPÖ-Lied "Wir sind eine Familie" soll eine Videoeinspielung Stimmung für Kickls Rede machen. APA/WOLFGANG JANNACH Mit martialisch anmutenden Tönen wird die Bühne verdunkelt, dann tritt Kickl auf - vor dem Schriftzug "Kickl 2026". Es dauert eine Weile ehe die "Herbert"-Rufe verklingen und der FPÖ-Chef beginnt. "Ihr seid spitze! Jetzt bumpert mein Herz und a Ganslhaut habe ich auch. Ihr habt alles richtig gemacht, Freude!" Es sei gut, dass die Anwesenden so laut sein, denn das sei ein Zeichen "die Zukunft des Landes ist hier". APA/WOLFGANG JANNACH Dieses Jahr "2026 wird unser Jahr, es wird ein freiheitliches Jahr" verspricht der FPÖ-Chef. "Egal, was daherkommt, egal, wer daherkommt. Volkskanzlerschaft - das ist das Motto. Immer vorwärts FPÖ." "Jörg war ein Schutzpatron der österreichischen Bevölkerung" Es gebe allen Grund zu feiern. 70 Jahre besteht die FPÖ, 40 Jahre ist es her, dass Jörg Haider beim Innsbrucker Parteitag die Führung der FPÖ übernommen. "Das war die Initialzündung für die neue Politik." Aus der Partei sei eine "starke Freiheitsbewegung" geworden. "Der Jörg war ein Schutzpatron der österreichischen Bevölkerung". Nun seien die "Erben von Jörg Haider" an der Reihe, ruft Kickl. Der "Zeugungsakt" der Dreierkoalition sei ein "Wählerverrat"  Dann überschlägt sich Kickl in Metaphern. Die FPÖ werde die "Verliererampel in die Luft sprengen". Es werde Neuwahlen geben und es gebe keine Geheimgespräche mit der ÖVP. "Es gibt mit uns keine miesen Deals hinter dem Rücken der Bevölkerung", stellt Kickl klar. Der "Koralm-Tunnel" müsse eigentlich "Jörg Haider-Tunnel" heißen. Kickl der verlorene Sohn Zeitgleich sei Kickl "gerührt", weil es eine Form von "Heimkehr" sei. Ein wenig komme der Kärntner Kickl sich vor, als käme er als "verlorener Sohn" nach Hause. Je älter er werde, desto wichtiger würden ihm die Wurzeln seiner Kindheit werden. APA/WOLFGANG JANNACH "Dieses Neujahrstreffen ist eine riesige freiheitliche Machtdemonstration", ruft Herbert Kickl, nachdem er alle Anwesenden anhält, sich umzuschauen, wie viele Menschen in der Klagenfurter Messe sind. Wie viele mutmaßlich via Stream zusehen und wie viele beim neuen Radio zuhören werden. Österreich werde durch die FPÖ ein Land der "Sicherheit, Geborgenheit und des Friedens" werden, so Kickl. "Was Du im Kopf und im Herzen hast, das hast du auch in Deinen Händen." Es seien die besten Händen, befindet der FPÖ-Chef. Dann zitiert Kickl Erich Maria Remarque . " Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.“ "Spiel mit dem Feuer" Die Regierenden würden gerade mit ihrer Politik ein "Spiel mit dem Feuer", Kickl "ist dem Herrgott" dankbar, dass er keinen Krieg erleben musste und er hofft, dass das für Kinder und Enkelkinder gelten werde. Das alles heiße aber nicht, dass sich Österreich nicht schützen können muss. "Wir dürfen uns nicht in Konflikte hineinziehen, die nicht die unsere sind. Unsere Söhne und Töchter geben wir nicht." Österreichs Aufgabe sei in der Diplomatie zu suchen und nicht "in aufgeregter Keppelei". Neos-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger richtet er aus "Reden ist silber, schweigen ist Gold". Die Dreierkoalition bezeichnet er als "Monstrum", als "Hydra", die drei Farben und 21 Köpfe habe derweil eine "dicke, fette Nebelbank" auf Österreich drücke. Für Asylwerber gelte immer noch der "All-Inklusive-Club" Österreich während die Bevölkerung weiter leide. Kurz nach Mittag kritisiert Kickl Minuten lang die Koalition, lässt die vergangene Woche Revue passieren.