Medaillen, Stürze & Politik: Der Schein von Olympia

US-Skistar Lindsey Vonn, die nach ihrem Abfahrtssturz wimmernd im Schnee liegt; Norwegens Langlaufkönig Johannes Hösflot Kläbo mit sechs Goldmedaillen um den Hals; der inzwischen weltberühmte Wolfshund Nazgul, der mitten im Rennen über die Zielgerade der Loipe flitzt – es sind vor allem Szenen wie diese, die von den Olympischen Winterspielen Mailand-Cortina in Erinnerung bleiben werden. 2026 durfte endlich wieder der Sport in den Mittelpunkt rücken nach drei Winterspielen in Sotschi, Pyeongchang und Peking, bei denen die politische Inszenierung Programm war und der sportliche Wettstreit mitunter zur unwichtigsten Nebensache der Welt verkam. Und doch war das aktuelle Weltgeschehen auch in Mailand-Cortina omnipräsent. Mit dem Unterschied, dass es diesmal die Athleten und Fans waren, die diese große internationale Sportbühne für ihre unmissverständlichen Botschaften zu nutzen wussten. US-Sportler taten scharenweise ihren Unmut über die Zustände in ihrer Heimat kund – und wurden von Präsident Donald Trump teilweise öffentlich abgewatscht. Skeletonpilot Wladyslaw Heraskewytsch trug einen Helm mit Bildern von ukrainischen Sportlern, die im Verteidigungskrieg gegen Russland getötet wurden – und wurde von Olympia ausgeschlossen. Dänische Eishockey-Fans schwenkten im Match gegen die USA demonstrativ Grönland-Flaggen – und wurden vom Sicherheitspersonal angehalten, ihre Fahnen einzurollen. Während an anderen olympischen Wettkampfstätten russische Fahnen unbehelligt in die Höhe gereckt werden durften. Viel heuchlerischer geht’s nicht mehr. So ist es dann wohl auch kein Zufall, dass sich zuletzt in vielen Wintersportmetropolen die Menschen klar gegen die Durchführung von Olympischen Spielen ausgesprochen hatten: Oslo, Innsbruck/Tirol, Stockholm, München/Bayern, Sion – nirgends war die Bevölkerung mehr Feuer und Flamme für Olympia. Nun ließen dieser Tage in Cortina Sportminister Andreas Babler und ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer mit ihrer ambitionierten Idee aufhorchen: Beide könnten sich im Jahr 2046 Olympische Winterspiele in Österreich gut vorstellen. Ehe man nun freilich prächtige Luftschlösser entwirft und sich olympischen Fantastereien hingibt, wäre es vielleicht sinnvoller, endlich einmal ein stabiles Fundament für das Sportland Österreich zu errichten. Die einfachsten Dinge sind hierzulande bekanntlich die kompliziertesten. Oder wie viele Jahrzehnte wird nun schon darüber diskutiert, ob in Österreichs Schulen flächendeckend eine tägliche Bewegungseinheit eingeführt wird?