„Der 30er muss kommen, das sage ich überall.“ Mit dieser Aussage liegt Erich Hohenberger , SPÖ-Bezirksvorsteher im Bezirk Landstraße, seiner Parteikollegin Ulli Sima seit Jahren in den Ohren. Bisher erfolglos, denn der von ihm, den Bürgerinnen und Bürgern, dem Bezirk und zuletzt wieder von den Grünen geforderte durchgehende 30er auf der Landstraßer Hauptstraße wurde noch immer nicht verordnet. Blick auf die italinischen Nachbarn Vielleicht blickt Hohenberger dieser Tage ein wenig neidisch auf die italienische Hauptstadt Rom. Dort setzt die Stadtverwaltung ab sofort auf Tempo 30 im historischen Zentrum. Mit Inkrafttreten einer entsprechenden Verfügung gilt seit dem 15. Jänner innerhalb der verkehrsbeschränkten Zone (ZTL) ein generelles Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde. Das betrifft nach Angaben der Deutschen Presseagentur auch zentrale Verkehrsachsen. Nach den Plänen der Stadtverwaltung in Rom sollen rund 1.000 weitere Straßen im Stadtgebiet schrittweise auf Tempo 30 umgestellt werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Und Rom tut gut daran, den Anteil an Straßen, auf denen eine 30er-Beschränkung gilt, zu erhöhen. Denn laut einer Studie der Organisation Clean Cities , die 36 europäische Großstädte unter die Lupe genommen hat, findet sich Rom mit gerade einmal 4,1 Prozent der Straßen, auf denen der 30er gilt, auf Platz 33. Getty Images/iStockphoto/rarrarorro/IStockphoto.com Rom führte den 30er flächendeckend in der Innenstadt ein. Wien auf Platz 10 Wien gibt selbst an, eine 30-km/h-Beschränkung auf 75 Prozent der Straßen zu haben. In dieser Vergleichsstudie, die für alle Städte die gleiche Betrachtungsweise heranzog, kommen die Ersteller allerdings nur auf einen Wert von 65,9 Prozent. Wien liegt damit auf dem 10. Platz. Ganz vorne: Paris mit 88,9 Prozent, Brüssel (86) und Lyon. In dieser Studie, die Anfang 2025 veröffentlicht wurde, liegt Bologna mit 45,9 Prozent der Straßen noch weit hinter Wien auf Platz 18. Allerdings hat diese italienische Stadt 2024 auf allen Straßen einen 30er verfügt. Mit Erfolg. Denn im Jahr 2025 wurde erstmals kein einziger Fußgänger im Straßenverkehr der Hauptstadt der norditalienischen Region Emilia-Romagna getötet. Ein Wert, von dem Rom weit entfernt ist, denn Roms Mobilitätsstadtrat Eugenio Patané sprach vor der neuen Verordnung von einer „Notlage bei der Verkehrssicherheit“. Die Zahl der Unfälle sei gestiegen, es brauche entschlossene Maßnahmen, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken. Auch in Wien ist der Straßenverkehr für Fußgänger mitunter noch tödlich. Zwar ist die Anzahl im Jahr 2025 auf 15 Tote (von 20 im Jahr davor) zurückgegangen. Zehn Opfer waren nach einer Analyse des VCÖ (Verein Mobilität mit Zukunft) als Fußgänger unterwegs, acht von ihnen waren Senioren. „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel“, sagt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer und fordert weitere Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit. Warten auf den 30er Dazu würde etwa der 30er auf der Landstraßer Hauptstraße zählen. Der Bezirk setzt jetzt alle Hoffnungen auf den Umbau der Straße. Dieser startet heuer im Frühjahr im Bereich zwischen Juchgasse und Schlachthausgasse, im Abschnitt zwischen Rennweg und Schlachthausgasse entsteht im Zuge der Verlängerung der Linie 18 ein Zwei-Richtungs-Radweg. Später sollen zwei Begegnungszonen entstehen. Eine zwischen Weyrgasse und Erdbergstraße, eine zwischen Barichgasse und Juchgasse. Bei der KURIER-Regionalumfrage haben sich 60 Prozent der Befragten für diese Begegnungszonen ausgesprochen. Und der Bezirk hofft, dass nach dem Umbau ein neuerlicher Anlauf um den 30er auf der ganzen Landstraßer Hauptstraße von Erfolg gekrönt sein wird.