Reisen 2026: Mehr als nur Sonne und Strand - Die neuen Trends

Von Nicola Afchar-Negad Früher war es das Meer. Oder es waren die Berge. Heute ist es ein Konzertticket oder ein Tennisturnier. Die Entscheidung für eine Reise fällt immer öfter nicht mehr wegen eines Wos, sondern eines Warums – eines Moments . Wegen eines Abends, an dem tausende Menschen gleichzeitig den Atem anhalten, wenn das Licht ausgeht. Wegen eines Matchballs auf rotem Sand, der Geschichte schreiben könnte, zumindest die eigene. Wegen eines Gefühls , das man nicht streamen, nicht nachholen, aber teilen kann. Reisen aus Leidenschaft ist dem Nischentrend entwachsen. Das bestätigt auch der aktuelle Trendreport von „Marriott Bonvoy“. So sollen 56 Prozent der befragten Deutschen schon einmal Urlaub rund um ihr Hobby gemacht haben. Golf-Reisen , ja, das kennt man – aber zum Training mit Maria Scharapowa nach Griechenland oder fürs Lady-Gaga-Konzert nach London , diese Motivation ist doch noch relativ neu. Beigestellt Tennis ist das neue Golf – man reist in Resorts, die hier die Rangliste anführen. Im Bild: Das Amanjiwo in Indonesien Sogar 80 Prozent der für die Studie befragten aus der Generation Z (circa von 1995 bis 2010 geboren) gaben an, ihren Idolen oder Leidenschaften nachzureisen . Einfach nur „nach Barcelona“ ist zu wenig, „nach Barcelona zum Primavera Sound Festival “ kommt da schon besser. Und wer temporär dem Aman Tennis Club beitritt, spielt natürlich in der hoteleigenen Modekollektion – bei der Präsentation dieser war Amans „Global Wellness Ambassador“ Novak Djokovic mit am Centercourt. Wellnessresort Stanglwirt Atemarbeit trifft Coaching: Retreats wie das „Move Mind Breath“ im  Wellnessresort Stanglwirt sind ein guter Anfang Dass solche Trips im Kommen sind, hat viel mit Personalisierung zu tun, ein Megatrend. Man reist ins Trauer-Retreat, für den Schreibworkshop oder in Sachen Menopause. Social Media und Künstliche Intelligenz liefern die Inspiration . Laut Marriott Bonvoy-Trendreport haben 34 Prozent der Reisenden KI zur Urlaubsplanung bzw. -recherche befragt, im Jahr davor waren es 26 Prozent. Man darf davon ausgehen: Diese Zahlen haben noch nicht die volle Flughöhe erreicht. Nur positiv ist das definitiv nicht, denn – Hyper-Personalisierung hin oder her – ChatGPT neigt schon dazu, die immer selben Antworten zu generieren. Die Folge: gnadenloser Massentourismus . Immer mehr Menschen reisen zu den immer gleichen Zielen, oft gefühlt nur für das perfekte Foto. Kann man verstehen, muss man aber nicht mitmachen. Apropos Reisen im Gleichschritt: Wer sich lange genug durch die Menschenmassen im Londoner Advent vorwärts geschoben hat, kann vielleicht etwas mit der „Hushpitality “ anfangen. Schweige-Retreats, „Unplugged“-Kabinen irgendwo im nirgendwo oder sogar Aufenthalte in kompletter Dunkelheit sind zugegeben schon etwas speziell, wenn nicht sogar extrem, aber: Es gibt eine steigende Nachfrage. Es geht im Fall aber auch gemäßigter. An dieser Stelle bitte einmal tief durchatmen, denn: Yoga ist nicht mehr das alleinige Wellness-Wunder. hochburg gmbh & co. kg Neuhaus Resort Zillertal: Workation-Bereich auf der einen, Yoga auf der anderen Seite Schon einmal von Breathworking gehört, also Atemarbeit? Es geht nicht nur ums Durchatmen, sondern wie man atmet – tief, langsam, schnell, rhythmisch – und wie das Stimmung, Energie und sogar Gesundheit lenkt. Die Wienerin Dominique Scharax hat ihr Können und Wissen in „Re-Balance-Retreats“ gegossen, eine „Einladung wieder in den Körper zu kommen. In die eigene Kraft und den eigenen Atem“, wie sie sagt. Die Hotels: Stanglwirt (März), eine mallorquinische Finca (April) und die Jufenalm (Juni). Getty Images/bruev/istockphoto Im Trend: Reiseziele im kühlen Norden, wie Bergen in Norwegen. Dass Retreats im Jahr 2026 holistische Ansprüche formulieren, zeigt auch das „Patina Maldives“ – im August geht das „Fari Islands Festival“ in die zweite Runde, es verbindet Kunst, Musik und Achtsamkeit. Auch Bleisure – also die Verschmelzung von Job (Business) und Freizeit (Leisure) wird Standard. In Österreich setzen vor allem Resorts in Höhen- und Alleinlage auf die perfekte Mischung: stabiles WLAN, lässiges Interior – und natürlich: die Alpenkulisse ! Das Neuhaus in Mayrhofen/Zillertal ist so ein Man-kommt-runter-und-fährt-gleichzeitig-den-Laptop-rauf-Spot. Die Vitra-Loungesessel vor den Panoramafenstern machen Lust auf Überstunden. IHG Hotels & Resorts In der Halong Bucht in Vietnam kann man jetzt luxuriös nächtigen – im Halong Bay Resort Einladung zum Blindflug Alles ganz schön „meaningful“, wie es heißt. Reisen soll Sinn stiften? Klar – aber manchmal darf’s auch einfach Wohoooo! sein. Die einzig wahren Urlaubs-Flüsterer in dieser Hinsicht: die Töchter und Söhne – oder Kidsfluencer, um ein bisschen Trend-Tamtam zu trommeln. Der dieser Tage erscheinende Bildband „Family Escapes“ (teNeues) illustriert, wie weit entfernt von schreiend bunter Plastik-Ästhetik Familien-Resorts mittlerweile sind. Das Soneva Fushi auf den Malediven könnte optisch auch eine Adults only-Area sein – wäre da nicht die Wasserrutsche, die von der privaten Villa ins Meer führt. Auch Rekorde kommen bei den Minis traditionell gut an. Das Ciel Dubai Marina hätte den höchst gelegenen Infinity-Pool der Welt (auf über 300 Meter) in petto. Oder wie klingt das erste internationale Luxus-Resort („Intercontinental“) in der vietnamesischen Halong-Bucht? IHG Hotels & Resorts, Ciel Dubai Marina Vignette Collection 377 Meter hoch, 82 Etagen, auf Stockwerk 76 ein Infinity-Pool – das „Ciel Dubai Marina“ übt sich im Rekorde brechen Zu viele Entscheidungen? Reiseexperten sprechen vom Optionen-Overload und der Sehnsucht, hier auszuchecken. Ultra-All-Inclusive (vorbei die Zeiten von gepanschtem Cola und zerfledderten Buffets), von Hotelbrands durchorganisierte Multi-Stopp-Reisen (z. B. Aman Venice und Aman Rosa Alpina/Dolomiten) und Mystery-Reisen (also mit unbekanntem Ziel) nehmen einem das Ja/Nein/Vielleicht ab – wenn man sich denn traut.