Für ihn geht es am 25. Jänner um viel. St. Pöltens Stadtchef Matthias Stadler will mit der SPÖ die absolute Mehrheit verteidigen. Das gesamte Interview sehen Sie in der Story. KURIER: Herr Stadler, Sie sind seit 1992 in der SPÖ und seit 2004 Bürgermeister von St. Pölten. Verspüren Sie noch so etwas wie Nervenkitzel im Wahlkampf? Matthias Stadler: Immer wieder, denn kein Wahlkampf ist gleich. Man kann – und das ist das Tolle an St. Pölten – neu gestalten. Wir sind zwar seit 40 Jahren Landeshauptstadt, aber es gibt noch immer viel zu tun, sonst hätten wir uns nicht 87 Punkte für die kommende Periode vorgenommen. FPÖ-Kandidat Martin Antauer sagt, der 87-Punkte-Plan klinge so, als wäre in der Stadt nicht viel passiert. Dem einen passiert zu viel, der möchte eher bremsen, dem anderen zu wenig. Unsere Bilanz liegt regelmäßig bei über 90 Prozent umgesetzter Projekte. Zählt man zusätzliche Maßnahmen dazu, die ursprünglich nicht im Programm standen, kommen wir sogar über 100 Prozent. Es stehen also wichtige Projekte an, allerdings liegen die Schulden bei 170 Millionen Euro. Können dann Vorhaben überhaupt umgesetzt werden, wenn die Finanzen schwächeln? Die Finanzen schwächeln, weil der Bund so schlecht gewirtschaftet hat. Die Ertragsanteile gehen zurück, und alle Gemeinden müssen den Gürtel enger schnallen. Wir haben damit bereits 2024 begonnen und einen Konsolidierungsprozess hinter uns. Ab 2027 fällt außerdem der Krankenhauskredit weg – das sind über 50 Millionen Euro. Damit sinkt unser Schuldenstand deutlich auf etwa 120 Millionen Euro. Wir investieren weiterhin stark in die Wirtschaft, vom Zutodesparen habe ich nie etwas gehalten. Ein großes Vorhaben ist der Südsee, Sie haben im letzten Wahlkampf erste Züge davon präsentiert. Man fragt sich: Braucht St. Pölten unbedingt einen neuen Badesee, nachdem wir schon zwei haben? Freizeit, Erholung und die Natur sind wichtig, vor allem dann, wenn eine Stadt wächst. Wir haben jetzt 60.000 Hauptwohnsitzer und 7.000 Zweitwohnsitzer. Diese Menschen brauchen Freiraum und nicht nur preiswerte Wohnungen. Der See soll aber nicht nur eine Erholungsfunktion haben, in diesem Bereich wollen wir auch die Traisen renaturieren. Wir hatten 2024 ein Hochwasser, und mit dem See haben wir die Möglichkeit, große Regenmengen aufzufangen. Sie haben ein Sparpaket schnüren müssen, da gab es auch Punkte, die für Kritik gesorgt haben – zum Beispiel das Ende des Livestreams aus dem Gemeinderat. Kommt der Livestream zurück, wenn Sie wieder Stadtchef werden? Wenn das Sparpaket beendet ist, kann man über alle Dinge, die wir jetzt eingespart haben, wieder reden. Mir ist es darum gegangen, dass wir nicht bei Kindern, bei der Jugend oder bei Subventionen für die Feuerwehren sparen müssen. Da habe ich lieber auf den Livestream und andere Dinge verzichtet. Es ist ein veritabler Streit mit der Landes-FPÖ ausgebrochen, es geht um die Zukunft des Stadtbusses. Die Stadt will von Diesel auf Elektro umstellen. Gibt es hier Lösungsmöglichkeiten in nächster Zeit? Für Streit gibt es gar keinen Grund, weil wir eine Übereinkunft zwischen Bund, Stadt und Land haben. Diese lautet, dass jeder ein Drittel der Kosten trägt. Nicht nur St. Pölten stellt um, auch Salzburg, Innsbruck und Baden tun das. Das Land hat selbst ein Pilotprojekt im Weinviertel gestartet. Daran sieht man, dass der Elektrobus kein Luxus ist. Sogar der Kollege aus Wels, der meines Wissens FPÖ-Mitglied ist, hat zwei Elektrobusse gekauft und schwärmt, wie ökologisch und emissionsarm diese sind. Ich hoffe, dass man im Landhaus zur Vernunft kommt, denn wenn man das Drittel nicht stemmt, riskiert man auch die Drittel-Finanzierung des Bundes. Wenn es um Mobilität geht, erwähnen Sie nicht die Traisental-Schnellstraße S34, die Sie auch fordern. Vermeiden Sie das ganz bewusst im Wahlkampf? Gar nicht. Ich möchte nicht erleben, dass wir – so wie Linz – jeden Tag in den Verkehrsnachrichten sind. Auch dort sieht man, welche Versäumnisse es gegeben hat. Wenn ich in die Umgebung schaue, dann hat jedes kleinere Dorf eine Umfahrung bekommen. Auch wir werden eine brauchen.