Donald Trump sieht die Welt als Spielzeug

Ein Jahr des Schocks, des Staunens und der Fassungslosigkeit liegt hinter uns. Aber drei Jahre Donald Trump kommen noch auf uns zu – und absolut nichts deutet darauf hin, dass der US-Präsident seinen Crash-Kurs gegen die Welt, bei dem er rücksichtlos die Interessen der Vereinigten Staaten durchboxt, demnächst einbremsen könnte. Höchste Zeit also, endlich den salbungsvollen Beschwörungen der EU zur Einigkeit und den Versprechen, sich „auf die eigenen Beine zu stellen“, Taten folgen zu lassen. Und damit ist nicht gemeint, ein paar europäische NATO-Soldaten schnell nach Grönland zu schicken, um Trump zu beweisen, dass auch Europa die Sicherheit der Insel am Herzen liegt. Donald Trump meint es ernst. Er will sich Grönland holen, Völkerrecht und internationale Regeln sind ihm egal. Er krallt sich, wie er schon in Venezuela bewiesen hat, was er will und wie er es will. Jetzt also holt der trumpelnde Herr des Weißen Hauses wieder die Zollkeule aus dem Gepäck, droht acht europäischen Staaten erneut mit Strafzöllen und schockiert den Kontinent genauso wie mit seiner Andeutung, er könne sich die größte Insel der Welt auch militärisch holen. Was Europa jetzt tun sollte Wer schwach ist, den überfährt dieses neue „America-First“-System gnadenlos. Im besten Fall lassen sich schmerzhafte Kompromisse erzielen – siehe den 15-Prozent-Zolldeal der EU mit den USA – aber alle Vorteile liegen stets auf der Seite Washingtons. Wer einmal erpressbar war, wird es bleiben – es sei denn, Europa wagt endlich die Gegenwehr – indem es seine eigenen Stärken massiv ausbaut und sich so besser gegen Trumps Schläge unter die Gürtellinie schützt. So da wären: Sich bei Exporten und Lieferketten unabhängiger machen, indem neue Handelsverträge abgeschlossen werden – ohne dabei wie im Fall des Mercosur-Deals ein Vierteljahrhundert zu brauchen. Oder: Ebenfalls Strafzölle gegen die USA zu erheben – denn die vage Hoffnung, man könne Trump besänftigen, indem man brav und still alles erduldet, was da aus dem Weißen Haus kommt, ist ohnehin seit der jüngsten Zolldrohung Geschichte. Oder: Höhere Steuern auf die amerikanischen Digitalriesen, die in Europa Zigmilliarden an Gewinnen einfahren. Und wie steht es überhaupt mit der Vollendung des europäischen Binnenmarktes – Stichwort Kapitalmarktunion? Sie würde die EU im Inneren so sehr stärken, dass Trumps Stiche von außen ökonomisch sehr viel weniger schmerzen würden. Der bald 80-jährige Ex-Immobilientycoon sieht die Welt als sein Spielzeug. Für Europa ist es höchst Zeit, ihn in die Realität zu holen. Ihn abzuschrecken, mit eigener Stärke, mit Strategie, Kreativität und ihn abzubringen von der Idee, dass es für ihn irgendein Vorteil wäre, seine Verbündeten in der EU und der NATO aus dem Spielfeld zu kicken.