Was ist der ausschlaggebende Faktor dafür, dass es seit der industriellen Revolution ein anhaltendes Wirtschaftswachstum von durchschnittlich rund zwei Prozent pro Jahr und einen damit unglaublich gestiegenen Wohlstand in den entwickelten Ländern gibt? Die Beantwortung dieser Frage brachte den drei Ökonomen Joel Mokyr (USA), Philippe Aghion (Frankreich) und Peter Howitt (USA) den Wirtschaftsnobelpreis 2025. Als wichtigsten Faktor sehen sie stetige Innovation durch „kreative Zerstörung“. Neue Produkte und Produktionsmethoden ersetzen alte. Ein fortschreitender, sich immer wieder selbst befruchtender, kreativer Prozess, in dem Neues entsteht und sich bewährt, aber gleichzeitig auch ein destruktiver Prozess, indem Altes und Überholtes verdrängt wird. Wirtschaftswachstum und Wohlstandszuwachs beruhen demnach auf ständiger technologischer und die Produktivität steigender Erneuerung. Das erfordert Technologieoffenheit, Bildung, Forschungsförderung und freies Unternehmertum, Privatisierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Belohnung von Risikoübernahme und (sozialverträgliches) Zulassen der „Destruktion“. kurier / Martin Stachl Günther Ofner. Staaten, die durch Überregulierung, planwirtschaftliche Lenkungsansätze, zu großem Staatsanteil, Überbürokratisierung, Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit oder Abschottung vom Wettbewerb den Innovationsprozess hemmen, bezahlen mit Wohlstandsverlust und Wachstumsschwäche. Der wirtschaftliche Niedergang der letzten 15 Jahre in der EU belegt eindrucksvoll, wie sehr der zuletzt dominierende, völlig verfehlte planwirtschaftlich-bürokratische Regulierungsansatz wohlstandsgefährdend ist. Die drei Nobelpreisträger berufen sich auf eine zentrale Erkenntnis, die von Joseph Schumpeter (1883-1950) bereits vor einem Jahrhundert entwickelt wurde. Schumpeter ist ein Hauptvertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, war 1919 Finanzminister in der Regierung Renner und lehrte ab 1938 in Harvard. Er betonte die herausragende Bedeutung des Unternehmers für Innovation und Wachstum, der, kreativ nach seinem Nutzen und neuen Chancen strebend, den größten Beitrag zum Allgemeinwohl leistet. Der Nobelpreis für „drei Austrians“ unterstreicht die enorme Aktualität der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, anerkannt auch durch den Nobelpreis 1974 für Friedrich August von Hayek, der Reagan und Thatcher maßgeblich beeinflusst hat und auch die theoretischen Grundlagen der heutigen Bitcoins entwickelte. Wissenschaftlicher Schatz Weltweit rund dreißig wirtschaftswissenschaftliche Institute berufen sich ausdrücklich auf die „Austrians“. Jedes Land wäre stolz auf diese Auszeichnung für seinen wissenschaftlichen Schatz, der das Weltwirtschaftssystem nachhaltig geprägt hat. Aber das gilt leider nicht für Österreich. Hierzulande wurde davon kaum Notiz genommen. Mit Ausnahme von historischen Studien in Klagenfurt gibt es weder einen Lehrstuhl, auch nicht an der WU Wien, noch Interesse daran. Während andere, vor allem in den USA, Japan, England, Lateinamerika, von diesen Ideen profitieren, wachsen und Wohlstand vermehren, werden hierzulande und auch in der EU die bahnbrechenden Erkenntnisse der „Austrians“ weitgehend ignoriert oder politisch-ideologisch heftig bekämpft. Der rasante wirtschaftliche Abstieg EU-Europas in den letzten 15 Jahren darf angesichts dessen niemand wundern. Zum Autor: Günther Ofner ist Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG.