Polly Adlers "Chaos de luxe": Isch a Betthaserle

Die britische Dame in unserem Zimtblüten-Resort auf Sri Lanka ist mindestens 70. Fantastische 70 . Im Gegensatz zu mir kann sie ihren Bikini tragen. Ihr Begleiter, ein Aber-hallo-Feschak , mit Nachsicht 40 Jahre jünger. Traut sitzen sie gemeinsam beim Wasserspinat-Süppchen, hirschen mit in Öl getränkten Kopfturbanen durch das Gelände und zelebrieren auch den olfaktorisch herausfordernden Darm-Entrümpelungstag (ayurvedisches Pflicht) gleichzeitig im gemeinsamen Bungalow. Subtext: Man erträgt sich in Ausnahmezuständen. Und, nein, es war nicht ihr Sohn, auch nicht ihr Enkel , wie mir eine der vielen Yoga-Uschis flüsterte: "Des isch a Betthaserle. Und was soll’s: A kromms Holz gibt au a grads Feuer." Man möchte nicht begraben sein in so einem schwäbischen Dialekt. Sie meinte offensichtlich mit der Ansage, dass nachts alle Katzen faltenfrei sind. Feministischer Selbsttadel machte sich in Folge in mir breit, weil ich ein gewisses "Cringe"-Gefühl beim Anblick der beiden nicht leugnen konnte. Bei in der Einflugschneise zum Greis befindlichen Männern hatte man sich inzwischen absurderweise an solche Konstellationen längst gewöhnt. Und wenn ein Typ sich einmal erotisch in seiner eigenen Altersklasse PAARTE, waren wir Damen voll des Lobes für soviel moralischen Mut. Während ich nachts am Meer gedankenpromenierte, lugte Lizzi, das Weißschwanz-Stachelschwein, endlich aus ihrem Loch. Es klapperte mit seinen Stacheln und sah mich mit einem Blick an, als wollte es sagen: "Die Welt ist ein großer Tiergarten. Gewöhn’ dich dran, Pinkie." Pollys Krimiperformance „Pardon“ mit St. Reinsperger, Sona MacDonald & Seb. Wendelin 1 & 8. 2. im Rabenhof