Ein ziemlicher Hallodri…

Nachdem über die Ereignisse rund um den Verkauf des Grand Hotels an der Wiener Ringstraße in den Medien berichtet wird, kommen interessante Details ans Licht. Das Haus gehörte einst Anton Schneider, der es 1866 von Architekt Carl Tietz als Privathaus errichten lässt. 1870 wandelt er es in ein Hotel um. Ausgestattet mit Luxus ohne Ende ist das Grand Hotel beliebt bei Fürsten und Königen. Und es heißt, Thronfolger Kronprinz Rudolf soll in den Zimmern fernab des Hofes eine Affäre ausgelebt haben. Ausschweifungen am Hofe hat Maria Theresia schon viel früher mit ansehen müssen. Hofdamen prostituieren sich, verheiratete adelige Frauen treten vor aller Augen als Geliebte von hochgestellten Persönlichkeiten auf und auch die Bürgerschaft stand der Nobilität in dieser Hinsicht um nicht viel nach. In dieser Situation besinnt sich Maria Theresia 1752 der "Keuschheitskommission", die 1560 Kaiser Ferdinand I. kurzfristig ins Leben gerufen hat. Sie möchte dadurch nicht zuletzt den Amouren ihres Mannes Einhalt gebieten. Nebenschauplatz geheimer, inoffizieller Aktivitäten Das Palais in der Wiener Innenstadt (Wallnerstraße 3), nutzt ihr Gemahl, Kaiser Franz Stephan von Lothringen, als persönliches Quartier und Empfangshaus für Besuche, die dem "Heiligen Römischen Reich" gelten. Doch in Wien weiß es jeder: Franz Stephan hat das vom Volksmund bezeichnete "Kaiserhaus" für seine pikanten Tête-à-Têtes erworben. Er ist ein ziemlicher Hallodri und seine zahlreichen Liebschaften sind schon längst "Tuschelthema". Doch der Kaiser muss sich keine Sorgen machen, dass die Sittenwächter ihn kontrollieren. Denen ist nämlich der Zutritt zu den vornehmen Häusern gar nicht gestattet.