Es war ein kalter Jännertag, an dem 1469 der Grundstein für zwei neue Diözesen im heutigen Osten Österreichs gelegt wurde. Die eine, seit 1722 Erzdiözese, kennt man heute noch: Wien. Die andere ist im Lauf der Geschichte etwas in Vergessenheit geraten: Doch auch in Wiener Neustadt , damals der Steiermark zugehörig, residierte vor 557 Jahren ein eigener Bischof. Die kleine Diözese überlebte nicht. 1784 wurde sie der Erzdiözese Wien zugeschlagen. Ihre Spuren sind aber noch heute zu finden. Am 18. Jänner errichtete der damalige Papst Paul II. mit zwei Bullen zeitgleich beide Bistümer. Jenes Dokument, „Romanus Pontifex“, das die Gründung der Diözese Wiener Neustadt belegt, liegt heute übrigens im Diözesanarchiv St. Pölten. Initiator war Kaiser Friedrich III. selbst. Bisher waren die Pfarren in Wien von den Bischöfen und Offizialen des Bistums Passau beaufsichtigt worden. Wiener Neustadt gehörte zur Diözese Salzburg. Doch der Kaiser, der in Wiener Neustadt residierte, wollte die habsburgischen Kernländer nach dem Fall Konstantinopels geistlich stärken. Zudem sollte ihm auch ein eigener Bischof am Hof mehr Gewicht verleihen. Kathedrale Die Wiener Neustädter Liebfrauenpfarrkirche wurde zur Kathedrale erhoben. Die Diözese war klein und umfasste nur das Stadtgebiet. Die nö. Historikern Gertrud Buttlar-Gerhartl, die die Geschichte des Bistums aufgearbeitet hatte, mutmaßte, dass der Kaiser den Salzburger Erzbischof nicht noch mehr verärgern wollte. Mit der Gründung der neuen Diözese erhielten Friedrich III. und seine Nachfahren nämlich auch das Patronatsrecht über alle bestehenden Pfründe. Bis zur Ernennung eines Bischofs fungierte der Probst der weltlichen Chorherren, Michael Altkind, als Administrator. Nach dessen Tod wurde der Dechant des Chorherrenstifts, Peter Engelbrecht, 1477 zum ersten Bischof Wiener Neustadts gewählt. Er starb am 17. Februar 1491 und wurde vor dem Hochaltar beigesetzt. Noch zu Lebzeiten begann die „standesgemäße“ Ausschmückung des Doms, aus dieser Zeit stammen auch jene lebensgroßen Holzstatuen der 12 Apostel, die dem Bildhauer Lorenz Luchsperger zugeschrieben werden. Nur 316 Jahre später war alles vorbei. Mit der Gründung der Diözese St. Pölten 1785 wechselte der letzte Wiener Neustädter Bischof, Heinrich Johann von Kerens, in das neue Bistum.