Von Achim Schneyder Meinem Freund René Freund, dem Schriftsteller und KURIER-Kolumnistenkollegen, habe ich dieses äußerst stimmungsvolle Wirtshaus mit hellem Holzboden, holzvertäfelten Wänden, grünem Kachelofen und schmucker Kommode zu verdanken. Er nämlich, der seit ewigen Zeiten als ausgewanderter Wiener in Grünau im Almtal lebt, hat mich vor ein paar Jahren hierher verführt und mir das in der Pfanne herausgebackene Schnitzel vom Almtaler Duroc-Schwein mit Petersilerdäpfeln ans Herz gelegt. Im kleinen Gastgarten direkt am Fluss genossen, hatte ich es seither in wahrlich allerbester Erinnerung. Nun war ich also abermals im zauberischen, diesmal sehr winterlichen Almtal, in dem man, wenn man schon einmal hier ist, unbedingt auch hinauffahren sollte zum märchenhaften Almsee am Fuße des Toten Gebirges oder den großartigen Wildpark besuchen. Und diesmal ist’s das Cordon bleu , ebenfalls vom Duroc (und dieses Duroc abermals geliefert vom Fleischermeister Stadler von gegenüber), das bis zum nächsten Mal den bleibend positiven Eindruck hinterlassen wird. Zubereitet hat’s die Agi, die Agnes Holzinger , und serviert hat’s die Michi, die Michaela Ettinger , und die gemeinsame Geschichte der beiden geht so: Als Agi, Jahrgang 1995, im von der heutigen Wirkungsstätte nur ein paar Mal Umfallen entfernten „Romantikhotel Almtalhof“ die Koch-/Kellner-Lehre antrat, war Michi, Jahrgang 1982 und ebenfalls gelernte Köchin und Kellnerin und inzwischen auch geprüfte Sommelière, dort Restaurantleiterin. "Die wollt' fortgehen" „Und irgendwann ist’s mir auf die Nerven gegangen, wie die Agi oft mürrisch war. Die wollt’ fortgehen am Abend mit Freundinnen, aber in der Küche gab’s halt noch was zu tun, weil manchmal bestimmen eben die Gäste den Küchenschluss, indem sie spät noch Nachspeis’ bestellen. Da war sie dann schwer auszuhalten, weil sie das nicht verstehen wollt’, aber sonst hab’ ich sie schon mögen. Es war so eine Art Hassliebe . Beidseitig.“ Freundinnen wurden sie schließlich dennoch. Und das gemeinsame Frühstück im Grünauer „Dorfcafé“ gehörte bald zum Montagvormittags-Ritual. Auch, als Michi schon nicht mehr im „Almtalhof“ ihren Dienst tat. „Eines Montags“, erzählt Agi, „sind wir dann wieder im Café g’sessen, die Michi hat damals in Gmunden im ,Schloss Orth’ gearbeitet, und wir haben vor uns hingeträumt, dass wir uns gern selbstständig machen würden.“ „Und dann haben wir erfahren, dass das ,Dorfbeisl’ zu haben wäre, weil der Vorpächter nach 25 Jahren aufhört“, ergänzt Michi. Das war im September 2018, im März 2019 folgte die Neueröffnung , und aus dem „Dorfbeisl“ wurden „Die Almwirtinnen“. Vom Start weg ausgebucht Da standen sie nun also zu zweit in ihrem ersten eigenen Lokal, die Speisekarte war schon damals nicht sehr groß, und dachten, das würde schon locker alles hinhauen. Was sie aber nicht ahnen konnten, war, dass man ihnen die Türe regelrecht einrennen würde, und das vom ersten Tag an. „Darum zählt unser Team mit Birgit, Bianca, Melanie und uns inzwischen insgesamt fünf Mädels, von denen mindestens drei gleichzeitig da sind“, sagt Agi und huscht in die Küche, weil neue Gäste hungrig sind. Und dann, zu sich selbst: „Zwei Mal Erdäpfelgnocchi mit Kürbis, ein Schnitzerl, ein Forellenfilet mit Blattspinatrisotto, eine Flugentenbrust. Also, ans Werk mit mir…“ Achim Schneyder Soll’s vegetarisch sein? Etwa Erdäpfelgnocchi mit Kürbis? Groß ist sie tatsächlich nicht, die Karte. Neben den Fixstartern Schnitzel, Cordon (beides ohne Pommes, weil Pommes kommen Agi nicht in die Küche) und Frittatensuppe, sowie den Klassikern Flammkuchen oder gefülltes Schweinskarree, gibt’s wöchentlich wechselnd eine saisonale Suppe, zwei Vorspeisen und drei weitere Hauptgerichte, darunter ein vegetarisches und eines mit Fisch, „So ist garantiert, dass alles wirklich frisch und die Karte ständig in Bewegung ist. Und nahezu alles stammt aus der Region. Unsere Fische etwa kommen aus der Zucht vom Jagersimmerl, der auf dem Weg rauf zum See direkt an der Alm liegt. Das ist allerbeste Ware.“ Achim Schneyder Blickfang in der Wirtsstube: Kachelofen und Kommode. Im März sind’s also sieben Jahre, dass die beiden ihren Traum leben. Und von einem verflixten siebten Jahr kann – Stand heute, 18. Jänner – keine Rede sein. „Klar streiten wir hin und wieder ein bisserl, so wie’s auch in jeder guten Ehe passiert. Aber wir funktionieren bestens, so unterschiedlich wir auch sind“, sagt Michi. Unterschiedlich inwiefern? „Die Agi ist eher laut und redet gern und viel“, sagt Michi. „Die Michi ist genau das Gegenteil“, sagt Agi. Aber wär’s dann nicht g’scheiter, stünde die Michi in der Küche und die Agi schupfte den Laden draußen? Und da kommt’s zeitgleich wie aus einer Kehle: „Na, auf keinen Fall.“