Neues Jugendgefängnis Wien-Münnichplatz eröffnet

Yogamatten sucht man vergeblich. Nur eine einzige blassrosa Matte ist zu sehen, ansonsten dominiert die Farbe Schwarz. Schwarz in Form von Hanteln, Schwarz in Form von Kraftgeräten. Das entspricht auch viel eher dem Klischee derjenigen, die hier trainieren: 14- bis 18-jährige Jugendliche. Sie trainieren hier aber nicht alleine, sondern unter Aufsicht. Schließlich befinden sie sich nicht in irgendeinem normalen Fitnessstudio, sondern dem Fitnessraum des neuen Jugendgefängnisses Münnichplatz in Simmering. Alexandra Diry Hanteln und Kraftgeräte dominieren den Fitnessraum Historisches Anwesen Seit gestern, Montag, ist es offiziell geöffnet. Der Betrieb läuft allerdings schon etwas länger:  Bereits während das historische Gebäude –  das ursprünglich als  Jagdschloss der Habsburger, anschließend als Kaserne und Erziehungsanstalt diente – renoviert wurde, begann die Besiedelung mit Insassen. Dieses Vorgehen erntete im vergangenen Frühjahr Kritik von der Volksanwaltschaft. Alexandra Diry Mittlerweile aber sind die Bauarbeiten abgeschlossen und 35 der 72 Haftplätze belegt. Und es geht weiter: „Einmal in der Woche kommen sechs bis sieben Häftlinge aus der Justizanstalt Josefstadt zu uns“, sagt Anstaltsleiterin Seada Killinger. Die dortige Jugendabteilung soll aufgelöst werden. Notwendig sei das neue Gefängnis jedenfalls gewesen, wird betont. Mit 168 inhaftierten Jugendlichen in ganz Österreich gebe es derzeit einen „Höchststand“. Normalerweise liegt die Zahl bei rund 130 Jugendlichen. Alexandra Diry 35 Insassen sind derzeit in Simmering inhaftiert. Resozialisierung Noch mehr Jugendstrafanstalten brauche es vorerst aber nicht, sagt Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ). „Ich glaube, wir brauchen mehr Blick auf die Jugendlichen in der Freiheit. Es ist gesellschaftlich wichtig, dass wir hinschauen, wie Jugendliche aufwachsen.“ Befinden sich die Jugendlichen aber erst einmal in Haft, müsse man sich um deren Resozialisierung kümmern, wird betont. Genau deshalb sei im Rahmen einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe auch genau dieser Standort ausgewählt worden. Früher habe man versucht, die Jugendlichen möglichst von der Außenwelt abzuschotten, sagt Friedrich Alexander Koenig, Generaldirektor für den Strafvollzug im Justizministerium. „Dieser Gedanke ist aber überholt. “ Heutzutage versuche man die Jugendlichen möglichst in die Gesellschaft zu integrieren, nahe bei der Familie, und ihnen modulare Ausbildungen zu ermöglichen. „Auch, um zu sehen, ob sie den Problemen der Großstadt aus dem Weg gehen können.“ Alexandra Diry Sie können auch Lehren absolvieren. Schule und Lehre Auch der Tagesablauf der  Burschen spielt diese Haltung wieder. Der Fokus liegt auf Ausbildungs-, Therapie- und Beschäftigungskonzepte. Die  Inhaftierten können eine von sechs angebotenen Lehren absolvieren, darunter Tischler oder Spengler. Auch der Pflichtschulabschluss kann nachgeholt werden, eine Kreativwerkstatt soll bei der Berufswahl helfen. Vor allem vormittags sind die Jugendlichen mit der Gestaltung ihrer Zukunft beschäftigt. In der Freizeit können sie Besuch empfangen oder Sport treiben. Für all das gibt es einen zeitlichen Rahmen aber: „Wir sind eher großzügig“, sagt Anstaltsleiterin Killinger. Schließlich befinden sich die Jugendlichen im  gelockerten Vollzug. Abgeschlossen werden die Zellen nur von 17 bis 7 Uhr.