Im Dienste des Klimas wird Wien im Frühjahr zu „Kaorle“

„Es wird so getan, als ob die Klimaagenda eine temporäre Mode wäre“, klagt die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler . „Aber wir wissen es besser. Nicht aus Arroganz, sondern aus Sorge um die Welt.“ Die Stadt hält also nicht nur an ihrem Fahrplan zur Klimaneutralität fest, sondern auch an ihrem Kunstfestival, das heuer von 9. 4. bis 10. 5. am Bewusstsein für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit arbeiten will. Wenngleich die Mittel auch hier schrumpfen: Mit 500.000 Euro für das „Vorbereitungsjahr“, 850.000 für das laufende Jahr und 150.000 Euro an Drittmitteln kommt man gerade auf die 1,5 Millionen Gesamtbudget, die die Stadt bei der Erstausgabe 2024 noch allein stemmte (Sponsoren besserten dieses damals um 300.000 € auf; heuer ist die Bank Austria Hauptsponsor). Auch das Kunst Haus Wien , das als Trägerinstitution fungiert und die zentrale Ausstellung „Seeds“ rund ums Thema Samen ausrichtet, musste zuletzt starke Budgetkürzungen hinnehmen. Straffung Doch Festivalleiterin Sithara Pathirana – sie hat nach Rückzug des Mitstreiters Claudius Schulze die künstlerische Ausrichtung allein inne – setzt auf Straffung des Programms . Erstreckten sich die Beiträge bei der Erstausgabe noch von Mai bis Juli, so sollen nun Ausstellungen, Events und Bildungsangebote innerhalb eines Monats für Aufbruchsstimmung sorgen und Dinge begreifbar machen, die „schwer in den Kategorien menschlicher Sprache zu fassen sind“, wie Pathirana sagt: „Unspeakable Worlds“ (etwa: „Unaussprechliche Welten“) lautet das Festivalmotto. Viel Atmosphäre verspricht dabei die Reaktivierung des Projekts „Kaorle (sic!) am Karlsplatz“: Die Künstlerin Margot Pilz hatte erstmals 1982 den Platz vor der Karlskirche mit Sand und Sonnenschirmen zur Begegnungszone umfunktioniert. Heuer kommen unter dem Titel „(No) Funny Games“ noch weitere Projekte im öffentlichen Raum dazu – so soll etwa ein aus natürlichen Materialien nachgeformter SUV neben der Kunsthalle am Karlsplatz langsam zu Kompost zerfallen, Plakatwände und Brücken werden mit Fotoserien oder Street-Art bespielt. Die Wirtschaftsagentur präsentiert dazu geförderte Projekte aus einem Wettbewerb, der nach neuen Impulsen zur Nutzung von Freiräumen und zur Grätzelaufwertung suchte. Freiräume Aufgewertet wird dazu die Zusammenarbeit mit eigenverwalteten Kunsträumen, die bei der Erstausgabe zwar in großer Zahl als Partner genannt wurden, sich dann aber über teils fehlende Unterstützung beklagten. Nun hat Kuratorin Anne Faucheret zehn Räume ausgewählt, in denen Ausstellungen zu Klimathemen gezeigt – und mit einem Pauschalbetrag gefördert – werden. Ein eigenes Festival-Areal wird es für die Biennale heuer nicht geben. 2024 hatte man am Nordwestbahnhofgelände ein solches eingerichtet, abseits von Veranstaltungen war dieses aber wenig besucht. Insgesamt zählte man bei der ersten Biennale 225.000 Besuche.