In Syrien sind in den vergangenen Tagen Kämpfe zwischen kurdischen Milizen und Regierungstruppen aufgeflammt. Die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) warfen der Übergangsregierung einen "hinterhältigen Angriff" vor, nachdem es südöstlich der syrischen Millionenstadt Aleppo zu Angriffen gekommen war. Die syrische Armee ihrerseits erklärte, ihre Truppen in Dibsi Afnan seien angegriffen worden. Die USA forderten die syrische Armee daraufhin am Samstag auf, ihren Vormarsch in den von Kurden kontrollierten Gebieten im Norden des Landes zu stoppen. Syrische Truppen sollten "jegliche Offensivhandlungen in den Gebieten" zwischen der Stadt Aleppo und der rund 160 Kilometer weiter östlich gelegenen Stadt Tabqa einstellen, hieß es. Syrische Truppen hatten sich bei mehreren Dörfern westlich des Euphrat versammelt und die von der Kurden geführte SDF-Miliz zum Rückzug auf das andere Ufer des Flusses aufgefordert. EPA/AHMAD FALLAHA SDF-Kämpfer zogen sich daraufhin Samstag früh als Zeichen des guten Willens aus dem Gebiet zurück. Sie warfen den syrischen Truppen jedoch vor, die Vereinbarung gebrochen zu haben und weiter in Städte und Ölfelder vorgedrungen zu sein, die nicht Teil der Abmachung gewesen seien. Hintergrund der Spannungen sind die stockenden Verhandlungen über Forderungen von Präsident Ahmed al-Sharaa, die militärischen und zivilen Strukturen der Kurden in die Staatsinstitutionen zu integrieren. Die SDF sind ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Allerdings müssen die USA dies mit ihrer neuen Unterstützung für Präsident Sharaa in Einklang bringen, dessen islamistische Rebellen Ende 2024 den langjährigen Machthaber Bashar al-Assad gestürzt haben. Al-Sharaa erkennt Kurden als "integralen Teil" Syriens an Nach anhaltenden Spannungen zwischen Kurden und der Übergangsregierung hatte Interimspräsident Ahmed al-Sharaa am Freitagabend ein Dekret unterzeichnet, das die syrischen Kurden als integralen Teil des syrischen Volkes anerkennt. Das Gesetz garantiert deren kulturelle und sprachliche Identität, erlaubt den Unterricht der kurdischen Sprache in Schulen und hebt diskriminierende Maßnahmen aus der Vergangenheit auf. Zudem wurde das Neujahrsfest Nowruz zum offiziellen Feiertag erklärt. Die Kurden sind die größte Minderheit in Syrien. Unter der jahrzehntelangen, Ende 2024 gestürzten Assad-Herrschaft waren sie weitläufigen Diskriminierungen ausgesetzt. Während des Bürgerkrieges haben sie sich im Nordosten des Landes eine Selbstverwaltung aufgebaut. Eigentlich sollten die zivilen und militärischen Institutionen nach einem im März geschlossenen Abkommen in die staatliche Ordnung eingegliedert werden. Dies ist aber bis heute nicht umgesetzt worden. Beobachter befürchten, die anhaltenden Spannungen zwischen den kurdischen Kräften und der Regierung könnten zu einem größeren Konflikt führen. US-Gesandter traf kurdische Vertreter SDF-Chef Mazloum Abdii wurde unterdessen am Nachmittag gemeinsam mit dem US-Gesandten Tom Barrack vom irakischen Kurdenführer Masoud Barzani in Erbil im Irak empfangen. Bei den Gesprächen stand einer Erklärung von Barzanis Büro zufolge die Lage in Syrien im Fokus. Barrack soll am Abend auch den Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, Nechirvan Barzani, treffen. Syrischer Präsident besucht am Dienstag Deutschland Am Dienstag trifft al-Sharaa als erster syrischer Präsident seit 25 Jahren zu einem offiziellen Besuch in Deutschland ein. Er wird von Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenminister Johann Wadephul empfangen. Erklärtes Ziel der Bundesregierung sind "eine Vertiefung und ein Neustart" der Beziehungen, eines der Themen soll die Rückkehr syrischer Flüchtlinge sein.