Krisenprofiteure: Warum Rüstungsaktien boomen

Ukraine, Israel/Palästina, Sudan. Nur drei von aktuell zahlreichen Konfliktherden auf der Welt. Mehr als 2,7 Billionen Dollar flossen Schätzungen zufolge 2024 in Waffen und Rüstung. Tendenz weiterhin stark steigend. Alleine die Nummer eins USA haben für heuer 900 Milliarden Dollar budgetiert. Geht es nach Präsident Trump, sollen es bis nächstes Jahr 1,5 Billionen Dollar werden. Die Profiteure dieses anhaltenden Wachstums sind Waffenerzeuger und die Rüstungsindustrie. Die Zahl der Neuaufträge geht steil nach oben und damit auch Umsätze, Investitionen und Gewinne. Von Letzteren profitieren auch Aktionäre. Das hat sich herumgesprochen. Mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs vor knapp vier Jahren haben institutionelle und private Investoren die Branche entdeckt und suchen gezielt nach lukrativen Einstiegsmöglichkeiten. Gefragt sind im deutschsprachigen Raum vor allem Rheinmetall (gepanzerte Fahrzeuge, Munition) sowie DroneShield. Dabei handelt es sich um ein US-australisches Unternehmen, das Hard- und Software für die Erkennung von Drohnen entwickelt und vertreibt. Die Aktie von Rheinmetall hat seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine um fast 2.000(!) Prozent zugelegt, jene von DroneShield notierte in Sydney lange Zeit als Pennystock (unter Wert 1 der jeweiligen Landeswährung). Inzwischen sind es zwar auch nur rund 4,40 australische Dollar. In Prozent ist das Wachstum mit knapp 2.350 Prozent in den vergangenen fünf Jahren aber sehr beachtlich. Auch der angeschlagene Flugzeugbauer Boeing profitierte von seiner Rüstungssparte (plus 28 Prozent im Vorjahr). Generell sind Rüstungsaktien aber im Verhältnis zu den Konzerngewinnen oft schon sehr teuer zum Kaufen. Kurier Grafik In den letzten drei Monaten des Vorjahres haben sich Anleger teils aus Waffenaktien zurückgezogen im vermeintlichen Glauben, der Krieg in der Ukraine neige sich dem Ende entgegen. Die Aussichten für weitere Kursgewinne stehen ob der aktuellen Weltlage jedoch gut. „Die Hoffnungen auf einen dauerhaften Waffenstillstand sind erneut geschwunden“, nennt Aneeka Gupta, Analystin beim US-Investmenthaus WisdomTree, als einen Grund. „Aktuelle Berichte haben auf festgefahrene oder gescheiterte Gespräche hingewiesen. Gleichzeitig zeigt Russland kaum Anzeichen für eine Beendigung seiner Offensive.“ Zweiter Grund sei Grönland. Trump erneuerte seine Drohungen in Bezug auf das zu Dänemark gehörende Gebiet. Dies kann laut Gupta als potenziell beispiellose Herausforderung für die NATO beschrieben werden und unterstreiche den zunehmenden Investitionsbedarf. Und zuletzt habe die US-Operation in Venezuela erneut zu einer starken Bewegung bei Verteidigungsaktien geführt. „Beobachter bezeichnen den Angriff auf Venezuela ausdrücklich als Signal für eine neue Ära der ’Hard Power’, in der regionale Interventionen und Machtproben der Großmächte die weltweite Nachfrage nach Verteidigungsgütern strukturell auf einem hohen Niveau halten“, sagt Gupta. Nachhaltigkeitsfonds Immer öfters finden sich Rüstungskonzerne auch in Investmentfonds, die sich nachhaltigen und sozialen Kriterien verschrieben haben (ESG). Hintergrund ist eine EU-Novelle, die seit Anfang 2025 die strengen Veranlagungskriterien gelockert hat. Der bisherige Ausschluss von Unternehmen, die mehr als 10 Prozent ihrer Umsätze aus Herstellung oder Vertrieb von Rüstungsgütern erzielen, wurde gestrichen. Ausgenommen sind nur Hersteller völkerrechtlich geächteter Waffen (wie etwa Streumunition). Die Folge: die eigentlich ethisch korrekten Fonds stecken vermehrt Gelder ihrer Anleger in Rüstungsaktien, was die Kurse zusätzlich nach oben treibt. Die heimische Finanzmarktaufsicht (FMA) hat diese Entwicklung aktuell für österreichische ESG-Fonds untersucht. Die Analyse zeigt, dass diese Fonds insgesamt ein sehr geringes Engagement in den Bereichen Waffen und Rüstung aufweisen würden. „Fonds mit dem Österreichischen Umweltzeichen dürfen allerdings grundsätzlich nicht in diesen Bereichen investieren“, hielt die Aufsicht in der Vorwoche fest.