"Sein oder Nichtsein?“ Diese Frage stellt sich Claudius von Stolzmann derzeit im Theater in der Josefstadt sehr häufig. Aber zumindest wenn’s um die Bücher in seiner bis zur Decke wachsenden Bibliothek geht, wird sie doch klarer beantwortet als bei Shakespeare: „sein“ natürlich. Lesen ist für den Vollblutschauspieler, der nicht nur in der Josefstadt die meisten Hauptrollen stemmt, sondern auch für Regie-Kapazunder wie Spike Lee und Roland Emmerich vor der Kamera stand, ein Vergnügen, auf das er nicht verzichten will. „Während der Arbeit an einem Stück bleibt mir zwar relativ wenig Zeit, nach Büchern zu greifen, die im Probenprozess völlig fremd sind“, erklärt er, „aber wir erhalten auch viel Sekundärmaterial, das für sich schon sehr inspirierend ist.“ Sitzt die Rolle erst einmal, dann greift Claudius von Stolzmann wieder gerne zu in seinem nach Genres geordneten Bücherregal: Sachbücher, Romane, Lyrik. Ein Buch, zu dem er immer wieder greift? „Ich muss zugeben dass, wenn’s darum geht, stets ein Wohlgefühl in mir auszulösen, Tolkiens Der Hobbit zu meinen Favoriten zählt.“ Einen ganz besonderen Platz im Regal haben auch Ray Bradburys Stories. „Werke wie Fahrenheit 451 sind bekannter, aber ich schätze seine Kurzgeschichten mindestens so sehr. Eine Serie wie Black Mirror würde ohne Bradbury nicht existieren.“ Erwin Moser und Friedhelm Kendlers Mehrchenstunde begleiten von Stolzmann bereits viele Jahre. Auf ein Lieblingsgenre will sich der Schauspiel-Star nicht festlegen. Außer: „Theater und Filmdramatik lese ich schon ausgesprochen gerne. Auch gute Drehbücher, wie die von Michael Haneke oder Will Tracy, der Succession oder Bugonia geschrieben hat.“ Und natürlich: William Shakespeare. „Er hat unseren Sprachgebrauch bis heute geprägt!“ Passend zu seiner aktuellen, bejubelten Rolle zitiert Claudius von Stolzmann dann auch aus Hamlet: „Wenn es jetzt ist, wird es nicht kommen – wenn es nicht kommen wird, wird es jetzt sein. Wenn’s jetzt nicht ist, wird es doch kommen: Bereit sein ist alles. Das ist doch ein Satz, auf den man als Autor erstmal kommen muss!“