Es ist wahr, in Wien können Geister auferstehen. Zumindest Geisterstationen können das. Gelegentlich. Dieser Tage ist das wieder einmal der Fall. Denn ab morgen, Montag, wird die U2-Station zwischen Aspernstraße und Hausfeldstraße zum Leben erweckt. Unter dem Namen Lina-Loos-Platz werden dort, nach 13 Jahren Rohbau , erstmals U-Bahnen stehen bleiben. Fahrgäste wird es – wie berichtet – vorerst nicht sehr viele geben, denn das Stadtentwicklungsgebiet ist noch nicht sehr entwickelt. Irgendwann aber werden hier 8.000 Menschen leben. Die U-Bahn-Station geht für sie vorsorglich schon einmal in Betrieb. KURIER Ein Halt weniger anno 2003 Damit verliert Wien eine ihrer Geisterstationen, also einen nicht genutzten U-Bahn-Halt. Aber keine Sorge, einige andere dieser Geisterstationen bleiben dem Wiener Netz noch etwas länger erhalten: Die ebenfalls auf der lila Linie befindliche ehemalige Station Lerchenfelder Straße zum Beispiel. 2003 wurde diese Station im Zuge der Verlängerung der Bahnsteige in den U2-Stationen aufgelassen – zwischen Rathaus und Volkstheater wird seither durchgefahren. Christian Mayr Der künftige U5-Halt Frankhplatz wird bis 2030 eingemottet. Fehler der Vergangenheit Unweit davon befindet sich die (neue) U5-Station Frankhplatz . Sie hat erst vor Kurzem den Status als Geisterstation erlangt. Aus Sparmaßnahmen haben die Wiener Linien nämlich angekündigt, die nahezu fertige Station nicht wie geplant heuer zu eröffnen. Erst 2030, wenn die U5 in Betrieb gehen soll, wird auch der Frankhplatz zum Leben erweckt. Mit dieser späteren Inbetriebnahme machte man bei den Stationen Lina-Loos- und Frankhplatz die (teuren) Fehler der Vergangenheit nicht mehr. Als nämlich U-Bahn-Stationen ohne entsprechendes Passagier-Aufkommen fix fertig errichtet und auch betrieben wurden – geschehen etwa beim 2006 eröffneten U1-Halt Aderklaaer Straße in Floridsdorf. Weil das Umfeld noch nicht entwickelt und eine 20 Hektar große „Gstättn“ war, gab es kaum Fahrgäste, aber hohe Betriebskosten – weshalb die Wiener Linien überlegten, diese „echte“ Geisterstation wieder zu schließen. Aus Imagegründen entschloss man sich dann doch dagegen; nunmehr ist dort ein Teil des „Citygate“-Projekts realisiert. Geisterzüge im Tunnel Weit weniger bekannt – und doch viel mehr genutzt – werden die Geistertunnels. Gleich mehrere davon gibt es im Wiener U-Bahn-Netz (siehe Grafik). Diese Verbindungstunnel , wie sie eigentlich heißen, nutzen die Wiener Linien nur für den eigenen Betrieb – für Lastentransporte oder um Züge im Netz zu verteilen. Einer dieser Tunnel verläuft etwa von der U3-Erdberg – unter dem Donaukanal durch – bis zur Station U2-Stadion. Die Garnituren der U2 kommen täglich vom Dritten, weil es auf der lila Linie keine Garagen gibt. Immerhin: Mehr als vier Kilometer sind die fünf Verbindungstunnel insgesamt lang. Highline in Heiligenstadt? Und dann existiert auch noch eine Geister-Trasse – nämlich das alte Stadtbahnviadukt zwischen Spittelau und Heiligenstadt, wo bis 1996 die U6 unterwegs war. Ideen, diese Verbindung zu reaktivieren, gab es seither viele – doch allesamt scheiterten zunächst an der Finanzierung. Das gilt für die Pläne einer Highline in Heiligenstadt nach New Yorker Vorbild (Kostenpunkt: jenseits 100 Millionen Euro) ebenso wie für einen neuen U6-Ast nach Klosterneuburg. Letzterer wäre auch technisch gar nicht mehr möglich, denn seit 20 Jahren „sitzt“ das Büroprojekt „Skyline Spittelau“ mitten auf den alten Stadtbahnbögen und würde dort jeden Zug blockieren. Immer wieder Vandalismus Was bei solchen abgeriegelten, hochsensiblen Bereichen zu beachten ist, weiß keiner besser als Günter Steinbauer, der langjährige Chef der Wiener Linien: „Wichtig ist, den Vandalismus im Auge zu haben und so vorzugehen wie bei in Betrieb befindlichen Stationen.“ An gröbere Schäden bei der jetzt eröffneten U2-Station könne er sich nicht erinnern, höchstens an vereinzelte Schmierereien durch Sprayer. Beim Frankhplatz, wo komplett finalisiert und dann eingemottet wird, sei natürlich die Sperre der Wasserinstallation wichtig, damit bei Frost nichts passieren kann. „Die Elektrotechnik ist unproblematisch, das lässt sich dann in einem Testbetrieb rasch hochfahren“, sagt Steinbauer. APA/ANDREAS TRÖSCHER U6-Stadtbahnviadukt in Heiligenstadt. Neues Sicherheitssystem Bei den geheimen Verbindungstunnels hätten sich hingegen immer wieder Unbefugte Zutritt verschafft und für Probleme gesorgt: „Lange Zeit gab es dafür alte Schlüssel, die leicht kopierbar waren. Immer wieder sind dann Obdachlose, Kleinkriminelle oder Sprayer eingedrungen“, erzählt Steinbauer. Doch dann habe man alle Zutrittssysteme modernisiert: „100 Prozent verhindern lässt sich jetzt auch nicht alles, aber es bräuchte schon einen kriminellen Akt, die Sperre zu überwinden“, sagt er.