„Abnehmspritze“: Wirkstoff senkt Alkoholkonsum

Forschende der Universität Göteborg berichten erstmals, dass Tirzepatid – der Wirkstoff des Diabetes- und Gewichtsreduktionsmedikaments Mounjaro – bei Ratten und Mäusen den Alkoholkonsum deutlich verringert und auch rückfallähnliches Trinkverhalten hemmt. Die Studie gilt als vielversprechender Ansatz in der Suche nach neuen Therapieoptionen bei Alkoholabhängigkeit. Bereits zuvor hatte das Forschungsteam gezeigt, dass Semaglutid , ein Bestandteil der Medikamente Ozempic und Wegovy , den Alkoholkonsum bei Ratten reduziert. In der aktuellen Arbeit steht nun Tirzepatid im Mittelpunkt. Bei den behandelten Tieren ging der freiwillige Alkoholkonsum um mehr als die Hälfte zurück. Zudem kam es nach alkoholfreien Phasen nicht zu einem Wiederanstieg des Konsums – vielmehr lag er unter den zuvor gemessenen Werten. Signifikanter Rückgang des Alkoholkonsums „Wir beobachteten deutliche und signifikante Reduktionen des langfristigen Alkoholkonsums, des Rauschtrinkens und des rückfallartigen Trinkens sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Tieren. Besonders aussagekräftig an dieser Studie ist, dass sie auch neue Erkenntnisse darüber liefert, wie diese Medikamentenklasse das Belohnungssystem des Gehirns beeinflussen könnte“, sagt Christian Edvardsson, von der Sahlgrenska Akademie der Universität Göteborg. Gedämpfte Alkoholwirkung im Gehirn Tirzepatid ist das erste Medikament, das an zwei Rezeptoren, jene der Sättigungshormone GIP und GLP-1, bindet. Es ist zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen und wird klinisch bereits breit eingesetzt. Da sein Sicherheitsprofil gut dokumentiert ist, sehen die Forschenden darin eine mögliche Grundlage für weiterführende Untersuchungen im Bereich der Alkoholabhängigkeit. In den Experimenten zeigte sich, dass Tirzepatid die alkoholbedingten Effekte auf Dopamin abschwächt. Der Neurotransmitter spielt eine zentrale Rolle im Belohnungssystem des Gehirns und ist wesentlich an den verstärkenden Eigenschaften von Alkohol beteiligt. Vermittelt wird dieser Effekt offenbar zumindest teilweise über das laterale Septum – eine Hirnregion, die bei Motivation, Belohnung und Rückfallprozessen eine Rolle spielt. Perspektiven für künftige Therapien Zusätzlich fanden die Wissenschaftler im lateralen Septum Veränderungen an bestimmten Proteinen, die die Genaktivität regulieren. Solche Veränderungen wurden bereits zuvor mit Sucht- und Substanzkonsum in Verbindung gebracht. Die Studie zeigt jedoch nicht, dass diese Veränderungen direkt für die Reduktion des Alkoholkonsums verantwortlich sind, sondern deutet darauf hin, dass sie Teil der durch Tirzepatid beeinflussten biologischen Mechanismen sein könnten. „Dies ist noch keine neue Behandlungsmethode für Alkoholabhängigkeit. Die Ergebnisse bestärken jedoch die Ansicht, dass Medikamente, die auf diese neuronalen Systeme abzielen, als potenzielle Behandlungsoptionen weiter erforscht werden sollten“, sagt Elisabet Jerlhag Holm, Professorin für Pharmakologie an der Sahlgrenska Akademie der Universität Göteborg.