Messerangriff auf Friedhof: "Hätte jeder alten Dame passieren können"

Von Maximilian Gruber Am Baumgartner Friedhof in Penzing scheint es an diesem Morgen ein ganz normaler Dienstag zu sein. Vereinzelt tauchen Menschen zwischen den Grabsteinen auf, halten inne und sind in Gedanken versunken. Aber es ist alles anders: Ein rot-weißes Absperrband mit der Aufschrift "Polizei“ flattert im Wind und weist darauf hin, dass sich hier am Vortag eine Bluttat ereignete. Etwa 20 Meter hinter dem Absperrband, in der obersten Reihe der Gruppe J, wurde Montagnachmittag eine leblose 64-Jährige gefunden. Kurz danach konnte eine 14-Jährige vorläufig festgenommen werden, sie soll die Tat bereits gestanden haben. Der Polizei zufolge sollen sich die beiden nicht gekannt haben. Bestatter in Penzing: "Am Ende des Tages kommen Gedanken" "Ich bin erst um vier Uhr ins Bett gekommen“, erzählt Arthur Altbart, als er am Tag danach den Weg in Richtung Tatort geht. Der 18-jährige Bestatter lief auch voran, als er Rettung und Polizei durch die Grabsteine führte. "Am Ende des Tages kommen die Gedanken, die man davor nicht verarbeiten konnte.“ Aus der Ferne mitbekommen hat Magdalena Ehrenberger von der gleichnamigen Gärtnerei in der Waidhausenstraße den Großeinsatz der Polizei am Montagabend. Sie wohnt nur wenige Minuten entfernt. "Zuerst habe ich nur Sirenen gehört und das Blaulicht gesehen“, erinnert sich die 76-Jährige. Ein Patient vom Steinhof, habe sie gedacht, "oder jemand versteckt sich am Friedhof vor der Polizei, das haben wir alles schon gehabt“. Messerangriff auf Friedhof vor der eigenen Haustür Von dem Tötungsdelikt ist Ehrenberger entsetzt. Heute habe sie ein mulmiges Gefühl. "Liest man das, glaubt man, es ist weiß Gott wo. Und dann ist es vor der eigenen Haustür.“ Auch Malinko Popic, Mitarbeiter in der Gärtnerei, zeigt sich sichtlich betroffen. "Im Sommer gieße ich immer die Gräber rund um den Tatort“, sagt er kopfschüttelnd. Am heutigen Arbeitstag sei er traurig. "Irgendwie hast du Lust auf gar nichts, du bist nicht wirklich da.“ Seit 27 Jahren arbeite der 50-Jährige hier. Viel sei passiert am Baumgartner Friedhof , doch so etwas habe er noch nicht erlebt. Er erinnert sich jedoch an einen Fall, als ein älterer Herr seinen Wagen in der Waidhausenstraße abstellte, um ein Grab zu besuchen. Dort stolperte er und fiel mit dem Kopf voran auf die Steinkante. Er wurde erst nach drei Tagen gefunden: "Der Friedhof ist halt oft leer.“ Messerangriff "hätte jeder alten Dame passieren können" Einer der wenigen Besucher, die Dienstagvormittag zwischen den Grabsteinen schlendern, ist Christian Walter, zwei rote Grabkerzen in der Hand. Auch der 64-Jährige zeigt sich betroffen und sagt, dass er im selben Alter sei wie die verstorbene Frau. "Viel zu früh. Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Man könne sich heutzutage nicht einmal mehr am Friedhof sicher fühlen, beklagt er. „Vor einem Friedhof haben manche Menschen grundsätzlich schon Angst“, ergänzt Arthur Altbart vor dem flatternden Absperrband.  Er könne sich vorstellen, dass das nun schlimmer werde. „Das hätte jeder alten Dame passieren können.“ Seine Oma etwa wohne nur zwei Minuten entfernt.