Diese Vorsorgeuntersuchungen sind jetzt kostenlos

Ob überfüllte Ambulanzen, lange Wartezeiten oder die nicht enden wollende Diskussion um Gastpatienten und Zwei- bis Mehr-Klassenmedizin: Woran es im heimischen Gesundheitssystem krankt, das ist hinlänglich bekannt. Weit weniger häufig ist von jenen Möglichkeiten die Rede, die die öffentliche Hand im Gesundheitswesen bereitstellt, um Krankheiten vorzubeugen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. „Gesundheitsvorsorge ist kein Luxus und keine individuelle Zusatzleistung, sondern ein zentraler Bestandteil öffentlicher Daseinsvorsorge“, sagt SPÖ-Gesundheitsministerin Korinna Schumann auf KURIER-Nachfrage. Dass in Österreich eine Palette an kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen und Impfangeboten über alle Altersgrenzen hinweg verfügbar ist, das sei Ausdruck „eines solidarischen Gesundheitssystems, auf das wir stolz sein können“, so Schumann. Das Problem dabei: Die wenigsten machen vom kostenlosen Gesundheitscheck Hausarzt, der allen Menschen ab 18 Jahren ein Mal jährlich zur Verfügung steht, Gebrauch. Von den rund neun Millionen in Österreich lebenden Menschen gehen 1,4 Millionen zur Vorsorgeuntersuchung beim praktischen Arzt. Laut „Bericht des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger an das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz“ (letztverfügbare Daten 2024) gab es 2024 die meisten Gesundheitschecks in der Bundeshauptstadt Wien (369.992), gefolgt von Oberösterreich (227.582) und der Steiermark (173.481). Nach Geschlechtern lassen die Zahlen den Rückschluss zu, dass Frauen ein wenig gesundheitsbewusster sind als Männer. Von den 1,4 Millionen verzeichneten Vorsorgeuntersuchungen im Jahr 2024 entfallen 649.722 Untersuchungen auf Männer und 760.139 auf Frauen. Apropos Frauen: In dem Bericht an das Gesundheitsministerium werden 293.271 gynäkologische Untersuchungen angeführt. Kaum Vorsorge bei Jungen Am meisten genutzt wird die Möglichkeit des Gesundheitschecks gemäß absoluten Zahlen von Menschen, die über 75 Jahre alt sind (149.884) und jenen zwischen 55 und 59 Jahren (146.631) respektive den 60- bis 64-Jährigen (141.971). Die geringste Zahl an Vorsorgeuntersuchungen weist die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen auf – sie ist in Relation zu anderen Altersgruppen „unterrepräsentiert“. Die Gesundheitsministerin will sich „nicht damit zufriedengeben, dass Angebote existieren: Entscheidend ist, dass sie auch tatsächlich bei den Menschen ankommen.“ Anspruch der Dreierkoalition sei es, dass „Prävention stärker Teil des Alltags wird und es zu einer engeren Zusammenarbeit mit Schulen, Betreiben und Gemeinden kommt.“ 500 Millionen Euro pro Jahr werden deshalb in den kommenden Jahren in die Gesundheitsvorsorge fließen. Kostenlose Koloskopie Relativ neu im kostenlosen Präventionsangebot ist die Darmkrebsfrüherkennung für Frauen und Männer ab 45 Jahren, deren Kosten die Sozialversicherung zur Gänze übernimmt. Grund: Durch eine Darmspiegelung (Koloskopie) kann die Entstehung von Darmkrebs verhindert oder die Erkrankung selbst früh erkannt werden. Kostenlos ist auch die Vorsorgeuntersuchung, um der häufigste Krebsneuerkrankungen bei Frauen vorzubeugen: Brustkrebs. 2024 gab es 6.959 Fälle von bösartigen Tumoren der Brust bei Frauen. Mit der e-Card können sich Frauen ab 40 Jahren alle zwei Jahre kostenlos einer Mammografie unterziehen. Frauen im Alter zwischen 45 und 74 Jahren werden überdies postalisch an diese Möglichkeit erinnert. Beeilen müssen sich all jene Mittzwanziger, die sich kostenlos gegen das Humane Papillomavirus impfen lassen wollen. Es wird durch Geschlechtsverkehr übertragen und kann verschiedene Krebsarten verursachen. Wer bereits eine HPV-Impfung erhalten hat und zwischen 21 und 30 Jahre alt ist, der erhält die kostenlose zweite Impfung bis zum 30. Juni. Für Mädchen und Buben im Alter zwischen neun und 21 Jahre gilt das Angebot der zweifachen HPV-Impfung weiterhin zeitlich uneingeschränkt. Fast in Vergessenheit geraten ist die kostenlose Impfmöglichkeit gegen COVID 19. Nicht flächendeckend verfügbar ist derzeit die kostenlose Gürtelrose-Impfung für Menschen ab 60 Jahren, die es erst seit Jahresende 2025 österreichweit gibt. Bisher sind laut Gesundheitsministerium 400.000 Dosen der Impfung zur Verfügung gestellt worden – weitere 400.000 würden für Mai erwartet werden. An der Virusinfektion erkranken jährlich bis zu 40.000 Menschen in Österreich