Es ist ein erhabener Moment, als Ser Dunk auf einem Hügel stehend in die Ferne blickt, voller Tatendrang Zukunftspläne schmiedet und im Hintergrund die Titelmelodie von „Game of Thrones“ erklingt – zumindest so lange, bis der Protagonist hinter dem nächsten Baum verschwindet und mit seiner Verdauung kämpft. Schon der Einstieg in „A Knight of the Seven Kingdoms“ (ab Montag bei HBO Max zu sehen) macht deutlich, dass sich diese Serie nicht allzu ernst nimmt. Es ist nach „House of the Dragon“ das zweite Spin-off der Fantasy-Saga „Game of Thrones“ – und unterscheidet sich wesentlich von den beiden Schwesterproduktionen. Die Handlung ist rund 90 Jahre vor den Ereignissen aus George R. R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“ angesiedelt. Da macht sich Ser Dunk ( Peter Claffey ), ein gutgläubiger Tollpatsch, auf, um an einem wichtigen Ritterturnier teilzunehmen. Blöd nur, dass man dafür eben Ritter sein muss und in der Hinsicht Zweifel gegenüber dem großgewachsenen, in Lumpen gekleideten Mann laut werden. Da kommt ihm der junge Egg ( Dexter Sol Ansell ) zu Hilfe: ein schmächtiger, aber gewiefter Bub ohne Haare am Kopf, der unbedingt Dunks Knappe sein will. Um ihn zu unterstützen, setzt er gleich mal eine wirkungsvolle Namensänderung durch: Aus Ser Dunk wird Ser Duncan der Große. Bis das erste Mal ein blonder Zögling aus dem Haus Targaryen im Bild auftaucht oder der Name Baratheon fällt, dauert es ein wenig und auch sonst bildet die Welt von Westeros nur den groben Rahmen für die Abenteuer des charmanten Protagonistenduos. „A Knight of the Seven Kingdoms“, beruhend auf einer Novelle Martins, ist kein kompliziertes Intrigenspiel á la „Game of Thrones“. Was nicht bedeutet, dass hier nicht auch betrogen wird. Trotz Augenzwinkern und Klamauk gehen Knochen zu Bruch und baumeln Augäpfel aus blutenden Gesichtern. Eine Mischung, die erstaunlich gut funktioniert. Was eingefleischten „GoT“-Fans an dieser kurzweiligen Rittergeschichte aber vielleicht doch fehlen könnte: Der einzige Drache ist hier aus Papier.