Ist Baden im Musicalfach bereits das bessere Wien?

Sehr geehrtes Kulturamt! Ihr geschätztes Medium hat in dieser Woche im Rahmen eines Interviews mit dem Intendanten Andreas Gergen das Programm der Bühne Baden für die neue Saison publiziert. Ich mag Musicals, daher freut es mich, dass „Arielle“, „Tootsie“, „Addams Family“, also Highlights des gegenwärtigen Musicalschaffens, zu erleben sein werden. Das ist spannender als der gesamte Spielplan der Vereinigten Bühnen. Daher mein Antrag an Sie: Die Bühne Baden möge anstelle der VBW das Ronacher und das Raimundtheater bespielen. Dort hat man ja offenbar eh kein Geld mehr. Mit beltenden Grüßen, U. K. *** Sehr geehrter U. K., vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 06/2026). Obwohl wir Ihre Idee für äußerst charmant halten, sind wir gezwungen, sie mangels Zuständigkeit abzulehnen – die Vereinigten Bühnen müssen doch als mächtigste Kulturinstitution der Stadt Wien weiterhin walten können, wie es ihnen beliebt, dafür wurde ja diese Konstruktion innerhalb der Wien Holding eigens geschaffen. Sie sprechen jedoch einen Punkt an, der auch uns im Kulturamt immer wieder beschäftigt: In welchem Verhältnis stehen Steuergeld und künstlerische Hervorbringung zueinander? Wir vom Kulturamt wollen uns in qualitative Fragen bezüglich des Musicals nicht allzu sehr einmischen, haben aber registriert, dass gerade dieses Fach in anderen Ländern ohne jede Subvention auskommt. Wir erlauben uns daher die Mutmaßung zu artikulieren, dass wir nicht davon überzeugt sind, dass Kreativität zwingend nur mit hohen Geldsummen erkauft werden kann. Uns sind sogar verdienstvolle Künstler innerhalb des Musiktheater-Kosmos bekannt, die hartnäckig betonen, dass große Tanker wie die VBW künstlerisch zu Schwerfälligkeit neigen. Was auch für uns evident ist: Wie sehr die Bühne Baden im Musicalbereich sich zu etablieren im Begriffe ist, obwohl dort in Bezug auf die Einstellung des Orchesters keine leichten Zeiten bevorstehen; und dass die VBW angesichts einer Budgetkürzung von fünf Millionen Euro zu allererst bei der Oper sparen (die Kammeroper sperrt zu, das Musical scheint sakrosankt) und nun Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet haben. Zuletzt erhielten die VBW, also Oper und das übermächtige Musical, übrigens 56 Millionen von der Stadt Wien. Die Bühne Baden bekam vom Land NÖ um die fünf, also in etwa das, was die VBW einsparen müssen (plus wesentlich weniger von der Stadt). Manchmal ist also groß nicht zwingend besser.