Teures Bauen, günstig mieten: Wie man leistbaren Wohnraum schafft

Die Frage, wie ausreichend neuer Wohnraum geschaffen werden kann, beschäftigt seit zwei Jahren die Immobilienwirtschaft . Seit 2024 sind sowohl die Bewilligungs- als auch die Fertigstellungszahlen stark rückläufig. Während die gewerbliche Immobilienbranche in der Niedrigzinsphase sehr viel gebaut hat, agiert sie nun verhaltener. Etliche gewerbliche Entwickler sind in Konkurs gegangen, für die am Markt verbliebenen Bauträger fehlen passende Rahmenbedingungen, viele Projekte werden verschoben. Etwas anders verhält es sich mit dem geförderten Wohnbau . „Wir sind der stabilisierende Faktor am Wohnungsmarkt und im Wohnungsneubau“, sagt Michael Gehbauer , Obmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV). So errichten die GBV dank Förderungen aktuell etwas mehr neue Wohnungen als die gewerblichen Bauträger – auch wenn sie gerne weit mehr bauen würden. 2025 hat es bei den Fertigstellungen einen leichten Rückgang gegeben. „Prognosen gehen von rund 11.400 fertiggestellten Wohnungen aus, etwa 32 Prozent unter dem Zehn-Jahres-Schnitt“, beziffert Isabella Stickler , Obfrau der Alpenland gemeinnützigen Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft und Verbandsobmann-Stellvertreterin der GBV. Das Burgenland dürfte laut Stickler vergleichsweise geringere Einbußen verzeichnen, während sie in Niederösterreich und Salzburg besonders stark ausfallen. Für 2026 erwarten die GBV erstmals wieder einen leichten Aufwärtstrend. Warum nicht mehr gebaut wird? Nicht nur den gewerblichen, auch den gemeinnützigen Bauunternehmen machen die hohen Kosten für Grundstücke, für die Finanzierung und die hohen Baupreise zu schaffen. „Ohne Grundstücke gibt es keinen gemeinnützigen Wohnbau“, betont Isabella Stickler. Vor allem in Salzburg seien verfügbare Grundstücke ein Riesenthema. Wie es dennoch gelingt, die Mieten im Neubau im Rahmen zu halten? Die gemeinnützigen Bauträger sind an das Kostendeckungsprinzip gebunden. Doch was kann man tun, wenn die Kosten für die Errichtung zunehmend steigen? „Wir verhandeln die Baupreise sehr stark“, sagt Stickler. „Ein großer Hebel ist auch die Dichte am Grundstück,“ also wie dicht gebaut werden darf. Entgegen kommt den niederösterreichischen Bauträgern die neue Bauordnung, die ein drittes Vollgeschoß ermöglicht und weniger Stellplätze pro Neubau vorschreibt. Außerdem müsse nicht mehr bei jedem Neubau ein Spielplatz errichtet werden. Die Mieten für neu errichtete Wohnungen im gemeinnützigen Bereich liegen in Niederösterreich laut Stickler aktuell bei 12 bis 13 Euro brutto (inkl. Betriebskosten, Steuern) . Im Burgenland werden seit 2022 keine Wohnbaufördermittel mehr für Neubauten gemeinnütziger Bauträger vergeben. Die Oberwarter gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft (OSG) investiert daher stark in die Nachnutzung bestehender Gebäude. „ Bei der Gestaltung der Neubauten verfolgen wir einen klaren Ansatz: effiziente Flächennutzung und kostensparende Planung im ,Innenleben’, wie zum Beispiel durchdachte Grundrisse“, so Vorstand Alfred Kollar. Das Österreichische Siedlungswerk (ÖSW), hat erst diese Woche die Wohnungen ihres Projekts B.R.I.O. in Wien -Favoriten übergeben. Dass leistbares und zugleich hochwertiges Wohnen auch künftig eine große Herausforderung bleiben werden, weiß auch Generaldirektor Wolfgang Wahlmüller: „Wir haben alle Förderinstrumente genutzt und alle von de Stadt Wien förderbaren Zusatzausstattungen für nachhaltiges Bauen umgesetzt.“ Gelder für den geförderten Wohnbau Die Stadt Wien hat im Herbst 2025 die Erhöhung der Wohnbauförderbeiträge beschlossen, diese werden von einem auf 1,5 Prozent angehoben. „Es stehen dadurch mehr Mittel für den Wohnbau zur Verfügung“, begrüßt Michael Gehbauer. Er beziffert die Mittel mit rund 200 Mio. Euro mehr. Dieses Geld soll zudem wieder zweckgewidmet werden, allerdings nicht nur für den Wohnbau: Die Einnahmen sollen „zweckgebunden in den Bereichen Wohnen und Soziales eingesetzt werden – auch für Kindergärten und Schulen“, heißt es vonseiten der Stadt Wien. Die GBV wünschen sich in diesem Zusammenhang, dass die für den Wohnbau eingehobenen Beiträge auch zweckgewidmet für den Wohnbau einzusetzen sind, denn nur dann sei eine stabile Wohnraumerrichtung möglich. Ein Streitpunkt ist laut Gehbauer die Zweckbindung der Rückflüsse alter Darlehen.