Star Wars Episoden I–III: Was alle am Set sprachlos machte

Star-Wars -Fans gelten gemeinhin als unerschütterlich. Sie stehen für jede Premiere geduldig Schlange, schließen Streaming-Abos ab, schlüpfen in Kostüme und pilgern in die Disney-Resorts dieser Welt, um Wüstenkulissen und unendliche Weiten aus Plastik und Projektionen zu bestaunen. Das heißt jedoch nicht, dass ihnen alles gefallen muss. Die drei Filme „ Die dunkle Bedrohung “ (Episode I, 1999), „ Angriff der Klonkrieger “ (Episode II, 2002) und „ Die Rache der Sith “ (Episode III, 2005), die die Vorgeschichte des Epos erzählen, genießen selbst unter eingefleischten Anhängerinnen und Anhängern keinen ungetrübten Ruf. Der verhasste Jar Jar Binks Zu kindlich sei das Ganze – allen voran die Figur des hyperaktiven Echsenwesens Jar Jar Binks . Und doch waren Episode I bis III höchst erfolgreich: „Die Menschen, die I, II und III am meisten liebten, waren 10- und 12-Jährige. Sie liebten Jar Jar. Die Kritiker reagierten ganz anders. Sie liebten Star Wars, als sie zehn Jahre alt waren. Sie wollten das Gleiche für die neuen Filme empfinden. Zwanzig Jahre später verstanden sie nicht, dass es ein Film für 12-Jährige war“, sagt der Regisseur George Lucas in einem Interview im zweiten Teil des neu aufgelegten Prachtbandes „ Star Wars Archives “. imago images/Mary Evans/Rights Managed via www.imago-images.de Jar Jar Binks, das Echsenwesen, galt vielen als nervig Der Filmhistoriker Paul Duncan hat für den Taschen Verlag die Prequel-Trilogie des Kinoerfolgs ausgeleuchtet. Das 600 Seiten zählende Buch bietet neben langen Gesprächen auch gezeichnete Storyboards, technische Details, Anekdoten sowie persönliche Einblicke und Ansichten. Zur Debatte um Jar Jar Binks sagt Lucas: „Die Medien entschieden, dass Jar Jar Binks schwarz und ein rassistisches Klischee sei, was bedeutete, dass sie ihn nicht mögen konnten.“ Ob man das langohrige Wesen nun mag oder nicht: Es gilt als eine der ersten komplett computergenerierten Filmfiguren und damit als bedeutende Errungenschaft der Filmgeschichte. Mehr als ein Jahr habe es gedauert, diese Figur zu entwickeln, hunderte Entwürfe seien entstanden, erzählt die Zeichnerin Terryl Whitlatch. Die Technik war für Star Wars entscheidend Bei den ersten Star-Wars-Filmen ab den 1970ern war der Regisseur mit technischen Schwierigkeiten konfrontiert: „Während der gesamten Produktion der Star-Wars-Filme kämpfte ich mit Fragen wie: Wie schaffe ich Jabba the Hutt? Wie schaffe ich einen Yoda, der nur einen halben Meter groß ist, und lasse ihn glaubwürdig eine Szene spielen? Ich konnte mir diese Figuren vorstellen, aber ich konnte sie nicht umsetzen“, schreibt Lucas im Vorwort des Buches. „Es erforderte viel Aufwand und Talent seitens vieler Menschen, um die Puppen, Latex und Fernsteuerungssysteme zu manipulieren, die es uns ermöglichten, diese Kreaturen zu erschaffen. Selbst damals war ich nicht in der Lage, sie in nennenswertem Maße zu bewegen. Mit der heute verfügbaren digitalen Technologie bin ich endlich an einem Punkt angelangt, an dem ich solche Figuren frei auf einem Set bewegen und ihnen bessere, dramatischere Darbietungen entlocken kann.“ Daher habe er beim Schreiben der ursprünglichen Star-Wars-Filme seiner Fantasie Grenzen gesetzt, weil er nur das schreiben wollte, von dem er wusste, dass er es im Film umsetzen konnte. „Und selbst dann schrieb ich Dinge, von denen ich nicht ganz sicher war, ob ich sie auf der Leinwand umsetzen konnte.“ Zu den Szenen, die sich mit der Technik der 1970er- und 80er-Jahre nur schwer umsetzen ließen, zählen die Podrennen: große Wettfahrten auf Wüstenplaneten mit selbst gebauten Rennfluggeräten. Das Wagenrennen von Ben Hur diente als Inspiration – und die Vorlieben des Regisseurs: „Als ich mit 16 Jahren noch Rennen fuhr, war der Maserati Birdcage mein Lieblingsauto. Ich liebte das Design dieses Autos, und als wir wieder einmal versuchten, 25 verschiedene Designs für 25 verschiedene Pods zu entwerfen, beschloss ich, mein Lieblingsdesign in Anakins Pod zu integrieren.“ Taschen Verlag Eine Visualisierung vom Podrennen - hier aus dem Buch "The Star Wars Archives" Als junger Rennfahrer war Anakin Skywalker lieb, doch es zieht ihn zur dunklen Seite der Macht. Am Ende wird er zum ultimativen Bösewicht Darth Vader . Hayden Christensen, der Anakin verkörpert, erzählt, wie es sich hinter der Maske anfühlte: „Es ist so cool. Es gibt einem Kraft. Ein tierisches Gefühl steigt in einem auf – und man hat das Gefühl, gefangen zu sein.“ Bei Darth Vader wurde es still Der erste Auftritt im Kostüm muss gewaltig gewirkt haben: „Es war wahrscheinlich der beeindruckendste Moment, den ich je am Set erlebt habe“, berichtet der Produzent Rick McCallum. Rund 1.500 Menschen seien im Studio gewesen, weil sie von Darth Vaders erstem Erscheinen gehört hatten. „Hayden setzte die Maske auf. Es herrschte absolute Stille. Plötzlich konnte man hören, wie einige die Fassung verloren. Für viele, war Star Wars einer der ersten Filme, die sie je gesehen hatten – ein wichtiger Grund, warum sie in die Branche kamen.“ Alamy Stock Photo/Mauritius Images Szene aus Episode III: Anakin Skywalker (rechts) kämpft gegen seinen ehemaligen Lehrmeister Obi-Wan Kenobi . Eine nicht unwesentliche Rolle nimmt in den Episoden I bis III auch N atalie Portman als Padmé Amidala ein. Sie ist auch optisch eine Erscheinung. Sie trifft Anakin als kleinen Buben und wird ihn später heiraten. Im Buch verrät Iain McCaig, der das Aussehen des Bösewichts Darth Maul und der Königin entwarf, dass er bei der Auswahl der Aristokratin etwas nachgeholfen habe: „Ich fand Natalie Portman in Léon: Der Profi großartig. Dann sah ich ihr Vorsprech-Video: Darin ist sie deutlich älter und einfach eine wunderschöne junge Frau. Also dachte ich mir, dass ich sie im Konzept als Königin zeichnen würde, um sie zu unterstützen, und vielleicht würde George das bemerken.“ Alamy Stock Photo/Mauritius Images Natalie Portman war als Königin Padmé Amidala stets exzentrisch gekleidet. Und auch sonst erfährt man im Buch allerhand Kurioses: Die Szenen vom Vulkanplaneten Mustafar greifen auf echte Eruptionen des Ätna zurück, eigens vor Ort gefilmt. Und in einem frühen Kostümentwurf erinnert Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi verblüffend eher an Ralph Fiennes als an Ewan McGregor.