Neue Ärztezentren in Haid und Schwertberg

Der Ansturm war so groß, dass die bereitgestellten Stühle nach einer Stunde zu wenig waren. Am Montag haben die drei Ärztinnen Katharina Mitter, Anna Leitner und Katrin Ritzberger im Zentrum von Haid bei Ansfelden ihr Primärversorgungszentrum (PVZ) eröffnet. Es ist eine Übergangslösung, denn sie sind in der Salzburgerstraße 8a noch in Containern mit 400 Quadratmetern Fläche untergebracht. Doch der Zuspruch zeigt, wie notwendig die Einrichtung ist, zumal drei Hausärzte in Ansfelden in Pension gegangen sind. Die Öffnungszeiten sind Montag und Mittwoch von 8 bis 13 Uhr und von 15–19 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 7–14 Uhr und Freitag von 8-16 Uhr. Spitalsdefizite steigen Haid ist das 20. Primärversorgungszentrum in Oberösterreich, im April soll Schwertberg starten. 2027 sollen Gallneukirchen, Linz-Pichling und Grieskirchen folgen. Die für die Gesundheit zuständige Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander will ihre Anzahl bis 2030 auf 33 erhöhen. Der Ansfeldner Bürgermeister unterstreicht die Notwendigkeit des Ausbaus des niedergelassenen Bereichs. Denn nur so könnten die Spitäler entlastet werden. So seien die Beträge seiner Gemeinde zur Abdeckung der Spitalsdefizite von 2020 auf 2025 um 60 Prozent gestiegen. Ärztekammerpräsident Peter Niedermoser betont, dass Primärversorgungszentren in Ballungsräumen eine wichtige Funktion hätten. Sie seien eine weitere Blume im Strauß der Gesundheitsversorgung. „Es braucht aber auch mehr Einzelpraxen, da würden wir uns mehr Unterstützung wünschen.“ „Ja, wir brauchen mehr Einzelpraxen“, stimme ihm Ursula Krepp, Vorsitzende des ÖGK-Landesstellenausschusses, zu. Oberösterreich ist im niedergelassenen Bereich benachteiligt. Die vertragsärztliche Versorgungsdichte (exkl. der Zahnmedizin und technischer Fächer) gemessen in sogenannten ÄAVE (Ärztliche Ambulante Versorgungseinheiten) je 100.000 EinwohnerInnen, entwickelte sich rückläufig, von 2017 bis 2023 sank sie österreichweit um 8,6 Prozent. Schlecht versorgt Die stärksten Rückgänge wurden dabei in Niederösterreich und Oberösterreich mit rund minus 12 Prozent verzeichnet. Dies ist für Oberösterreich besonders dramatisch, da es ohnehin historisch das schlechtversorgteste Bundesland im niedergelassenen Bereich war. So gab es laut Monitoringbericht Zielsteuerung Gesundheit 2024 die österreichweit geringste Vertragsarztdichte mit nur 66,8 ÄAVE auf 100.000 Einwohner, während im Burgenland 86,1 ÄAVE auf 100.000 EinwohnerInnen kamen. Eine Folge dessen ist, dass OÖ gleichzeitig die höchste Krankenhaushäufigkeit aufweist. Mit 50 zusätzlichen Kassenarztstellen bis 2030, die auf Druck des Landes in den Gesundheitsplan 2030 aufgenommen wurden, sowie der Fortsetzung der PVZ-Offensive wird die Trendwende im niedergelassenen Bereich eingeleitet. Um auf den Österreich-Schnitt zu kommen, würde OÖ Schätzungen zufolge insgesamt rund 100 bis 130 zusätzliche Vertragsärztestellen benötigen. Die 50 im Gesundheitsplan zugesicherten können also nur ein Anfang sein.