Eine Überdosis an Weihnachtskeksen blieb bei mir dieses Mal aus, obwohl sich mein Vater für seine selbst gebackenen 15 Sorten wirklich abgemüht hat. Meine Hündin Maia hatte am 17. Dezember die von Papas Hand wohlsortierten 1 ½ kg Mehlspeisen bis auf drei mir entgegenrollende Schokokugeln verdrückt, während ich kurz im Müllraum gewesen war und lag am Sofa wie ein gestrandeter Wal. Es reihte sich zum Glück unverzüglich die nächste Vorfreude ein. Ich sollte bald aufbrechen, um in Baja California die Natur ober und unter Wasser zu bewundern. Dort angelangt, erreichte mich mein Gepäck aus unerfindlichen Gründen nicht. Da fängt das Hirn zu rattern an, wenn einem bewusst wird, dass man ein paar Tage in derselben Unterhose zubringen muss. Walmart spuckt von Wäsche über Zahnbürste, Strandkleid und Kapuzensweater alles Notwendige aus, über Stil und Qualität brauchen wir nicht reden. Es fällt einem ein, was sich alles in materieller Hinsicht Ärgerliches wie emotional Wichtiges in diesem verdammten Koffer befindet. Schlaflose Nächte hat man deshalb Keine Wimperntusche, kein grünes Frotteekleid, keine blauen Lieblingssandalen, kein E-Book, keine coole Sonnenbrille und vor allem kein Tauchequipment, was soll das?! Wie soll ich nur??!! Die Tage verstrichen. Das Neuerworbene wurde noch knapper als neulich erst Linzerauge und Co. Obschon ich den zwingenden Verdacht nicht ausräumen kann, dass ich verwöhnt bin, was den Besitz von Konsumgütern betrifft, konnte ich mich extrem schnell an die aktuellen Gegebenheiten anpassen und kapierte, mit wie wenig man auskommen und zufrieden sein kann. Walsonntag Dieser Sachverhalt wurde am vorletzten Tag der in zweifacher Hinsicht abgespeckten Reise durch die Anwesenheit einer Buckelwaldame mit Nachwuchs massiv unterstrichen. Es relativierte sich der schlecht sitzende neue Bikini, der Riss in der geliehenen Flosse und die zähen Schokokekse an Bord in der Sekunde, als ich der hübschen Riesin, die knapp unter mir vorbeiglitt, ins wachsame Auge blickte. Schützend hielt sie die Flosse über ihr Neugeborenes, um kurz darauf aus dem Wasser zu springen und mit der flachen „Hand“ mehrmals auf die Wasseroberfläche zu schlagen, als wolle sie mir sagen: „Wach auf!“ Ich wünschte, die Zeit wäre stehen geblieben Nix da: 6, 7 oder trockener Jänner. Tränen flossen! Im Taumel dieser Erinnerung trat ich die Rückreise in muffiger Kleidung an. Beim Check-in begrüßte mich mein Koffer. Ich war kurz beeindruckt, aber er war mir auch egal. Ermattet nahm ich noch die Durchsage im Flieger wahr: „Wenn Ihnen während des Fluges was in die Ritze fällt…“ , im Halbschlaf stellte ich mir vor, dass ich locker in der Achselhöhle eines Buckelwals Platz hätte und fühlte mich sehr geborgen und genügte mir. Angelika Niedetzky ist Schauspielerin und Kabarettistin, sie spielt ihr aktuelles Programm „Südseefieber“ am 27. Jänner 2026 auf der Burg Perchtoldsdorf. Beginn: 20 Uhr.