Berlinale Preisverleihung 2026: Starker Abend für deutschen Film

Die Laudatio von Regisseur und Jury-Vorsitzendem Wim Wenders geht im Jubel unter. 22 Jahre nach Fatih Akins "Gegen die Wand" wird mit "Gelbe Briefe" wieder ein deutscher Film mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Regisseur Iİlker Çatak ist der große Gewinner des Abends. Mit ihm feiert Produzent Ingo Fliess und das gesamte aus der Türkei angereiste Filmteam, es fließen Freudentränen. Der in Berlin und Hamburg gedrehte Film erzählt die Geschichte eines gefeierten Künstlerehepaars, das ins Visier des Staates gerät und dadurch Arbeit und Wohnung verliert. Der Berliner Iİlker Çatak ist mit der Berlinale groß geworden, es habe ihn filmisch sozialisiert, berichtet er. Jetzt kann er selbst mit seiner Arbeit Akzente setzen. Über einen silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung kann sich Sandra Hüller freuen. In dem österreichisch-deutschen Drama „Rose“ von Markus Schleinzer spielt sie eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann ausgibt, um Freiheit und Selbstbestimmung zu erlangen. Wegen ihrer eindrücklichen Darstellung wurde Hüller bei Filmfans und Experten beim Rennen auf die Bären als Favoritin gehandelt. Sie selbst ist sichtlich überrascht, als ihr Name fällt. Mit gleich zwei Preisen geht das Drama "Queen at sea" nach Hause, das viele zu Tränen gerührt hat. Es behandelt Themen wie Demenz und Sexualität. Neben dem Preis der Jury teilen sich teilen sich Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay den silbernen Bären für die beste Nebenrolle. In dem Film müssen sie sich als alterndes Ehepaar vielen großen Herausforderungen stellen. Sie sorgen für Lacher als sie fragen, ob sie die Bärenstatue durchschneiden müssen. Jenseits der Preise dominieren politische Debatten den Abend. Insbesondere über die Lage in Gaza. Festival-Intendantin Tricia Tuttle betont gleich zu Beginn der Veranstaltung, dass das Festival viele verschiedene Perspektiven zulasse und Kritik gehört werde. Sie bittet darum, an diesem Abend die Filme zu feiern. Auch Wim Wenders versucht, Gemeinsamkeiten zwischen Aktivisten und Filmemachern hervorzuheben und damit dem Vorwurf, das Festival schweige zu Gaza, zu begegnen. Man spreche verschiedene Sprachen, verfolge aber ähnliche Absichten und sollte sich eher als Verbündete denn als Feinde verstehen. Dennoch nutzen mehrere Preisträger unter anderem aus dem Libanon, der Türkei und ein syrisch-palästinensischer Regisseur die Bühne für ihre Statements, die von entsprechenden Zwischenrufen begleitet werden. Am Ende ist es Regisseur und Preisträger Çatak, der die anhaltende Debatte auf den Punkt bringt. "Die wichtige politische Botschaft ist, dass wir uns mit Fragen auseinander setzen, die komplex sind und nicht in einer Botschaft verpackt werden können. Sondern man in einem Prozess des Dialogs Stück für Stück weiterkommt. Nicht mit Slogans, nicht mit Sprüchen auf Social Media, sondern im Diskurs."