Samtröcke mit Rüschen-Blusen oder Kleider mit viel Spitze. So kamen viele der vorwiegend weiblichen Besucher kürzlich in den ausverkauften Gasometer zum Konzert von The Last Dinner Party. Die fünf Musikerinnen wurden 2024 mit dem Debüt-Album „Prelude To Ecstasy“ und opulentem, dramatischem Rock-Sound bekannt, der an Queen genauso wie an Florence + The Machine erinnert. Schon Ende 2024 sollte das Quintett damit nach Wien kommen. Doch die Ladys mussten absagen. Der Stress des rasanten Aufstiegs hatte die Freundinnen, die sich beim Kunst- und Musikstudium kennengelernt hatten, ins Burn-out getrieben. „Das Leben auf Tour kannst du nicht lange aufrechterhalten“, erklärte Gitarristen Lizzie Mayland backstage dem KURIER. „2024 hatten wir nur ein paar Mal vier Tage frei. Ansonsten waren wir permanent unterwegs. Es ist natürlich aufregend, jeden Abend auf der Bühne zu stehen, aber es ist anstrengend für den Körper und die Psyche. Du bist von deiner Familie getrennt und kannst nicht gesund essen, weil du nicht selbst kochen kannst. Dazu häufig fliegen oder im Bus schlafen – das schlaucht.“ Song über Kreuzzüge Das Burn-out thematisiert Sängerin Abigail Morris im zweiten Album „From The Pyre“ auf dem von ihr geschriebenen Song „Inferno“. Mit christlichen Metaphern („Abbie ist in einem christlichen Internat aufgewachsen und diese Terminologie macht sich gut beim Texten“) singen The Last Dinner Party auf dem Album viel über die Liebe. Eine Ausnahme: Keyboarderin Aurora Nishevci wurde nicht christlich erzogen, den Song „Rifle“ schrieb sie trotzdem über die Kreuzzüge. „Ich dachte darüber nach, wie Leute, die an der Macht sind, Religion und Glauben oft als Ausrede nützen, um Gewalt anzuwenden.“ Dann sei – aus ihrer Sicht – „der Genozid in Palästina“ gekommen. „Der Refrain geht deshalb mehr in diese Richtung.“ Um Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen zu demonstrierten, sagten The Last Dinner Party 2025 im letzten Moment ihren Auftritt beim Portsmouth’s Victorious Festival ab. Am Vortag hatte eine andere Band die palästinensische Flagge auf die Bühne gebracht und „Free Palestine“ gerufen, woraufhin die Veranstalter deren Konzert abbrachen. „Wir können Zensur nicht mitunterzeichnen, deshalb boykottieren wir das Festival“, schrieben die Fünf auf Instagram. Opfer ohne Chance „Das bedeutet natürlich nicht, dass wir uns gegen jüdische Menschen und deren Kultur wenden“, sagt Nishevci. „Wir wollten uns damit gegen Regierungen stellen, die Zivilisten, die keine Möglichkeit haben, zu entfliehen, großes Leid antun. Es gibt Opfer, die keine Chance haben, und Leute, die vom Krieg profitieren. Dagegen stellen wir uns.“ Und weiter: „Wenn es jüdischen Menschen genauso gehen würde, würden wir uns hinter sie stellen. Meine Familie ist aus dem Kosovo, und in Jugoslawien war es dasselbe. Die Kultur wurde benutzt, um Leute gegeneinander aufzubringen: Du hast diese ethnische Zugehörigkeit und du diese – deshalb müsst ihr euch hassen! Aber das Problem ist nicht die ethnische Zugehörigkeit, das Problem sind die Gesellschaft, die Regeln und die Regierungen.“ The Last Dinner Party sind mittlerweile gewohnt, sich zu verteidigen. „Weil wir Frauen sind, standen wir anfangs permanent auf den Prüfstand“, erzählt Mayland. „In den patriarchalischen Strukturen dieser Industrie konnte man nicht glauben, dass wir alles selbst machen und an unseren Instrumenten so gut sind. Sie dachten, wir hätten unseren Plattenvertrag nur wegen Beziehungen bekommen. Wir haben Glück gehabt, dass ein Majorlabel unsere Musik aufgegriffen hat und Geld hineinsteckt, um sie zu vermarkten. Aber deshalb zu glauben, jemand anderer habe uns geformt, ist unfair. Männer stehen da nie so unter Beschuss.“