Eine neue Dirigentengeneration betritt die Konzertbühnen. Einer von ihnen ist der erst 23-jährige Matthias Achleitner aus Aichkirchen bei Lambach. Er hat bereits sein eigenes Orchester gegründet und studiert an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien Chor- und Orchesterdirigieren. Mit Blockflöte begann er als Fünfjähriger seine Musikerlaufbahn, nach einem Jahr folgte Klavier und mit acht Jahren die Trompetenausbildung, eine Notwendigkeit, wenn man zur Trachtenmusikkapelle Neukirchen, einem Nachbarort, gehören wollte. Hier ist die Familie musikalisch stark vertreten: durch seinen Vater (Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner) als Obmann und Schlagzeuger, durch Michael, seinen jüngeren Bruder, der ebenfalls Schlagzeuger und auch Mitglied der OÖ Philharmonie ist, und durch Matthias, der bei Bedarf mit Flügelhorn, Klavier oder am Dirigentenstab einspringt. Mutter Silke Achleitner verstärkte in jungen Jahren das Blasmusikorchester mit Saxofon und Klarinette. Förderer Prägend für seine Laufbahn als Komponist und Dirigent waren Thomas Doss, bei dem er als 14-Jähriger einen Kapellmeisterkurs absolviert hat, und Michael Wruss, der ihm als damaliger Leiter des Musikzweiges am Stifter-Gymnasium in Linz alle Dirigate im Schulsymphonieorchester ermöglicht hat. Ein Förderer ist Thomas Kerbl, Komponist, Dirigent und in den vergangenen Jahren auch Intendant am Stadttheater Bad Hall. Er ermöglichte dem jungen Dirigenten die Zusammenarbeit. Achleitner dirigiert seit 2022 „Die lustige Witwe“ und „Das Land des Lächelns“. Seit 2023 arbeitet er als musikalischer Leiter unter Intendant Kerbl, der die Inszenierung übernommen hat, an einem fünfjährigen Mozartzyklus. Februar 2021: Der dritte Lockdown geht zu Ende. Angeblich soll Musik im Sommer wieder möglich sein. „Matthias, mach was!“, so die Zurufe seiner Klassenkolleginnen und -kollegen. Nach vielen Treffen und Telefonaten ist es so weit. Im Sommer 2021 gründet Achleitner als 18-Jähriger gemeinsam mit 60 Musikerinnen und Musikern im Durchschnittsalter von 25 Jahren die OÖ Philharmonie. Das Orchester hat heute Zugriff auf einen Pool aus 200 Musizierenden. Zum fünften Mal begeisterte es heuer zu Silvester und Neujahr 2026 im Kaufmännischen Verein mit viel Walzer, Marsch und Polka die Besucher. Auch für 2026 gibt es schon konkrete Pläne. „Die Hochzeit des Figaro“ im Stadttheater Bad Hall (7., 8. und 14., 15. März) unter Intendanz und Regie von Kerbl und der musikalischen Leitung von Achleitner. Am 10. Mai ein Muttertagskonzert mit Salonorchesterbesetzung im Eferdinger Bräuhaus. Um Pfingsten „Macht des Schicksals“, Musik von Tschaikowsky, Verdi … Im Sommer Kurkonzerte in Bad Hall. KURIER: Was zeichnet einen guten Dirigenten aus? Matthias Achleitner: Eine konsequente, strukturierte, lineare Arbeit. Zunächst muss er allein das Stück erarbeiten, erst dann mit dem Orchester nach seinen eigenen Vorstellungen. Neben musikalischen Kenntnissen wie zum Beispiel Harmonie- und Formenlehre wird er sich damit auseinandersetzen, wie ein Stück aufgebaut ist, was sich der Komponist dabei gedacht hat. Wie war die Gesellschaft zur Zeit Beethovens, Mozarts, was hat ein Stück in dieser Art zu dieser Zeit bedeutet, warum ist es so geschrieben? Und dann kommt die Umsetzung mit dem Orchester? Man darf das Orchester nicht „zulabern“ mit seinem Wissen, denn Musikerinnen und Musiker sagen, „zeig’ doch einfach, worum es geht!“ Über Mimik und Gestik, einen bestimmten Blick, eine bestimmte Körpersprache werden verschiedene Informationen an das Orchester weitergegeben, das diese in Musik übersetzt. Man schaut, dass man aus 60 oder 80 Individuen, von denen jedes eine super Musikerin, ein super Musiker ist, ein organisches großes Ganzes entstehen lässt. Wo sehen Sie sich in zwanzig Jahren? Musik hat mich zeitlebens begeistert, da sehe ich auch meine Zukunft. Vielleicht werde ich einmal ein großes Symphonieorchester dirigieren.