Brille und Mantel ist nicht Jacke wie Hose

Emmanuel Macron hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine Sonnenbrille getragen. Das ist witzig, weil die Welt irgendwie am Abgrund steht, aber ein französisches Medium stilistisch empört die Frage stellte: drinnen?! Monsieur Macron hielt dann noch eine bewegende Rede, Europa müsse sich wehren, gegen die imperialistischen Tendenzen, doch da hatte längst das Internet übernommen, der Imperialismus geriet zur Nebensache. Artikel erörterten die Frage, warum (Augenentzündung), warum wirklich (hat seine Frau wieder zugelangt?), was (die Pacific von Henry Jullien) und wie viel (659 Euro). Seidentraum und Fäustlinge Wenn Nebensächlichkeiten der Weltgeschichte zur Hauptsache werden, fühlen wir uns immer seltsam bewegt. Wie willens wir sind, uns darauf einzulassen, erstaunt bisweilen. Die Spiegelbrille von Macron ist dermaßen ein Renner, dass der Onlineshop des Herstellers zusammengebrochen ist. Ähnlich liegt der Fall bei Drogenboss „El Chapo“. Zum Treffen mit Sean Penn trug der 2016 ein Hemd, das zum Hype wurde: ein hauchdünner Paisley-Seidenalbtraum in „Findet Nemo“-Blau. Es wurde zum Verkaufsschlager. 2021 wiederum sorgte der US-Senator Bernie Sanders für Furore. Frierend bei der Amtseinführung von Joe Biden begeisterte er das Internet. Eine Volksschullehrerin hatte seine Fäustlinge gestrickt, die Leute rissen sich darum, als käme eine Eiszeit. Man sieht: Auch wenn die Welt im Argen liegt, ist immer auch anderes zu tun. Shoppen zum Beispiel. Außer vielleicht im Falle von Wladimir Putin. Die Daunenjacke, die er 2022 trug, kostete 12.000 Euro. Sein frierendes Volk mag dafür nicht vollends Verständnis gezeigt haben.