„Ja, dies ist eine echte Vertraulichkeitsvereinbarung. Aber: Sie ist nicht rechtsverbindlich“, heißt es in der neuen Werbekampagne der Österreich Werbung . Weiter steht, dass sich Österreich im Falle eines Verstoßes das Recht der „stillen Enttäuschung“ vorbehält. Wer die Vereinbarung aber unterschreibt, kann sich durch „winterliche Geheimtipps des Landes“ stöbern. Ein gewagter Ansatz – gerade in Zeiten von Datenschutz- und Online-Sicherheitsbedenken. Wie es dazu kam und wie die Kampagne ankommt, erklärt Sandra Stichauner , Marketingchefin der Österreich Werbung. KURIER: Eine Kampagne mit Vertraulichkeitsvereinbarung: Was hat es damit auf sich, Frau Stichauner? Sandra Stichauner: Wir arbeiten vor allem mit dem Hinblick darauf, wen wir mit unseren Kampagnen ansprechen wollen. Unsere Zielgruppe sind die „Individualistic Cosmopolitans“. Sie sind tendenziell höher gebildet und wollen nicht mit dem Strom mitschwimmen. Sie heben sich gerne ab. Entsprechend fühlt sich die Zielgruppe auch von smarter, exklusiver Werbung angesprochen, die man vielleicht decodieren muss. Etwas, das kurz zum Nachdenken anregt. Wie passt das zur Kampagne? Wir wollten nicht das klassische Tourismus-Marketing machen und den schönen Berg, den perfekt inszenierten See und immer blauen Himmel zeigen. Stattdessen wollten wir Wintergeheimnisse sehr exklusiv, aber einfach verpacken. Zur Kampagne gehören verpixelte Bilder und Videos von heimischen Landschaften oder von heimischen Gastronomen, die eine verpixelte Speise empfehlen. Diese Online-Inhalte führen auf eine Seite mit über 120 echten Geheimtipps von lokalen Personen aus der Tourismusbranche. Die Liste ist aber nur zugänglich, wenn man eine NDA ( Anm.: Vertraulichkeitsvereinbarung ) unterschreibt. ÖW/Karo Pernegger Verpixelte Bilder und Vertraulichkeitsvereinbarung: Die Österreich Werbung setzt auf eine „geheime“ Kampagne. Was es damit auf sich hat, erklärt Sandra Stichauner, CMO Österreich Werbung. Ist die Vereinbarung echt? Es ist keine richtige NDA. Es ist sehr humorvoll formuliert, sodass man gleich merkt, dass es nicht rechtlich bindend ist. Recht viele Hürden, um an Informationen zu kommen. Es ist weniger zugänglich und damit das Gegenteil von dem, was Marketing eigentlich möchte. Uns ist bewusst, dass aus Nutzer-Sicht alles schnell gehen muss und man keine Zeit hat, um sich mit etwas aufzuhalten. Deswegen ist dieses „Unterschreiben“ sehr leicht gestaltet. Man kann mit einem Punkt oder Smiley unterzeichnen, und es werden keine weiteren Angaben verlangt. Uns war trotzdem wichtig, dass man etwas tun muss, um an die Tipps zu kommen. Wie kommt die Kampagne an? Laut den ersten Zahlen gehen die Leute tatsächlich darauf ein. FOMO ( Anm.: Englisch „Fear of missing out“, übersetzt: Die Angst, etwas zu verpassen ) ist da wohl stärker. Die Langzeitwirkung wir sich in Kürze zeigen.