FPÖ-Kandidat will Stadtchef werden: „Es wird am Bürger vorbeiregiert“

Martin Antauer ist derzeit in einer Doppelfunktion unterwegs. Der Freiheitliche muss sich als Landesrat um die Themen Sicherheit und Asyl kümmern, nach der Gemeinderatswahl würde er gern die Landeshauptstadt St. Pölten regieren. KURIER: Herr Antauer, Sie sind Landesrat, Gemeinderat und nun auch Spitzenkandidat der FPÖ für die Wahl. Und Sie sind der Einzige in der Opposition, der sagt, dass er Bürgermeister von St. Pölten werden will. Ist das nicht ein sehr utopisches Ziel? Martin Antauer: Dass ich der Einzige bin, überrascht mich nicht, denn das Selbstbewusstsein der anderen Parteien – wenn man an die Verlierer-Ampel der Bundesregierung denkt – dürfte im Keller sein. Zudem bin ich viel bei den Bürgern und höre immer wieder, dass die Regierung von Bürgermeister Matthias Stadler am Bürger vorbeiregiert. Wie geht sich diese Doppelfunktion als Landesrat und Spitzenkandidat eigentlich zeitlich aus? Mir ist St. Pölten extrem wichtig. Ich bin ein St. Pöltner, hier verwurzelt, und ja, es ist eine große Herausforderung. Ich stehe früh auf und gehe am Abend sehr spät schlafen. Ich habe derzeit wenig Freizeit und wenig Zeit für das Familienleben. Die FPÖ hat eine Petition gestartet, dass es am Domplatz wieder Parkplätze geben soll. Laut Stadt gibt es rund um die Innenstadt 13 Parkgaragen mit 1.300 Parkplätzen. Braucht man die paar Parkplätze am Domplatz wirklich wieder? Die Petition haben wir auf Bitten der Bürger gestartet. Der Domplatz war einmal ein belebter Oberflächenparkplatz und ist zu einer Betonwüste verkommen – im Sommer extrem heiß und meist leer. Der Domplatz war früher der Startplatz für Menschen, die einkaufen gehen wollten, aber auch der Ausgangspunkt für viele ältere sowie gehbehinderte Leute, die zu einem Arzt, Anwalt oder beispielsweise Notar wollten. Mir hat erst kürzlich eine Ärztin erzählt, dass ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, nicht mehr zu ihr in die Ordination kommen können. Diese Zustände gefährden die Innenstadt. Vergleichen Sie es mit einem Einkaufscenter: Dort sind Parkplätze das Allerwichtigste – und die sind in St. Pölten verloren gegangen. Ohne sie wird es aber auch in St. Pölten keine blühende Wirtschaft geben. Sie haben vor Kurzem ein Video gepostet, das in den sozialen Medien für Aufregung gesorgt hat. Man sieht den Hauptbahnhof, Jugendliche und einen afghanischen Supermarkt, dazu die Worte, dass die Kriminalität aus St. Pölten „rausgekärchert“ gehört. Ein SPÖ-Kandidat hat daraufhin gesagt, dass die FPÖ Hass in der Gesellschaft will. Stimmt das? Ich sehe kein Problem darin, dass man Kriminalität aus der Stadt rauskärchert. Ich finde das Wort „kärchern“ hier gar nicht übertrieben, denn es geht um Kriminalität. Ich erinnere daran, dass der ehemalige WKO-Präsident Harald Mahrer gesagt hat, man müsse die Bürokratie aus den Büros hinauskärchern. Der afghanische Supermarkt zeigt aus meiner Sicht aber eine Problematik am Bahnhof auf. Ein Freund von mir aus Deutschland, der dort ausgestiegen ist, hat gemeint, dass man überhaupt keine österreichischen Geschäfte mehr sehe. Deshalb wollten wir auch aufzeigen, wie sehr sich das Stadtbild verändert hat. Die Polizeispitze sagt aber, dass St. Pölten kein Sicherheitsproblem hat. Es gibt in St. Pölten Hotspots. Wir haben auch mit einigen Polizisten gesprochen, vor allem aber auch mit Frauen, die sich abends nicht mehr rund um den Bahnhofsplatz oder auch den Sturm-19-Park bewegen wollen. Der Sturm-19-Park ist auch ein Ort, der sich zu einem Hotspot entwickelt hat. Eltern sagen, dass sie ihre Kinder nur mehr ungern alleine in St. Pölten losschicken wollen. Die FPÖ bezeichnet sich immer wieder gerne als Autofahrerpartei. Heißt das für die FPÖ, die S34 so schnell wie möglich zu bauen? St. Pölten ist stark gewachsen. Was nicht gewachsen ist, ist die Infrastruktur. Wenn Sie von Norden nach Süden fahren, stehen Sie fast immer im Stau – untertags vielleicht etwas weniger, zu den Stoßzeiten ist der Stau aber gewaltig. Da braucht es eine Umfahrung. Die S34 wäre auch eine optimale Anbindung an den Bezirk Lilienfeld oder nach Wilhelmsburg hinein, Stau könnte vermieden werden.