Paul Halwax organisiert ein letztes Mal den Philharmonikerball

Der gebürtige Burgenländer Paul Halwax (51) galt als Wunderkind. Seine Tuba-Karriere begann in der Musikkapelle Tadten und bereits mit 15 Jahren wurde er außerordentlicher Student an der Musikuni Wien. Und dabei wollte er eigentlich Trompete spielen, inspiriert von seinem Cousin, der Jazztrompeter ist. „Aber das Schicksal hat es anders gemeint, weil ich einen Kopf größer war als alle anderen. Und man hat einen Tubaspieler gebraucht in der Musikkapelle und so hat alles seinen Beginn genommen“, erzählt er in der KURIER TV-Sendung „Herrlich ehrlich – Menschen hautnah“. Die ganze Sendung: Zusammenhalt Seit 1997 spielt er bei den Wiener Philharmonikern, seit 2001 ist er dort Mitglied. Er schätzt vor allem den Zusammenhalt innerhalb des Orchesters sehr. „Wenn jemand Hilfe braucht, dann sind die Kollegen da.“ 1924 fand der erste Philharmonikerball statt: „Einerseits, um gesellschaftlich vernetzt zu sein, und andererseits, um den Reinerlös für die Witwen und Waisen zu spenden. Das ist eine Geschichte, die uns alle prägt. Das heißt, wir sind füreinander da, nicht nur für die Musiker, sondern auch für die Familien“, erzählt Halwax, der heuer bereits zum neunten Mal für die Organisation verantwortlich zeichnet. kurier/Wolfgang Wolak Lisa Trompisch im „Herrlich ehrlich“-Gespräch mit Paul Halwax. Am 22. Jänner ist es wieder soweit, dann wird der Musikverein zum schönsten Ballsaal der Welt. „Es ist auch der schönste Konzertsaal der Welt“, wirft Halwax lachend ein. Und der Andrang ist immer groß, innerhalb kürzester Zeit ist der Ball ausverkauft. Heuer wird übrigens ein britischer Dirigent den Taktstock schwingen – und zwar Daniel Harding (50). „Wir haben das Glück, das wir selbst die Dirigenten wählen. Und gerade beim Ball ist es so, dass er immer eine kleine Vorstufe für ein mögliches Neujahrskonzert oder Sommernachtskonzert ist, denn da muss sich der Dirigent auch beweisen, wenn er einen Wiener Walzer vor Publikum dirigiert. Und Daniel Harding ist wirklich einer, der eine ganz tolle Verbindung zum Orchester hat. Es gibt eine freundschaftliche Beziehung zwischen den Musikern und Daniel“, so der erste Tubist. 2019 hat Harding schon mal dirigiert, damals sprang er für Zubin Mehta (89), der aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, ein. Und das mit einem gebrochenen Knöchel! „Er ist mit den Krücken einmarschiert und hat dann Fledermaus dirigiert. Es war unglaublich, mit welchem Elan.“ Heuer wird er „Rosen aus dem Süden“ dirigieren. Harding ist übrigens auch Pilot. „Er hat gesagt, das hilft ihm auch, einen gewissen Abstand zur Musik zu bekommen. Das machen viele Dirigenten. Sie brauchen oft Abstand, um dann wieder mit aller Kraft und mit allen Sinnen wieder an die Musik herangehen zu können. Ich würde mich einmal freuen, wenn wir mit ihm nach New York fliegen können. Das wäre wirklich eine schöne Sache.“ Strenger Dresscode Beim Philharmonikerball herrscht auch ein strenger Dresscode: bodenlanges Abendkleid für die Damen und Frack oder Galauniform für die Herren. Die Gäste des Philharmonikerballs 2025 „Wir dürfen nicht vergessen, die Wiener Philharmoniker sind immer den Traditionen verbunden und wir haben große Traditionen. Und aus dieser Tradition heraus gehen wir in die Zukunft. Wir haben Verständnis für kleine Abweichungen im Dresscode, aber gerade bei den Damen ist es wichtig: Man sollte die Knöchel nicht sehen. Schlitze sind zu einem gewissen Maß erlaubt, da zählen wir auf das Verständnis der Damen, dem Anlass entsprechend sich würdig zu kleiden“, so Halwax, der selbst vier Fräcke besitzt. Die Gäste würden den Ball ausmachen. „Das ist ja das Geheimnis des Balles, nämlich der soziale Effekt, die sozialen Begebenheiten“, sagt Halwax, für den das der letzte Ball als Organisator wird. „Da habe ich einen schönen Satz: Die Welt dreht sich ja eh weiter, gerade im Dreivierteltakt. Es gibt genügend Projekte. Ich muss ein bissl kürzertreten, ein bissl mehr auf mich aufpassen, mehr Sport machen, mehr Zeit mit der Familie, mit meiner Frau verbringen.“ Und er hätte schon die passende Nachfolge, beziehungsweise Nachfolgerin im Auge. „Da gibt es eine äußerst nette Kollegin, deren Namen ich nicht verraten darf, weil offiziell sind die Wahlen erst im Juni, aber die würde das gerne machen und ich bin da absolut davon überzeugt, dass das eine tolle Phase wird. Ich bin natürlich bereit, ihr zu helfen, aber ich weiß schon jetzt, sie würde das großartig machen.“ Im Wandel Wie sieht’s überhaupt mit dem Frauenanteil im Orchester aus? „Wir sind in einem Wandel und wir haben viele Frauen und die sind unglaublich tolle Musikerinnen. Und ich bewundere sie wirklich sehr. Wir haben einen großen Dienstaufwand und sie haben Familie, sie haben Kleinkinder, sie schaffen das alles – und wie man so schön sagt: Chapeau! Aber das ist wirklich eine unglaubliche Herausforderung und sie engagieren sich auch noch für den Verein. Sie leben die Wiener Philharmoniker mit 150, 200 Prozent Energie.“ Welche Musik Paul Halwax privat hört und noch viel mehr über die Philharmoniker und den Ball, sehen Sie im Video oben.